Jemenitische Regierungstruppen starten Rückeroberung Hudaidas | Aktuell Nahost | DW | 14.06.2018
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Jemen-Krieg

Jemenitische Regierungstruppen starten Rückeroberung Hudaidas

Regierungstruppen haben mit einer Offensive auf die strategisch wichtige Hafenstadt begonnen, die von Huthi-Rebellen kontrolliert wird. Internationale Warnungen vor einer humanitären Katastrophe verhallten ungehört.

Der Versuch, die Hafenstadt aus der Hand der Huthis zurückzuerobern, begann nach Armeeangaben am Mittwochmittag. Die Offensive habe mit Luftangriffen auf Ziele südlich von Hudaida begonnen, hieß es aus jemenitischen Militärkreisen. Eine Koalition unter Führung von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt die Offensive. Vier VAE-Soldaten kamen bei der Offensive bereits ums Leben. Regierungstreue Milizen rücken am Boden vor (Artikelbild).

Jemens Regierung begründete das Vorrücken damit, dass Verhandlungen mit den Huthi-Rebellen zum Abzug aus Hudaida gescheitert seien. Alle "politischen und friedlichen Mittel" seien erschöpft, hieß es aus Sanaa. Den schiitischen Rebellen wirft die Regierung vor, über Hudaida iranische Waffen zu importieren - insbesondere ballistische Raketen, mit denen die Milizen zuletzt häufiger Ziele in Saudi-Arabien angegriffen haben.

Anwohner berichteten der Deutschen Presse-Agentur von zahlreichen Kampfjets, die über Hudaida flögen. Es seien zahlreiche Explosionen von Luftangriffen und Bombardierungen durch Kriegsschiffe südlich der Stadt zu hören. Im Stadtzentrum selbst zögen sich Kämpfer der Huthis zusammen. Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen leben noch 600.000 Menschen in Hudaida, die Hälfte davon sind Kinder.

Drohende Hungersnot im Jemen (picture alliance/dpa/M. Mohammed)

Drei Viertel der Bevölkerung des Jemen ist auf Hilfe von humanitären Organisationen angewiesen

Humanitäre Katastrophe

Mediziner berichteten, dass bei den Luftangriffen 22 Huthi-Kämpfer getötet wurden. Der Generalsekretär der Hilfsorganisation Care Deutschland, Karl-Otto Zentel, sagte, die Berichte von vor Ort bestätigten die schlimmsten Befürchtungen. Innerhalb von 30 Minuten habe es mehr als 30 Angriffe gegeben. "Der Angriff bedeutet Todesgefahr für unzählige Anwohner", so Zentel. Zudem drohe die Versorgung für Millionen von Jemeniten zusammenzubrechen.

"Die humanitäre Situation im Jemen ist schon jetzt katastrophal", schrieb der Präsident des internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), Peter Maurer, auf Twitter. Der Kampf um Hudaida könnte das Leid der Menschen auf ein unvorstellbares Level bringen.

Ende der Diplomatie

Das Auswärtige Amt in Berlin zeigte sich "sehr besorgt über die aktuellen Entwicklungen in Hudaida". Ein Sprecher appellierte an "alle Konfliktparteien, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten".

Der UN-Sondergesandte Martin Griffiths hatte bis zuletzt versucht, den Angriff zu verhindern. In einer Stellungnahme rief er alle Konfliktparteien dazu auf, eine weitere militärische Eskalation zu verhindern. "Ich kann nicht genug betonen, dass es keine militärische Lösung für diesen Konflikt gibt", sagte Griffiths.

Der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Deutschland, Ali al-Ahmed, hält die Vermittlungsbemühungen des UN-Sondergesandten für gescheitert. Nach einem Jahr ohne Fortschritte sei "eine militärische Lösung deutlich näher als eine politische", so der Diplomat.

Die Rebellen ihrerseits forderten die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Eskalation aufzuhalten - ansonsten sei die Schifffahrt auf dem Roten Meer gefährdet.

An diesem Donnerstag soll sich der UN-Sicherheitsrat hinter verschlossenen Türen noch einmal mit dem Jemen-Krieg befassen.

Strategisch wichtig

Der Hafen von Hudaida ist die zentrale Anlaufstelle für die Versorgung des Jemen. 70 Prozent der Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung im Huthi-kontrollierten Norden des Landes kommen hier an. Umso dramatischer wird es nach Ansicht vieler internationaler Beobachter, wenn Hilfsorganisationen aufgrund der jetzt begonnenen Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Huthi-Rebellen keinen Nachschub mehr bekommen können.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind durch den Krieg im Jemen 22 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Das sind mehr als drei Viertel der Bevölkerung. Zuletzt hatte eine Cholera-Epidemie mit mehr als einer Million Fällen die Lage im Land verschlechtert. Seit Beginn des Konflikts sind laut Weltgesundheitsorganisation WHO fast 10.000 Menschen getötet worden.

mak/rk (afp, dpa, rtr)

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