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Politik

Jeder kann alles erfahren: Gerüchteküche Internet

Im Internet kann jeder anonym alles publizieren. Vor allem im US-Wahlkampf kocht derzeit die Online-Gerüchteküche. Skepsis ist deshalb angebracht.

Sarah Palin (AP)

Über die Vizepräsidentschaftskandidatin der US-Republikaner, Sarah Palin, kursieren zahlreiche Gerüchte im Internet

Das Internet verändert auch den Zugang zu Informationen – jeder kann alles erfahren, so hat es den Anschein. In Nullkommanichts gibt es Informationen auch über Menschen, die politische Ämter anstreben. Doch dabei ist Vorsicht geboten. Denn das Internet wird inzwischen auch als Propaganda-Maschine genutzt – auch wenn das meist nur schwer nachzuweisen ist.

Logo Wikipedia (Archiv)

Bei Wikipedia kann jeder mitschreiben

Als John McCain am Freitag den 29. August bekannt gab, dass seine Wahl für die Vize-Präsidentschaftskandidatin auf Sarah Palin gefallen war, war das die Überraschung des Tages. Außer ein paar versprengten Bloggern hatte niemand damit gerechnet, dass der Republikaner die 44-jährige Gouverneurin von Alaska für das zweithöchste Amt im Staat vorschlagen würde. Konsternierte Journalisten taten sofort das gleiche wie alle anderen politisch Interessierten: Sie googleten. Die Ergebnisse waren mager, biographische Auskunft gab vor allem die Wikipedia-Seite über Mrs. Palin.

Anonymes Publizieren im Internet

Doch schnell gab es Anlass zur Skepsis: Findige User stellten fest, dass Sarah Palins Seite in der Nacht zum Freitag umfangreich verändert worden war – zum Positiven. In der New York Times erschien prompt ein Artikel, der sich mit den Wikipedia-Änderungen beschäftigte. Hinter all dem steht die Frage: Wie verlässlich sind Informationen im Netz, wer verfasst sie und zu welchem Zweck? In den seriösen Zeitungen stehen die Autoren mit ihrem Namen gerade. Im Internet ist jeder anonym. Nicht immer sind Veränderungen – oder Manipulationen – so gnadenlos nachzuverfolgen wie bei Wikipedia. Und nicht jeder Nutzer macht sich die Mühe. Grundsätzlich gilt: Wie bei der guten alten Mund-zu-Mund-Proganda bleibt immer etwas hängen. Im Positiven wie im Negativen.

Gerüchte verbreiten sich im Internet rasend schnell

Sarah Palin und ihre Familie (AP)

Sarah Palin und ihr Sohn Trig, der Gerüchten zufolge ihr Enkel sein soll

Schnell machte an jenem Wochenende nach der Nominierung Sarah Palins eine andere Geschichte im Internet die Runde: Ihr vier Monate alter Sohn Trig, so hieß es, sei eigentlich ihr Enkel. Die Spekulationen um den Jungen mit dem Down-Syndrom, den Palin so stolz der Nation vorgestellt hatte, nahmen ein solches Ausmaß an, dass Familie Palin sich am Montagmorgen zur Flucht nach vorn veranlasst sah.

Indem sie erklärten, dass ihre 17-jährige Tochter Bristol gerade selbst schwanger ist, nahmen sie den Gerüchten die Nahrung – und dabei in Kauf, dass sich die Berichterstatter sofort auf diese Geschichte stürzten. Dass dies zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt geschah, nämlich am ersten Tag des Nominierungsparteitags der Republikaner in St. Paul, war nicht mehr zu ändern. Aber die Palins und ihre Berater hatten es offensichtlich für nötig erachtet, den Internetspekulationen ganz offiziell den Boden zu entziehen.

Wahrheitsgehalt von Online-Aussagen schwer nachzuprüfen

Inzwischen ist das Internet voll von Seiten und Informationen über Sarah Palin. Die Wikipedia-Seite ist tausende Male ergänzt und korrigiert worden. Der ominöse Nutzer, der die Einträge kurz vor der Nominierung verändert hat, hat seinen Account geschlossen.

Bristol Palin und der Vater ihres ungeborenen Kindes werden heiraten. Doch die Gerüchteküche verstummt nicht. Palin habe Obamas Sieg über Hillary Clinton in den Vorwahlen mit einer rassistischen Bemerkung kommentiert, heißt es jetzt. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ist nicht so schnell nachzuprüfen. In dem ursprünglichen Artikel wird eine Kellnerin namens "Lucille" als Urheberin zitiert, welche die Bemerkung zufällig gehört haben will. Wie bei allen Informationen im Netz gilt daher auch hier die Devise: Wo viel Rauch ist, brennt auch ein Feuer – und manchmal waren Brandstifter am Werk. Skepsis ist also angebracht.

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