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Naher Osten

Jemen: Der vergessene Krieg

Der Jemen befindet sich inmitten einer humanitären Katastrophe. Seit zwei Jahren herrscht Krieg, die Lage für die Menschen vor Ort wird immer aussichtsloser. Die DW beantwortet die wichtigsten Fragen zur Krise.

Der Strom der Schreckensmeldungen aus dem bettelarmen Jemen reißt nicht ab: Hungersnöte, Cholera-Ausbrüche und ein Bürgerkrieg, der kein Ende zu nehmen scheint. Jemens jüngste Geschichte ist beherrscht von der Spaltung des Landes, Gewalt und Terror. Bis Anfang der 1960er Jahre war der Norden eine unabhängige Monarchie; der Süden war ein britisches Protektorat. Staatsstreiche in beiden Regionen führten zu Jahrzehnten der Gewalt, die erst 1990 mit der Wiedervereinigung des Nordjemen mit der Demokratischen Volksrepublik Jemen endeten - zumindest vorerst.

Das Land im Nahen Osten gehört außerdem schon seit langem zu den Ärmsten in der Region. Laut dem Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen, der Lebenserwartung, Bildung und Lebensstandard misst, lag der Jemen 2015 auf Platz 168 von 188 Ländern. Seit dem Ausbruch des Kriegs im März 2015 hat sich die Lage weiter zugespitzt: Mehr als 18 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, viele haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen und sauberem Wasser.  

Jemen Präsident Ali Abdullah Saleh 2012 (picture alliance/epa/Y. Arhab)

Der ehemalige Präsident Ali Abdullah Salih: Nach heftigen Ausschreitungen zurückgetreten

Wann hat der Krieg begonnen?

Der Bürgerkrieg im Jemen begann mit dem Arabischen Frühling 2011. Pro-demokratische Demonstranten gingen auf die Straße, um Präsident Ali Abdullah Salih nach 33-jähriger Herrschaft zum Abtreten zu bewegen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der Unzufriedenheit mit der regierenden Salih-Familie war das Land bereit für Veränderungen. Salih reagierte mit wirtschaftlichen Zugeständnissen, weigerte sich jedoch zunächst zurückzutreten. 

Wie auch in anderen Ländern des Nahen Ostens verliefen die Proteste des Arabischen Frühlings blutig. Polizei und Militär gingen immer wieder gewaltsam gegen die Demonstranten vor: Nach Angaben der Opposition starben dabei mehr als 860 Menschen. Im November 2011 kündigte Salih schließlich seinen Rücktritt an. Dank eines international vermittelten Abkommens erlebte der Jemen schließlich die Machtübergabe an Vizepräsident Abd Rabbo Mansur Hadi und machte so den Weg frei für die Wahlen im Februar 2012 - in denen Hadi allerdings der einzige Kandidat war.

Hadis Versuche, Verfassungs- und Haushaltsreformen durchzuführen, lösten einen Aufschrei der Huthi-Rebellen aus dem Norden aus. Schon bald verlor Hadi die Kontrolle über den Machtapparat. Auch dem zunehmenden Terror von Al-Kaida und IS konnte er nicht Einhalt gebieten.

Jemen-Konferenz in Riad (Getty Images/Afp/F. Nureldine)

Mann ohne Macht: Der jemenitische Präsident Abd-Rabbo Mansur Hadi im Exil in Riad

Im September 2014 - nach Jahren des Chaos und der Gewalt - besetzten Huthi-Aufständische schließlich die Hauptstadt Sanaa. Hadi war gezwungen, seine Regierung in die südliche Hafenstadt Aden zu verlegen. 

Wer kämpft gegen wen?

Mehrere Parteien sind im Jemen-Krieg verstrickt. Es gibt jedoch zwei Hauptlager: zum einen die regierungsnahen Kräfte, angeführt von Präsident Hadi, und auf der anderen Seite die regierungsfeindlichen Kräfte, angeführt von den Huthis. Sie werden vom ehemaligen Präsidenten Salih unterstützt. Die Huthis gehören zu einer kleinen schiitischen Gruppe, Zayditen genannt. Bis zum Sommer 2015 hatten die Aufständischen einen Großteil des südlichen Landes erobert. Derzeit behalten sie die Kontrolle über zentrale Schlüsselprovinzen im Norden. 

Die Regierung von Präsident Hadi hat ihren Hauptsitz in Aden und ist die international anerkannte Regierung des Jemen. Ende März 2015 floh Hadi jedoch vor den immer weiter vorrückenden Huthis nach Riad in Saudi-Arabien. Von dort aus versucht er weiter zu regieren. In den vergangenen Monaten hat die Exilregierung von Hadi jedoch Risse bekommen; der frühere Sicherheitsberater Aidarous al-Zubaidi und der ehemalige Minister Hani Bin Braik verloren nach Zerwürfnissen ihre Posten. 

Wer engagiert sich in der von Saudi-Arabien geführten Koalition?

Im März 2015 begann die Militäroperation "Sturm der Entschlossenheit". Zusammen mit Saudi-Arabien haben die Vereinigten Arabischen Emirate Luftangriffe auf jemenitischem Boden durchgeführt. Kuwait, Bahrain, Katar, Marokko, Sudan, Jordanien und Ägypten haben sich an den Operationen beteiligt.

Infografik Humanitäre Lage im Jemen

Die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und Frankreich haben der saudi-geführten Koalition logistische Unterstützung und Aufklärung geliefert. Als offizielles Ziel der Militärintervention gilt, dass die Hadi-Regierung vor dem Zusammenbruch und der Übernahme des Staates durch die Huthis geschützt werden soll. Verschäft wird der Konflikt jedoch durch die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, der hinter den Huthi-Rebellen steht. 

Was sind die wichtigsten Sorgen in der humanitären Krise?

Im "vergessenen" jemenitischen Krieg ist die Zivilbevölkerung am meisten betroffen. Nach Angaben der Vereinten Nationen starben bis Anfang 2017 mehr als 10.000 Menschen, mindestens 40.000 Menschen wurden verletzt. Durch Luftangriffe und Seeblockaden droht den Menschen im Jemen, wo über 80 Prozent der Nahrungsmittel importiert werden müssen, eine Hungersnot. Die Vereinten Nationen warnen davor, dass es die größte Hungersnot sein könne, die "die Welt seit vielen Jahrzehnten erlebt hat". Der UN-Sicherheitsrat hat deshalb das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis aufgefordert, die Blockade der Häfen und Flughäfen zu beenden. 

Jemen Kind Unterernährung (picture-alliance/AP Photo/H. Mohammed)

Besonders Kinder sind von der Mangelernährung betroffen

Der Jemen wurde zudem von einem Cholera-Ausbruch heimgesucht, der von den Vereinten Nationen als der schlimmste der Welt angesehen wurde. Schätzungen gehen davon aus, dass seit April dieses Jahres rund 400.000 Menschen an Cholera erkrankt und etwa 1.900 davon gestorben sind. Auch die medizinische Versorgung wird immer schlechter. "Ärzte ohne Grenzen" haben ihre Hilfe nach zwei Jahren ausgesetzt, das Militärbündnis hatte keine Flüge in den Jemen zugelassen. Die Reserven in der nationalen Blutbank neigen sich zu Ende. Die UN und die Hilfswerke fordern deshalb ein Ende der Blockade. Das Leben von Menschen in ganz Jemen stünde auf dem Spiel.  

Wenn Sie für die Menschen im Jemen spenden wollen - hier finden Sie die Konto-Verbindungen.

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