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Aktuell Nahost

Jemens Präsident vor Huthi-Rebellen geflohen?

Im Jemen rücken die Huthi-Milizen weiter vor. Vor Wochen floh Präsident Hadi bereits in die südliche Hafenstadt Aden. Nun wird auch diese angegriffen - wo sich Hadi aufhält ist unklar.

Der jemenitische Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi soll sich Angaben aus seinem Umfeld zufolge vor den vorrückenden Huthi-Rebellen in Sicherheit gebracht haben. Verwirrung herrscht derzeit über seinen Zufluchtsort. Ein Vertreter der Präsidentengarde sprach von einer Flucht ins Ausland. Dagegen sagte ein Mitarbeiter des Staatschefs, Hadi sei an einem "sicheren Ort in Aden". Noch immer dementiert der jemenitische Sicherheitsdienst sämtliche Meldungen über eine Flucht Hadis. Er befinde sich in seinem Anwesen in Aden, sagte der Leiter des Dienstes in einem Interview mit der lokalen Nachrichtenseite "Aden al-Ghad".

Kurz zuvor verlautete aus jemenitischen Sicherheitskreisen, es habe einen Luftangriff auf den Präsidentenpalast in Aden gegeben. Ein Sprecher der Huthi-Miliz teilte derweil mit, den Verteidigungsminister des Landes festgenommen zu haben. Mahmud al-Subaihi sei in der Stadt Huta gefasst worden. Auch der Flughafen Adens reagierte auf die prekäre Sicherheitslage in der Stadt. Aus Flughafenkreisen hieß es, der Flughafen sei geschlossen und alle Flüge abgesagt worden.

Jemen zweigeteilt

Im Jemen herrschen politisches Chaos und Gewalt seit der ehemalige Präsident Ali Abdullah Salih Anfang 2012 nach Protesten gegen ihn zurückgetreten ist. Mittlerweile ist das Land gespalten in einen von den Huthis kontrollierten Norden und einen von Hadis Unterstützern beherrschten Süden. Die Huthis wollen mehr politische Rechte von der Regierung erzwingen und beherrschen seit Monaten große Teile des Nordjemens sowie die Hauptstadt Sanaa. Hadi hatte Ende Februar in Aden Zuflucht vor den Rebellen gesucht. Am Wochenende rief er Aden zur neuen Hauptstadt aus. Die Lage im Jemen ist eskaliert, nachdem am Freitag bei Bombenanschlägen in Sanaa mehr als 130 Menschen getötet worden waren.

Demo und Straßenkämpfe in Tais im Jemen (Foto: Reuters)

Die Lage im Jemen eskaliert weiter: hier schlagen Huthi-Milizen eine Demo in Tais blutig nieder

Vormarsch nach Aden

Seitdem rückt die Miliz rapide in Richtung Aden vor. Unterstützung erhält sie lokalen Quellen zufolge von Soldaten, die den ehemaligen Präsidenten Salih unterstüzen. Auf dem Weg nach Aden eroberten die Huthi-Rebellen unter anderem die 130km entfernte Universitätsstadt Tais, wo sie Demonstrationen blutig niederschlugen. Nach Angaben lokaler Sicherheitsbeamter wurden acht Demonstranten von den Rebellen getötet. Mit scharfer Munition und Tränengas hätten sie den Protestmarsch aufgelöst.

In der Nacht zum Mittwoch überrannten die Huthi-Milizen nach Angaben von Militärbehörden die Luftwaffenbasis Al-Anad, die nur 60 Kilometer nördlich von Aden liegt. Sie gilt als wichtigster Militärstützpunkt im Süden des Landes. Erst vor vier Tagen hatten die USA eigene Soldaten aus Al-Anad abgezogen. Die US-Armee hatte die Basis in der Vergangenheit als Stützpunkt für Drohnen-Einsätze gegen mutmaßliche Terroristen genutzt und dort jemenitische Spezialeinheiten trainiert.

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Hilferuf an die UN

Hadi appellierte derweil an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, einer

Militärintervention gegen die Huthi-Miliz

zuzustimmen. Ein Eingreifen einsatzbereiter Länder solle durch eine Resolution des Gremiums gebilligt werden, heißt es in einem Schreiben Hadis. Er habe die Staaten der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats bereits gebeten, dem Jemen auch mit militärischen Mitteln zu helfen. Der UN-Sicherheitsrat hatte kürzlich eine Erklärung abgegeben und Hadi darin Unterstützung zugesichert.

"Militärische Intervention"

Jemens Außenminister Rijadh Jassin bekräftigte im ägyptischen Scharm el Scheich den Appell an die Arabische Liga: "Wir werden den kommenden Gipfel um eine dringende Intervention bitten". Eine "militärische Intervention" fügte er hinzu. Der stellvertretende Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Ben Hilli, versprach, intern über die Bitte Jassins zu beraten. Die Sache werde morgen auf der Ebene der Außenminister diskutiert.

Derweil hat die Armee Saudi-Arabiens Angaben der US-Regierung zufolge bereits Panzer und Artillerie an die jemenitische Grenze verlegt. Der

saudische Truppenaufmarsch

könne sowohl offensiven als auch defensiven Zielen dienen, verlautete aus US-Regierungskreisen. Die Konzentration von schwerem Militärgerät habe eine "signifikante" Größenordnung. Die zitierten US-Quellen machten keine Angaben über den genauen Ort des Aufmarsches. Denkbar sei, dass die saudischen Streitkräfte Luftangriffe zur Unterstützung Hadss vorbereiteten. Hadi wird von Saudi-Arabien und anderen sunnitischen Monarchien der Region unterstützt, die Huthi-Miliz vom schiitischen Iran.

nin/gmf (dpa, rtre, ape, afp)