Jemen: Gefechte unter ehemaligen Verbündeten | Aktuell Nahost | DW | 28.01.2018
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Jemen

Jemen: Gefechte unter ehemaligen Verbündeten

Im jemenitischen Bürgerkrieg droht eine weitere Eskalation. In der Hafenstadt Aden kämpfen nun Gruppen eines ehemaligen Regierungsbündnisses untereinander. Der Ministerpräsident spricht von einem "Putsch".

Jemen | Separatisten in Aden (Getty Images/AFP/S. Al-Obeidi)

Kämpfer der Separatisten in Aden

In der Hafenstadt Aden im Süden des Landes liefern sich Regierungstruppen von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und Kämpfer der "Bewegung des Südens" (STC) heftige Kämpfe. Dabei sollen mindestens zehn Menschen getötet und weitere 30 verletzt worden sein. Laut Nachrichtenagentur AFP sollen die STC-Kämpfer den Regierungssitz von Hadi bereits eingenommen haben. Regierungschef Ahmed bin Dagher sprach von einem "Putsch" der Separatisten, die für einen unabhängigen Südjemen kämpfen, und bat die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition um Unterstützung.

Kämpfe im gesamten Stadtgebiet von Aden

In der vergangenen Woche hatten die STC-Separatisten Präsident Hadi aufgefordert, Ministerpräsident bin Dagher und weitere Minister wegen Korruption zu entlassen. An diesem Sonntag lief die von den Separatisten gestellte Frist ab. Die Kämpfe in Aden brachen aus, als Anhänger der STC-Bewegung in der Stadt demonstrieren wollten. Mittlerweile weiteten sie sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen auf die gesamte Stadt aus. Schulen und Geschäfte sind geschlossen, in mehreren Stadtvierteln wurde am Nachmittag mit schweren Waffen gekämpft. Nach Angaben von Rettungskräften waren auch Zivilisten unter den Opfern.

Im Südjemen fordert die STC seit Jahrzehnten eine Unabhängigkeit des Landesteils, der bereits bis 1990 unabhängig war. Zu den Protesten hatte der sogenannte Übergangsrat der Separatisten aus dem Südjemen aufgerufen. Er will die Selbstverwaltung der südlichen Provinzen organisieren. Dem Gremium, das von der Hadi-Regierung nicht anerkannt wird, gehören fünf Provinzgouverneure und zwei Minister an. Adens früherer Gouverneur Aidarous al-Soubeidi hatte den Übergangsrat im Mai gegründet, nachdem er von Hadi entlassen worden war.

Mehr als 9000 Tote im Jemen

In den vergangenen Jahren hatten die STC und die international anerkannte Hadi-Regierung gemeinsam gegen die schiitischen Huthi-Rebellen gekämpft, die große Teile des Nordjemens eingenommen haben. Die Regierung hatte ihren Sitz bereits 2014 von Sanaa nach Aden verlegen müssen, nachdem die Huthi-Rebellen die Hauptstadt eingenommen hatten.

Jemen Luftangriffe in Sanaa mit Dutzenden Toten und Verletzten (Getty Images/AFP/M. Huwais)

Luftangriffe der Militärkoalition haben viele Gebäude in Sanaa zerstört (Archivbild)

Schiitische Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Militäreinheiten des gestürzten Staatschefs Ali Abdallah Saleh kämpfen seit 2014 gegen Truppen von Präsident Hadi. Hadi wird von Saudi-Arabien unterstützt, die Huthi-Rebellen vom Iran. Seit dem Eintritt einer von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition in den Krieg im März 2015 wurden mehr als 9000 Menschen getötet und fast 53.000 verletzt.

cw/WW (dpa, afp, rtre)