Jens Spahn: Jung, konservativ und ehrgeizig | Deutschland | DW | 25.02.2018
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Die Ministerriege der CDU

Jens Spahn: Jung, konservativ und ehrgeizig

Berufswunsch "Kanzler" gab er in der Abi-Zeitung an. Mit 22 Jahren zog Jens Spahn als Direktkandidat in den Bundestag ein. Den Merkel-Kritikern in der CDU gilt der heute 37-Jährige als Hoffnungsträger. Ein Portrait.

Noch haben die SPD-Mitglieder nicht entschieden, ob es eine erneute große Koalition geben wird oder nicht. Im Falle eines Falles aber würde Jens Spahn im neuen Kabinett unter einer Bundeskanzlerin Angela Merkel der neue Gesundheitsminister werden. Für Spahn wäre es der nächste Schritt auf der Karriereleiter, aber was bedeutet das für seine Chefin? 

Spahn ist so etwas wie ein Gegenentwurf zu Angela Merkel und mit seinen politischen Positionen hätte er auch in der konservativen Schwesterpartei CSU Karriere machen können: Der 37-Jährige fordert mehr Sicherheit und Ordnung in Deutschland, er möchte die Flüchtlingszahlen begrenzen, fordert ein Verbot der Burka, lehnt die doppelte Staatsbürgerschaft ab und findet die deutsche "Leitkultur" gut.

Extremismus lehnt er ab

Dafür streitet Spahn laut und deutlich, Konsens ist für ihn gleichbedeutend mit Stillstand. Als "Rechtsaußen" der CDU möchte er sich trotzdem nicht verstanden wissen, sondern als konservativ-liberal. "Ich möchte gegen Rechtsradikale und rechte Parolen genauso kämpfen wie gegen einen rechten Islam", sagt er.

1995, da wurde Spahn gerade 15 Jahre alt, trat er der Jugendorganisation der CDU, der Jungen Union, bei. Weil alle um ihn herum "so links" gewesen seien, sagt er. 22 war er, als er für die CDU in den Bundestag einzog. Als direkt gewählter Kandidat seines Wahlkreises im Münsterland in Nordrhein-Westfalen, unmittelbar an der niederländischen Grenze.

Jens Spahn in Potsdam (Jens Spahn)

Berlin schon früh im Blick: Jens Spahn 2002

Erst Bankkaufmann, dann in die Politik

Dort, in Ahaus, ist Jens Spahn auch geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur an einem katholischen Gymnasium machte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Später, als er schon in der Politik war, begann er noch ein Fernstudium in Politikwissenschaften, das er 2017 mit dem Master of Arts abschloss. 

Seinen Wahlkreis hat Spahn in allen Bundestagswahlen seit 2002 klar gewinnen können. Auch 2017, als die CDU bei den Zweitstimmen im Vergleich zu 2013 mehr als 7 Prozentpunkte verlor. Der Kandidat Spahn verschlechterte sich zwar auch, aber nur um 0,7 Prozentpunkte auf 51,3 Prozent der Stimmen. Ob es das ist, was sein Selbstbewusstsein nährt?

1,91 Meter groß und Schuhgröße 49

Jens Spahn war nie leise. Von Anfang an hatte er vor, sich in der Bundestagsfraktion Stück für Stück "nach vorne zu robben", wie er selbst formulierte. Früh konzentrierte er sich auf Gesundheitspolitik, ein unter Abgeordneten nicht gerade beliebtes Feld, das dadurch weitgehend konkurrenzlos ist. Er arbeitete sich akribisch ein, wurde 2009 gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion.

Für die Leitung des Gesundheitsministeriums reichte es 2013 trotzdem (noch) nicht. Stattdessen wurde Jens Spahn Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Gesundheitsminister wurde Hermann Gröhe, ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen. Eben diesen Gröhe verdrängte Spahn 2014 aus dem CDU-Präsidium, indem er sich gegen alle vorherigen innerparteilichen Absprachen auf dem CDU-Parteitag zur Wahl stellte - und gewann.

Aufmüpfig, auch der Chefin gegenüber

Spätestens da muss Angela Merkel als Parteivorsitzende gedämmert haben, dass auch ihr mit dem jungen, aufstrebenden Talent Konkurrenz erwachsen würde. Spätestens 2015/2016, als die Flüchtlingskrise Merkel in Bedrängnis brachte, wurde aus der Ahnung Gewissheit. Jens Spahn gehörte früh zu denen, die die "Willkommenspolitik" der Kanzlerin offen kritisierten und einen Kurswechsel forderten.

Eine Forderung, die er bis heute vertritt und zwar über den inzwischen in der CDU vollzogenen Kurswechsel hinaus. "Jeder fünfte Wähler hat die Spalter von links und rechts gewählt, weil wir vorher offensichtlich massiv Vertrauen verloren haben - und das hat viel mit dem Thema Migration und Flüchtlinge zu tun", analysiert Spahn. Viele der sozialen Fragen hätten auch etwas mit Sicherheit, Ordnung und Migration zu tun.

CDU Jens Spahn und Kanzlerin Merkel (pictue-alliance/dpa/M. Kappeler)

Offiziell folgt er der Kanzlerin (noch)

"Der Eindruck, die Grundsicherung wäre zu gering, resultiert auch daraus, dass eine Großmutter, die fünf Kinder großgezogen hat und bei zehn Enkeln mithalf, im Alter teils genauso viel erhält wie ein junger Mann, der erst drei Wochen im Land oder gar ausreisepflichtig ist", sagt der CDU-Politiker. Die Bildungschancen von Kindern seien beeinträchtigt, weil es in zu vielen Schulklassen einen Migrantenanteil von 70, 80 Prozent gebe.

Der Ehering am Finger glänzt noch

Jens Spahn beklagt die "Machokultur mancher Migranten" und setzte 2016 auf einem CDU-Parteitag gegen den Willen von Angela Merkel ein "Nein" zur doppelten Staatsbürgerschaft durch. In der Debatte um die Öffnung der Ehe für alle kämpfte Spahn auf der Seite der Befürworter und heiratete kurze Zeit später seinen langjährigen Lebenspartner, den Journalisten Daniel Funke.

Sein Selbstbewusstsein kommt dem CDU-Politiker besonders zugute, wenn er mit Homophobie und offen ausgetragenem Schwulenhass konfrontiert wird. Aufsehen erregte er noch vor kurzem mit seiner Reaktion auf einen Facebook-Eintrag.

"Mit kleinen Kindern kennt ihr Euch Hinterlader in den Parteien gut aus", hatte ein User den wöchentlichen Facebook-Live-Auftritt Spahns kommentiert. Da ging es nicht nur um die sexuelle Orientierung, der Kommentator unterstellte Spahn auch pädophile Neigungen. Der antwortete gelassen: "Anstatt dumme Sprüche zu machen, könnten Sie doch einfach sagen: Schön, dass wir gemeinsam Familien unterstützen wollen".

Omnipräsent bei Twitter und Facebook

Jens Spahn weiß um die Bedeutung der sozialen Netze und er nutzt ihr Scheinwerferlicht ausgiebig. Auf der Internetseite des Politikers ist seine Präsenz auf Facebook und Twitter seitenfüllend in drei Spalten dokumentiert, beliebig erweiterbar über den Button "Mehr laden". Wenn eine Talkshow zu besetzen ist, kommt Jens Spahn gerne ins Studio.

Nicht kleckern, sondern klotzen lautet seine Devise. Das Ministeramt, da kann man sich sicher sein, wird Jens Spahn nicht als seine letzte Sprosse auf der Karriereleiter betrachten. Aber das ist nichts Neues. Schon in der Abiturzeitung, so erinnert sich sein Sportlehrer, soll Spahn als Berufswunsch "Kanzler" angegeben haben.

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