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Ostmitteleuropa

Jeder zehnte Pole arbeitet im Ausland

– Die verdienten 2,2 Milliarden US-Dollar dienen nicht nur Familien sondern auch der Wirtschaft Polens

Warschau, 14.2.2004, RZECZPOSPOLITA, poln.

Fast 500 000 Menschen fahren jedes Jahr zum Arbeiten ins Ausland. Sie verbringen dort meistens zwei oder drei Monate und zwar hauptsächlich in Deutschland, den USA und Italien. Das verdiente Geld in Höhe von über zwei Milliarden Euro im Jahr geben sie dann vor allem in Polen aus. Dieses mitgebrachte Geld hat eine große Bedeutung sowohl für die finanzielle Lage der Familien als auch für unsere Wirtschaft. Dank dieser Maßnahme verringert sich auch die Arbeitslosigkeit in Polen.

Die "Fahrten zur Arbeit" werden zwar von keiner Institution erfasst, aber aus den Ergebnissen der Volkszählung im Jahr 2002 geht hervor, dass sich über 786 000 Polen über zwei Monate im Ausland aufgehalten haben, 80 Prozent davon sogar länger als ein Jahr. Wenn man dabei nur die Menschen berücksichtigt, die im arbeitsfähigen Alter sind, so ergibt sich, dass der Auslandsaufenthalt von 690 000 Personen länger als zwei Monate gedauert hat und von 546 000 Personen länger als ein Jahr.

Diese Leute werden vom Hauptamt für Statistik (GUS) zu denjenigen mitgerechnet, die im Ausland arbeiten. Darüber hinaus kann man sagen, dass auf zwanzig Personen, die in Polen arbeiten, einer kommt, der im Ausland arbeitet. (...) Für diese Menschen ist die Arbeit im Ausland oft die einzige Chance, eine Beschäftigung zu finden und - auch wenn es sich um Schwarzarbeit handelt - die einzige Chance, ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Nach Schätzungen von Professor Antoni Rajkiewicz von der Universität Warschau waren unter den insgesamt 500 000 bis 550 000 Personen, die 1999 im Ausland arbeiteten, etwa 350 000 legal beschäftigt.

Niemand weiß genau, wie viel Geld diese Leute nach Polen bringen. Nach den Berechungen von Edward Marek vom Institut für Arbeit und Soziales, die sich lediglich auf die Fahrten nach Deutschland im Jahr 1998 beziehen, geht hervor, dass jeder Pole statistisch gesehen fast zwei Drittel des dort verdienten Geldes nach Polen mitgebracht hat. Wenn man annimmt, dass ein Pole im Ausland durchschnittlich 500 Euro verdient und dass sich 550 000 Menschen über ein Jahr im Ausland aufhielten, so ergibt sich ein Gesamteinkommen von 3,3 Milliarden Euro. Zwei Drittel aus dieser Summe, die nach Polen mitgebracht wird, bedeutet mindestens 2,2 Milliarden Euro! (...)

Das Geld von den Immigranten, die im Ausland arbeiten, wird entweder durch die Banken offiziell als "Vergütung für Arbeitskräfte" oder über private Konten nach Polen transferiert. Die gängigste Methode ist jedoch, das Geld direkt in den Wechselstuben umzutauschen. Im Jahr 2002 haben die Wechselstuben bei den Banken 4,128 Milliarden USA-Dollar mehr eingekauft als verkauft und dieser Überschuss betrug in den ersten zehn Monaten 2003 6,748 Milliarden Dollar. Die meisten Devisen wurden bei der Niederlassung der Bank NBP in Rzeszow verkauft.

Ein Teil der Devisen, die bei den Wechselstuben umgetauscht werden, wird natürlich von ausländischen Touristen mitgebracht, die nach Polen kommen, um einzukaufen. Man könnte jedoch annehmen, dass der Verkauf von Devisen in den Woiwodschaften höher ist, die in der Nähe der Grenze liegen und in denen es viele Menschen gibt, die im Ausland arbeiten. In der Woiwodschaft Opole (1,1 Millionen Einwohner), in der sehr viele Menschen im Ausland arbeiten, wurden 218 Millionen US-Dollar umgetauscht und in der Woiwodschaft Lodz (2,7 Millionen Einwohner) nur 183,7 Millionen US-Dollar. (...)

Das Geld, das von den im Ausland arbeitenden Personen nach Polen mitgebracht wird, wirkt sich aber auch auf die Zahlungsbilanz Polens aus. Ohne den Betrag von etwa zwei Milliarden Euro würde sich das gegenwärtige Zahlungsdefizit um zwei Drittel erhöhen. (...) (sta)

  • Datum 20.02.2004
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  • Permalink http://p.dw.com/p/4hH3
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