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Wirtschaft

Jeder fünfte Fernzug verspätet

Die Deutsche Bahn legt erstmals die (Un)Pünktlichkeit ihrer Züge offen. 2011 hatte etwa jeder fünfte Fernzug Verspätung. Monatlich soll die Statistik nun aufgeschlüsselt nach Nah- und Fernzügen im Internet abrufbar sein.

Ein ICE-Zug (Foto: dpa)

ICE-Züge sind im Vergleich mit Regional- und S-Bahnen besonders unpünktlich

Jeder fünfte Fernzug in Deutschland ist in diesem Jahr verspätet angekommen. Die Quote pünktlicher ICE- und Intercity-Züge lag in den vergangenen acht Monaten bei 80,4 Prozent. Dies geht aus der Statistik für Januar bis August hervor, die das staatliche Unternehmen am Dienstag (20.09.2011) in Berlin vorstellte. "Wir wollen besser werden. Wir sind aber nicht so schlecht, wie immer behauptet wird", sagte Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Homburg.

Die Deutsche Bahn veröffentlicht ab heute erstmals im Internet eine monatliche Pünktlichkeitsstatistik. Kunden können künftig online einsehen, wie pünktlich die Nah- und die Fernverkehrszüge sowie der gesamte Personenverkehr in einem Monat waren, teilte die Bahn mit. Als "pünktlich" gelten bei der DB Züge mit weniger als sechs Minuten Verspätung.

Zugausfälle nicht erfasst

Fahrgäste drängen in einen Zug (Foro: AP)

Fahrgäste sollen künftig besser über Verspätungen informiert werden

Im Regionalverkehr einschließlich der S-Bahnen waren in den ersten acht Monaten des Jahres laut Statistik 93,5 Prozent der Züge pünktlich. Der gesamte Personenverkehr der Bahn kam damit auf 93,2 Prozent. Die Zahlen zeigten zudem, dass viel mehr Regional- als Fernzüge unterwegs sind: Täglich fahren mehr als 25.000 Regionalzüge und lediglich rund 1300 Fernzüge.

Zugausfälle tauchen in der Statistik allerdings nicht auf und werden auch in die Pünktlichkeit nicht eingerechnet. Laut Homburg fällt weniger als ein Zug von hundert aus. Ziel der Bahn sei es, dass dauerhaft mehr als 80 Prozent der Fernzüge und 93 Prozent der Züge insgesamt pünktlich seien.

Knotenpunkte verursachen Engpässe

Arbeiten an Gleisen (Foto: dpa)

Das Wetter ist laut Bahn eine Hauptursache für Verspätungen

Im Fernverkehr gab es zwei besonders schwache Monate: den Januar mit 77,6 Prozent und den Juni mit 78,5 Prozent. Im Januar sorgte vor allem das extremes Wetter für Probleme, im Juni der Brand in einem Stellwerk in St. Goar südlich von Koblenz, der den Zugverkehr am Rhein stark behinderte. Homburg nannte als Hauptgrund für Verspätungen zudem die stark genutzten Knotenpunkte etwa in Köln, Hamburg, Hannover und Frankfurt. Dort komme es immer wieder zu Engpässen.

Auch im August seien die Pünktlichkeitswerte durch schwere Unwetter im Westen und in der Mitte Deutschlands beeinflusst worden, erklärte die Bahn. Zahlreiche entwurzelte Bäume hätten teilweise die Oberleitungen beschädigt und Streckensperrungen notwendig gemacht. Homburg wies zudem daraufhin, dass der zunehmende Diebstahl von Kupferkabeln und Selbstmorde auf Schienen der Bahn erheblich zu schaffen machten.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte, in die überlasteten Knoten sei vom Eigentümer Bund "jahrzehntelang nichts investiert worden". Die Bahn habe sich lange auf Großprojekte konzentriert und gleichzeitig Weichen sowie Überholgleise abgebaut, sagte der Vorsitzende von Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Dies räche sich jetzt.

Bislang Daten geheim gehalten

Die Bahn führt seit langem intern Statistik über die Pünktlichkeit ihrer Fernzüge, hielt diese jedoch bislang unter Verschluss. Immer wieder sickerten aber Informationen über Verspätungen durch. Berichte über die Pünktlichkeit von IC und ICE konterte das Unternehmen meist mit einer "Gesamtpünktlichkeitsquote", die praktisch immer deutlich über 90 Prozent liegt. Darin waren aber Regionalzüge und S-Bahnen enthalten, die in Takten von wenigen Minuten fahren und den Großteil des Personenverkehrs ausmachen.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, rtr, afp)

Redaktion: Martin Schrader