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Globale Zusammenarbeit

Jedes sechste Kind in Angola stirbt

Angola hat eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten der Welt. Das Ziel, die Rate bis 2015 um zwei Drittel zu senken, wird das Land nicht erreichen. Die Regierung investiert nur wenig in den Gesundheitssektor.

Unterernährtes Kind im staatlichen Kinderkrankenhaus „David Bernardino“ im Zentrum der angolanischen Hauptstadt Luanda. Im Hintergrund die Großmutter Lubina Rodrigues

Lubina Rodrigues mit ihrem unterernährten Enkel

Nach offiziellen Angaben sterben in Angola circa 180 von 1000 Kindern und Säuglingen, noch bevor sie ein Alter von fünf Jahren erreichen. Eine erschreckend hohe Zahl, betonen internationale Beobachter, auch im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern in Afrika. Im Nachbarland Namibia sterben 62, auf den Kapverdischen Inseln 35 von 1000 Kindern vor ihrem fünften Geburtstag. In Deutschland sind es nur vier.

Viele Patienten - wenig Ärzte

Ein Besuch im größten Kinderkrankenhaus der Hauptstadt Luanda offenbart die Misere im angolanischen Gesundheitswesen. Das Hospital "David Bernardino" ist das einzige staatliche Kinderkrankenhaus der Sechs-Millionen-Stadt. Entsprechend groß ist der Andrang. Vier Ärzte versorgen täglich bis zu 500 Kinder. Chefärztin Margarida Correia bestätigt, dass das Krankenhaus überfordert sei mit den immer häufigeren Fällen von Malaria, akutem Durchfall und anderen Infektionskrankheiten. Viele Kinder leiden an Dehydration, ihre Körper sind meist als Folge von Durchfall stark ausgetrocknet. Viele haben auch akute Atemwegserkrankungen und lebensbedrohende Mangelerscheinungen aufgrund falscher oder unzureichender Ernährung. Häufig kommt jede Hilfe zu spät: Chefärztin Margarida Correia spricht von durchschnittlich sechs Sterbefällen pro Tag - allein in der Notaufnahme ihres staatlichen Kinderkrankenhauses.

Milliarden Petrodollar - aber nicht für die Gesundheit

Obwohl in Angola seit Jahren Frieden herrscht und das Land in den vergangenen Jahren zu den weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften gehörte, sind bei der Bekämpfung der Kindersterblichkeit kaum Fortschritte erzielt worden. "Monat für Monat spülen Erdölexporte Milliarden Dollar ins Land. Doch kaum ein Dollar wird in die öffentliche Gesundheitsversorgung investiert", klagt die Chefärztin.

Portrait Dr. Margarida Correia, Chefärztin in der Notaufnahme des staatlichen Kinderkrankenhauses „David Bernardino“ im Zentrum der angolanischen Hauptstadt Luanda 31.03.2010 Foto: António Cascais

Dr. Margarida Correia sieht täglich Kinder sterben

Für die Behandlung der reichen, mächtigen Oberschicht wird hingegen gesorgt. Diejenigen, die es sich leisten können, lassen sich in Europa behandeln. Oder sie gehen in eine der Privatkliniken, die in den vergangen Jahren in Luanda eröffnet wurden, und die nur den ganz Reichen offen stehen.

Die Armen strömen derweil in das staatliche Hospital "David Bernardino" oder sie suchen Hilfe bei einer der von ausländischen Hilfsorganisationen betriebenen Gesundheitsstationen. Im Berzirk Kilamba-Kiaxi, etwa 20 Kilometer außerhalb Luandas, befindet sich die Kinder-Krankenstation "Divina Providência". Sie wird von der katholischen Kirche betrieben und mit Spenden aus dem Ausland finanziert. Auch hier haben es die Ärzte und Pfleger vor allem mit Infektionskrankheiten zu tun: Atemwegserkrankungen, Durchfall, Tuberkulose, Malaria, Masern oder der Schlafkrankheit. Diese Krankheiten führen in Angola noch immer viel zu oft zum Tod.

Nicht mit dieser Politik

Mutter mit krankem Kind in der katholischen Kinderkrankenstation „Hospital Divina Providência“, in Kilamba Kiaxi, einem Außenbezirk von Luanda

Eine Mutter wartet mit ihrem Kind auf den Arzt

Um das 4. Millenniumsziel - die Senkung der Kindersterblichkeit - in Angola zu erreichen, bedarf es einer radikalen Veränderung der angolanischen Politik. Diese sei aber nicht zu erwarten, meint Dr. Ricardo Tavila, der Leiter der katholischen Krankenstation von Kilamba-Kiaxi. "Angola ist ein reiches Land. Finanziell hätte es auf jeden Fall die Möglichkeit, die Millenniumsziele zu erreichen. Aber dafür wäre es notwendig, dass ein Teil der Reichtümer des Landes in die Entwicklung investiert wird."

Im öffentlichen Gesundheitssektor kam in den letzten Jahren aber kaum etwas von den Reichtümern des Landes an. Wenn die Regierung jetzt nicht kräftig in die Gesundheitsversorgung und in die Ausbildung von Ärzten und Pflegepersonal investiert, werden weiterhin Kinder sterben, an Krankheiten, für die es heute mehr als genug Medikamente gibt.

Autor: Antonio Cascais
Redaktion: Stefanie Duckstein