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Jede Menge Stoff

Er ist sehr vielseitig, der Stoff: Er bedeckt unseren Körper, die Chemie kommt ohne ihn nicht aus, ebenso wenig Schriftsteller und die Boulevardpresse. Manche sind sogar vom Stoff abhängig, können ohne ihn nicht leben.

Audio anhören 05:28

Jede Menge Stoff – die Folge als MP3

Es war Ende der 1990er Jahre in Deutschland, da tauchte es mehrfach in der Boulevardpresse auf, ein alltägliches Wort, das durch eine Affäre plötzlich ins Rampenlicht trat: Stoff. Wobei es noch nicht einmal in seiner ursprünglichen Bedeutung gemeint war, sondern in einer übertragenen. Aber dazu später mehr. Jedenfalls bietet es – über diese Affäre hinaus – eine ganze Menge Stoff, um es ein bisschen näher zu betrachten …

Ohne Stoff sind wir nackt

Drei Stoffballen mit Baumwollstoff in Rosatönen

Baumwollstoffe auf Stoffballen

Tauchen wir zunächst ab in die Sprachgeschichte. Im 17. Jahrhundert tauchte „Stoff“ als „stoffe“ im Niederländischen auf. Entlehnt ist es dem altfranzösischen Wort „estoffe“, was schon damals die Bezeichnung für Gewebe, Tuch war. Wer sich nur ein bisschen für solche textilen Stoffe interessiert, der weiß um ihre Vielfalt. Da gibt es Leinenstoffe, Woll- und Baumwollstoffe und selbstverständlich das Feinste vom Feinen: die edlen Seidenstoffe, aus denen sich wahre Träume schneidern las­sen.

Stoffe sind, je nachdem wofür sie gebraucht werden, dick oder dünn, gepresst oder gewebt, sie können wasserdicht gemacht wer­den, sie sind knitterfrei und luftdurchlässig, werden mit Stofffarben gefärbt und im Stoffdruck mit Mustern versehen. Und wer sich selbst etwas nähen will, der geht in ein Stoffgeschäft. Dort liegen die Stoffe, auf Stoffballen aufgerollt, nebeneinander, übereinander oder fein sortiert im Regal.

Familienzuwachs beim „Stoff“

Symbolbild Kokain: Zwei Streifen Kokain und eine Person, die einen gerollten Geldschein ins Kokain taucht

Mancher braucht diesen „Stoff“, ist süchtig nach ihm

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfuhr das Wort „Stoff“ eine Verallgemeinerung. Es fanden Wortbildungen statt wie beispielsweiseRohstoff, Kunststoff, Werkstoff, Baustoff oder Farbstoff. Und in der Medizin spricht man auch seit damals vom Stoffwechsel des Körpers und in der Folge von den so oft zitierten Stoffwechselkrankheiten.

Mit dem Stoff im ursprünglichen Sinn hat auch der Stoff nichts mehr zu tun, für den manche Menschen sogar kriminell werden: Rauschgift oder Alkohol. Rauschgiftsüchtige können ohne Stoff nicht leben, Alkoholiker auch nicht, sie tun oft alles, um an Stoff zu kommen. Ein deutscher Fußballtrainer stolperte Ende der 1990er Jahre darüber, dass er Stoff konsumiert hatte. Als ihm anhand einer Haarprobe nachgewiesen wurde, dass er „gekokst“ hatte, entließ ihn sein damaliger Verein. Die Affäre brachte dem Trainer damals nicht nur jede Menge Schlagzeilen ein, sondern sorgte auch für Sprengstoff in der Welt des Sports – im übertragenen Sinne versteht sich.

Stoffe in der Wissenschaft und den schönen Künsten

Ein Mann liegt in einer Hängematte und liest ein Buch

Ein wahrlich guter Lesestoff!

Wobei an dieser Stelle zu ergänzen ist, dass „Koks“ in der Umgangssprache nicht nur „Kokain“ bedeutet, sondern allgemein auch für eine Art von Brennstoff steht. Koks entsteht bei der chemischen Spaltung von Stein- oder Braunkohle. Es ist ein nahezu reiner Kohlenstoff in fester Form. Die Chemie kommt übrigens ohne Stoffe nicht aus. Manche tragen sogar – wie Kohlenstoff, Wasserstoff oder Sauerstoff – den Begriff im Namen.

Stoff wäre nicht Stoff, wenn es nicht noch mehr Bedeutungen gäbe – wie den literarischen Stoff. Er bildet die thematische Grundlage beispielsweise für ein Theaterstück, einen Roman, eine Geschichte, einen Film oder Ähnliches. Diese Grundlage kann erfunden sein, oder aus Mythos und Religion, der Geschichte, dem Zeitgeschehen oder auch den Werken anderer Autoren entnommen sein. Und manche Stoffgeschichte der Weltliteratur ist ein ausgesprochen spannender Lern- oder Lesestoff und liefert vielleicht sogar interessanten Gesprächsstoff.

Der Stoff, aus dem die Träume sind …

Über einen Stoff wissen wir allerdings ganz wenig: „Der Stoff, aus dem die Träume sind“! Denn dieser Stoff ist aus so verschlungenem Gewebe, dass es sich nur schwer entwirren lässt. Übrigens geht dieser Titel, den Johannes Mario Simmel für seinen Roman gewählt hat, auf eine Stelle in Shakespeares Theaterstück „Der Sturm“ zurück. Dort heißt es: „We are such stuff as dreams are made of.“ Aber Simmel und Shakespeare haben stoffgeschicht­lich nichts miteinander zu tun …






Arbeitsauftrag
Eine Wortschatzübung: Tragt in eurer Lerngruppe möglichst viele Begriffe zusammen, die mit Stoff und der Stoffverarbeitung zu tun haben, also auch Begriffe, die Stoff nicht enthalten – wie beispielsweise „Nadel“, „Faden“. Bildet Sätze mit diesen Begriffen. Anschließend spielt ihr das Spiel „Stille Post“: Die/der erste in der Reihe liest einen Satz vor, die/der nächste greift diesen Satz auf und ergänzt ihn um einen weiteren, und so weiter. Die/der letzte in der Reihe erzählt dann praktisch eine ganze Geschichte. Viel Spaß!

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