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Jedes Einkommen wird gebraucht

In Ägypten ist gerade einmal ein Viertel der Frauen erwerbstätig - und die meisten von ihnen bekommen weniger Geld für ihre Arbeit als ihre männlichen Kollegen. Doch die Finanzkrise hinterlässt Spuren.

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Berufstätige Frauen sind in Ägypten eher die Ausnahme

Jedes Einkommen wird nun gebraucht - auch das von Frauen. Die Regierung verkündet, sie wolle die Gleichstellung von Frauen fördern. Dennoch sieht die Realität auf dem freien Markt anders aus. Denn im Privatsektor ist es relativ schwierig für Frauen, überhaupt einen Arbeitsplatz zu bekommen. Viele Arbeitgeber betrachten eine Mitarbeiterin als Kostenfaktor, weil sie wegen Schwangerschaft ausfallen könnte. In vielen Firmen sei die Frauenquote deshalb niedrig, erklärt Iman Bebars, Leiterin einer NGO für Frauenrechte in Ägypten: "Selbst wenn eine Frau eine Anstellung bekommt, darf sie nicht alle Tätigkeiten ihrer männlichen Kollegen übernehmen. Wenn sie zum Beispiel Ingenieurin ist, bestimmt ihr Arbeitgeber, dass sie nicht zur Baustelle geschickt wird, weil sie dazu angeblich nicht geeignet ist. Dafür übernimmt sie eher Aufgaben in der Verwaltung und kommt auch nicht in Führungspositionen. Dementsprechend verdient die Frau auch weniger als der Mann."

"Krisen können dazu führen, dass Gender-Probleme schneller gelöst werden"

Zuständig für die Gender-Politik in Ägypten ist der Nationalrat für Frauen. Er ist das einzige staatliche Gremium, das sich mit Chancengleichheit und Gleichstellung von Mann und Frau in der ägyptischen Arbeitswelt beschäftigt. Zainab Safar vom Nationalrat ist der Meinung, dass die Gender-Aktionspläne in Ägypten unter der Finanzkrise nicht gelitten haben: "Bei der Gender-Politik machen wir Gender-Mainstreaming, das heißt, in all unseren Plänen werden die Frauen berücksichtigt und beteiligt. Wenn mein Plan jetzt eine Summe von 80 Milliarden Ägyptischen Pfund anstelle von 100 Milliarden betragen würde, würde es trotzdem beim selben Konzept bleiben. Die Krisen können sogar dazu führen, dass Gender-Probleme schneller gelöst werden. Zur Zeit will jeder Haushalt sein Nettoeinkommen erhöhen, und darum soll jedes Familienmitglied, ob Mann oder Frau, erwerbstätig sein - egal wie."

"Die produktive Rolle der Frauen wird ignoriert"

Typische Berufe für Frauen in Ägypten sind unter anderem Sekretärin, Lehrerin und Krankenschwester. An Arbeitsplätzen, die Kreativität, Eigeninitiative und Entscheidungen erfordern, sind Männer dagegen überrepräsentiert. Iman Bebars ist der Meinung, dass sich die Arbeitsbedingungen der Frauen in Ägypten in den vergangenen Jahren sogar verschlechtert hätten. Die Finanzkrise und die Privatisierung hätten die Ungleichheit noch verstärkt: "Erstens wurde in den Firmen ein indirekter Druck ausgeübt, dass Frauen als erste in Rente gehen. Zweitens lässt die Finanzkrise und die Knappheit an Arbeitsplätzen mehr Leute schwarz arbeiten. Dieser Sektor ist ungefähr zu 90 Prozent von Frauen besetzt, und dort sind sie leider nicht versichert und ihre Rechte werden missachtet. Ihre produktive Rolle innerhalb oder außerhalb der Familie wird sowieso ignoriert und nicht wertgeschätzt."

Zainab Safar ist der Meinung, dass Ägypten eine soziale Revolution benötige, um das klassische Frauenbild zu ändern. Frauen seien genauso kompetent und sollten nicht aufgrund ihres Geschlechts auf dem Arbeitsmarkt ungleich behandelt werden, sagt sie. Gerade deshalb sei die Rolle der Frau auch als Mutter und Erzieherin sehr wichtig. In der Familie solle sie nämlich darauf achten, dass Sohn und Tochter gleichbehandelt werden, und vermeiden, dass in den nachfolgenden Generationen Stereotype entstehen.