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Deutschland

"Jeder nimmt das Deutschland mit, das er noch erlebt hat"

Die Autorin Kerstin Finkelstein reiste rund um den Globus und befragte Deutsche in 14 Ländern zu ihrem Leben. DW-WORLD wollte wissen, wie politisch sind Deutsche im Ausland. Was denken sie über Neuwahlen in der Heimat?

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Immer noch der Heimat verbunden: Deutsche Einwanderer in Brasilien

DW-WORLD: Frau Finkelstein, Sie haben auf Ihrer Reise um die Welt mehr als 200 Deutsche getroffen, die im Ausland leben. Was war Ihr Eindruck: Interessieren sich die Leute denn überhaupt für deutsche Politik, wenn sie erstmal im Ausland sind?

Kerstin Finkelstein

Kerstin Finkelstein

Kerstin Finkelstein: Die meisten doch noch sehr stark. Generell muss man verschiedene Phasen unterscheiden. Wenn man aus Deutschland weggeht, dann interessiert man sich zunächst natürlich vor allem für das neue Land, in dem man wohnt und dafür braucht man auch alle Energien. Alles, was an Zeit und sonstigen Ressourcen zur Verfügung steht, nutzt man, um sich erst einmal mit der neuen Situation zurechtzufinden. Aber dann schon nach einer kurzen Weile, ich würde sagen nach einem halben Jahr ungefähr, beginnen viele zurück zu blicken. Sie fragen sich, wo sind ihre Familien, ihre Freunde und Arbeitskollegen geblieben. Dann geht man oft ins Internet, kauft sich deutsche Zeitungen, oder wenn möglich, schaut oder hört man deutsche Sender, wo es geht deutsches Privatfernsehen oder eben die Deutsche Welle.

Welche Nachrichten aus der Heimat interessieren denn am meisten?

Ich würde sagen: Politik und Sport. Die Bundesliga wird natürlich sehr stark nachgefragt, aber ansonsten interessieren durchaus die aktuellen politischen Entwicklungen. Viele interessierten sich für die Haltung Deutschlands im Irak-Krieg und wollten wissen, wie dazu die Stimmung in Deutschland war. Themen wie zum Beispiel ob die Mehrwertsteuer hier um ein Prozent hoch- oder runtergeht, das ist für Deutsche im Ausland nicht so wichtig. Aber gerade das, was Deutschland in Bezug auf das Ausland macht, wird sehr intensiv verfolgt.

Also das heißt Hartz IV oder Agenda 2010 das sind eher Worte, die nicht so bekannt sind?

Hartz IV ist schon bekannt. Es sind in letzten Jahren viele gerade wegen der Schwierigkeiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt und wegen der sozialen Situation weggegangen. Auch das Thema Gesundheitsreform ist im Ausland ein Thema, weil sich Deutsche im Nachhinein dann doch gerne bestätigt sehen, dass ihre Entscheidung wegzugehen richtig war. Wenn Sie nämlich ins Ausland gehen, dann sind Sie natürlich nicht jeden Tag so überzeugt davon, das Richtige getan zu haben. Es gibt ja viele Schwierigkeiten zu meistern. Und wenn man dann also weniger positive Nachrichten aus der Heimat hört, dann denkt man sich "Ach, irgendwie war es doch gut zu gehen."

Soll das denn heißen: Je schlechter es Deutschland geht umso besser geht es den Auslandsdeutschen?

Das ist jetzt eine sehr zugespitzte Feststellung, aber ein bisschen Wahres ist da schon dran. Denn im Ausland hat man eben diese Zusatzschwierigkeiten, dass man mit einer fremden Sprache zurecht kommen muss und dann möchte man schon als Ausgleich haben, dass es einem zumindest in einem gewissen Maße sozial oder wirtschaftlich eher besser geht als es einem zu Hause ergangen wäre.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie bekannt deutsche Politiker im Ausland sind und ob sich die Deutschen im Ausland für die Neuwahlen interessieren.