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Politik

"Jederzeit damit rechnen..."

Kurz vor dem 11. September wächst die Angst vor neuen Anschlägen der El Kaida. Spekulationen um einen Großeinsatz deutscher Behörden gegen Islamisten sorgen für Wirbel. Jeder dritte Deutsche hat Angst vor neuem Terror.

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Neue Anschläge am Jahrestag?

"Es gibt eine Bedrohung durch dieses Netzwerk", stellt Klaus-Ulrich Kersten im Gespräch mit der Deutschen Welle fest. Der Präsident

Ulrich Kersten

Ulrich Kersten, Präsident des BKA

des Bundeskriminalamtes (BKA) sieht amerikanische, israelische und jüdische Einrichtungen als potentielle Angriffsziele der El Kaida: "Wir müssen jederzeit damit rechnen, dass Anschläge passieren". Eine Gefahr für die Bundesrepublik schließt Kersten nicht aus:" Das kann auch bei uns in Deutschland sein".

Neue Anschläge?

Hinweise auf konkrete Angriffe im Zuge des bevorstehenden ersten Jahrestages der Angriffe vom 11. September, gibt es nach Angaben von Bundesinnenminister Otto Schily nicht. Als gering schätzt auch das Bundesamt für Verfassungsschutz die Gefahr neuerlicher Anschläge des El Kaida-Netzes ein.

Es gebe keinen Erfahrungen, dass sich Terroristen an Jahrestagen oder besonderen Daten orientieren, heißt es aus dem Bundesamt. Dem zum Trotz warnt der Terrorismusforscher Rolf Tophoven vor Aktionen der Terroristen in der Zeit um den Jahrestag der Anschläge von New York und Washington. Deutschland allerdings ist, nach Meinung des Forschers, "noch nicht im Fadenkreuz von El Kaida".

Abstrakte Gefahr

Einig sind sich die Experten über eine stete abstrakte Gefährdung durch die Terroristen. Nach Einschätzung von Tophoven, befindet sich die El Kaida in einer Phase der Regruppierung. Kleinere Gruppen von selbstständig organisierten Kämpfern halten sich dabei, nach Angaben des Experten, auch in zahlreichen europäischen Ländern auf. "Autonome Zellen von meist vier bis sechs Personen scharen sich um örtliche Führer, wählen ihre Ziele selbst aus und übernehmen Planung und Logistik."

Zugriff in Deutschland Auch in Deutschland ist man während der Ermittlungen der vergangenen Monate immer wieder auf kleinere Gruppen mit Verbindung zur El Kaida gestoßen. Obwohl die Strukturen der

El Kaida Prozeß in Frankfurt

Aeroubi Beandalis beim Prozess in Frankfurt

Terrororganisation noch nicht zerschlagen werden konnten, ist BKA-Präsident Kersten mit den deutschen Ermittlungen zufrieden:"Inzwischen laufen über 70 Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts."

Die "Berliner Zeitung" berichtete am Mittwoch (4. September 2002) über einen möglicherweise bevorstehenden Großeinsatz deutscher Ermittler gegen Extremisten. Nach Informationen des Blattes sollen in den nächsten Tagen Wohnungen mutmaßlicher Islamisten gestürmt und Personen festgenommen werden. Der Anfang des Monats in Kraft getretene Anti-Terror-Paragraph § 129 b erlaube die groß angelegte Operation, die sich vorrangig gegen islamische Extremisten richten soll. Innenminister Schily nannte die Meldung verantwortungslos und verbat sich einen Eingriff in die Arbeit der Ermittlungsbehörden.

Anschlag im April

Die neuen umfangreichen Rechte der Sicherheitsbehörden

El Kaida Prozeß in Frankfurt

Bewaffneter Polizist

sind ein Ergebnis der beiden eilig verabschiedeten Sicherheitspakete der Bundesregierung. Neben der Verschärfung von ausländerrechtlichen Bestimmungen werden darin auch die Geheimdienstbefugnisse erheblich ausgeweitet.

Nicht verhindern konnten die deutschen Behörden einen Anschlag der El Kaida Gruppe im April diesen Jahres. Ein mit Gas beladener Lastwagen explodierte vor einer Synagoge auf der tunesischen Insel Djerba: 21 Menschen - darunter 14 Deutsche - kamen bei dem Anschlag ums Leben.

Jeder Dritte hat Angst

Die Attentate in den Vereinigten Staaten und der Anschlag auf Djerba haben Angst und Misstrauen geschürrt. 23.500 Hinweise und angebliche Spuren aus der Bevölkerung sind binnen eines Jahres allein beim deutschen BKA eingegangen. "Es gibt nach wie vor eine hohe Sensibilität", erklärt Andreas Coll vom Hamburger Staatschutz.

Jeder dritte Deutsche fürchtet, einer aktuellen Emnid-Umfrage zufolge, neuen Terror am 11. September. Auch wenn es keine konkreten Hinweise auf Anschläge gibt, werden am Jahrestag viele ein ungutes Gefühl haben: Auf dem Weg zur Arbeit, in der U-Bahn und im Büro.

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