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Fokus Osteuropa

"Jelena Bonner geht in die Geschichte ein"

Die Bürgerrechtlerin Jelena Bonner ist am im Alter von 88 Jahren in Boston gestorben. Russische Menschenrechtler beklagen den Tod der früheren Sowjetdissidentin und Witwe des Friedensnobelpreisträgers Andrej Sacharow.

Portrait von Jelena Bonner (Foto: AP)

Jelena Bonner im Jahr 1994

Ljudmila Aleksejewa (Foto: RIA Novosti)

Ljudmila Aleksejewa

"Es ist ein großer Verlust, nicht nur für die Menschenrechtsbewegung", sagte die Leiterin der Moskauer Helsinki-Gruppe, Ljudmila Aleksejewa, zum Tod von Jelena Bonner. Die Verstorbene sei ein sehr aktives und wertvolles Mitglied der Menschenrechtsbewegung gewesen. Für ihren Ehemann Andrej Sacharow sei sie eine sehr energische und verständnisvolle Helferin von unschätzbarem Wert gewesen, unterstrich Aleksejewa gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

"Ein großer Verlust für uns alle"

"Das ist ein großer Verlust für uns alle", sagte auch Lew Ponomarjow, Leiter der russischen Bewegung "Für Menschenrechte". Er habe Jelena Bonner gut gekannt, sowohl mit ihr als auch ihrem Mann zusammengearbeitet. "Es war eine enge und liebevolle Verbindung, alle Entscheidungen haben sie immer gemeinsam getroffen", berichtete Ponomarjow im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Lew Ponomarjow (Foto: DW)

Lew Ponomarjow

Jelena Bonner sei aber eine unabhängige und lebendige Persönlichkeit des öffentlichen Lebens gewesen. Auch nach dem Tod ihres Mannes sei sie in der Bürgerrechtsbewegung aktiv geblieben, erinnert sich Ponomarjow. Sogar nach ihrem Umzug in die USA habe sie die Entwicklung in Russland aufmerksam weiter verfolgt.

Sie habe auch nie nachgelassen, Ratschläge zu erteilen, und ihrer Meinung habe man auch Gehör geschenkt. "Die Dissidenten gehen von uns, das ist sehr traurig. Wir haben uns moralisch an ihnen orientiert. Wir werden sie nie vergessen", so Ponomarjow.

Sergej Kowaljow (Foto: DW)

Sergej Kowaljow

Jelena Bonner gehörte zu den wahren Menschenrechtlern, die sich nicht auf die Lösung privater Probleme beschränken. "Selbst als sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nach Russland reisen konnte, habe sie noch ein aktives Leben geführt und zu Ereignissen nicht nur in ihrer Heimat, sondern in der ganze Welt Stellung bezogen", sagte der Deutschen Welle der bekannte russische Menschenrechtsaktivist, der ehemalige Dissident Sergej Kowaljow. Das Mitglied der Gesellschaft "Memorial" betonte ferner, obwohl Jelena Bonner in den USA gelebt habe, habe sie weiterhin in Russland eine wichtige Rolle gespielt.

Über das Verhältnis zu ihrem Ehemann, den Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow, sagte Kowaljow, auch wenn Jelena Bonner während ihres Leben mit ihm "die zweite Geige" gespielt habe, sei ihre Rolle nicht zu unterschätzen gewesen. In der Entscheidungsfindung sei sie immer schneller als ihr Mann gewesen.

Memorial dankt Jelena Bonner

Oleg Orlow (Foto: RIA Novosti)

Oleg Orlow

Dass der Menschenrechtsverein "Memorial" seinerzeit von den Behörden offiziell zugelassen worden sei, sei auch Jelena Bonner zu verdanken, erinnert sich der heutige Memorial-Leiter Oleg Orlow. Zwar habe sich Jelena Bonner an der Arbeit der Gesellschaft nicht mehr beteiligt, aber mit ihren Einschätzungen und Empfehlungen habe sie Memorial regelmäßig unterstützt.

Über die aktuelle Situation der Menschenrechtsbewegung in Russland sagte Orlow, dass es inzwischen zu einem Generationswechsel komme. "Jetzt ist eine jüngere Generation da", betonte er. Es gebe viele junge Menschen, die sich engagieren würden. "Man muss sich nur die neuen Initiativen anschauen, die es unter russischen Menschenrechtlern gibt, da kann man viele neue Namen entdecken", so Orlow.

Die jungen Menschenrechtler seien oft pragmatischer. Sie wollten konkrete Ergebnisse ihrer Arbeit sehen, beispielsweise beim Schutz einer bestimmten Person. In der Sowjetzeit habe sich die Dissidentenbewegung vor allem auf die Überwachung der Lage der Menschenrechte konzentriert. "Die heutigen Bedingungen erfordern neue Lösungen. Aber Jelena Bonners Arbeit wird in die Geschichte eingehen, und darf nie vergessen werden", betonte Orlow.

Autor: Jegor Winogradow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Bernd Johann

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