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Kultur

Jean-Marie Gustave Le Clézio erhält den Literaturnobelpreis

In Expertenkreisen ist er bekannt für seine sozialkritischen Beschreibungen anderer Kulturen: der diesjährige Literaturnobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio. Der 68-Jährige Franzose zeigte sich gerührt.

Jean-Marie Gustave Le Clezio (Quelle: AP, 09. 10.2008)

Jean-Marie Gustave Le Clézio - ein Weltenbürger

Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an den 68 Jahre alten französischen Autor Jean-Marie Gustave Le Clézio. Es sei ein "Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase, dem Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilsation", begründete die Schwedische Akademie am Donnerstag (09.10.08) ihre Entscheidung.

Le Clézio hat sich daraufhin "gerührt und dankbar" über die Vergabe des Literaturnobelpreises geäußert. In einem Interview mit dem schwedischen Rundfunksender SR in Stockholm sagte der 68-Jährige: "Dies ist eine große Ehre, und ich danke der Schwedischen Akademie". Le Clézio kündigte an, dass er zur feierlichen Verleihung am Freitag in Schwedens Hauptstadt reisen werde. Der Nobelpreis wird traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel vom schwedischen König überreicht.

Le Clézio gehörte in diesem Jahr zu dem erweiterten Favoritenkreis. Im vergangenen Jahr ging die berühmteste Literaturauszeichnung der Welt an die englische Autorin Doris Lessing. Der Nobelpreis ist mit umgerechnet einer Million Euro (zehn Millionen schwedische Kronen) dotiert.

Le Clézios Leben und Schaffen

Die begerhte Nobelpreis-Medaille (Archivbild)

Die begehrte Medaille

Jean-Marie Gustave Le Clézio wurde am 13. April 1940 als Sohn einer Französin und eines englischen Mediziners in Nizza geboren. Seine Vorfahren väterlicherseits stammten aus der Bretagne. Von dort wanderten sie im 18. Jahrhundert nach Mauritius aus und nahmen die britische Staatsbürgerschaft an. Le Clézio wuchs in Requebillière (Alpes-Maritimes) und in Nizza sowie zeitweise in Nigeria auf, wo der Vater im Auftrag der britischen Regierung als Arzt tätig war.

1950 kehrte Le Clézio nach Nizza zurück und schloss dort die Schule ab. Anschließend studierte er in Nizza Philosophie und Literatur. Bereits mit seinem ersten Roman, "Le procès-verbal" (1963), den er noch als Student veröffentlichte, gab er sich nach Meinung der Fachkritik als eine der erstaunlichsten und eigenwilligsten Begabungen der modernen französischen Literatur zu erkennen. Viele Kritiker glaubten, in dem an Lautréamont erinnernden poetischen Fantasiestück eine gelungene Weiterentwicklung des "Nouveau roman" erkennen zu können.

Auseinandersetzung mit Kommerz und Industriekultur

Le Clézios Bücher der 60er Jahre sind noch von der leidenschaftlichen wie leidvollen Auseinandersetzung mit der kommerzialisierten und industrialisierten Zivilisationswelt geprägt. Eine thematische Wandlung deutete sich 1972 in dem Band "Hai" an, der nach wiederholten Aufenthalten des Autors bei Gruppen des indianischen Emberastammes in Panama entstand. Seither dominiert das Werk des Franzosen die Entdeckung der Gegenwelten, in denen die Trennung zwischen Mensch und Kosmos aufgehoben scheint.

Das Leben der Indios, das der Autor seit 1969 vier Jahre lang (mit Unterbrechungen) in Panama erforschte, weckte in ihm die Vision eines friedlichen menschlichen Miteinanders, auf die er auch in seinem märchenhaften Roman "Voyages de l'autre côté" (1975) und in den Bänden "Mondo et autres histoires" (1978; Novellen) sowie "L'inconnu sur la terre" (1978; Essay) verwies.

1980: Prix Paul Morand

Jean-Marie Gustave Le Clézio (Quelle: AP, Archivbild 19. November 1963).

Der Autor in jungen Jahren (1963)

Für seinen Roman "Désert" aus dem Jahre 1980 erhielt Le Clézio den höchst dotierten französischen Literaturpreis, den Prix Paul Morand. Das Buch erzählt die Geschichte einer jungen Marokkanerin und Nachfahrin der Tuareg. Ebenfalls 1980 kam der Band "Trois villes saintes" heraus, der wiederum ein Ergebnis seiner langjährigen Auseinandersetzung mit indianischen Kulturen ist.

Umfangreiche Recherchen auf Mauritius gingen dem 1985 veröffentlichten Roman "Le chercheur d'or" voraus, in dem der Autor eine Begebenheit aus eigener Familiengeschichte thematisiert. Ein Resultat Le Clézios fundamentalem Interesse an indianischen Kulturen war ferner der 1989 in deutscher Übertragung erschienene Band "Der mexikanische Traum". 2000 erschien Le Clézios 1995 geschriebener Roman "Ein Ort fernab der Welt" in deutscher Übersetzung. Wie in den meisten seiner über 30 Werke war auch hier eine nicht an der westlichen Welt orientierte Denkweise prägend.

Schwer zu kategorisieren

Die Literaturkritik versuchte, ihn mit anderen Schriftstellern zu vergleichen und sah Gemeinsamkeiten mit Arthur Rimbaud oder mit Joseph Conrad, der ähnlich über das englische Imperium schrieb wie Le Clézio über die französische Kolonialpolitik, und betrachtete ihn als "Erben Jules Vernes" (Frankfurter Rundschau, 20.5.2000). Schwerer taten sich die Experten, wenn es darum ging, Le Clézios Werk einer bestimmten Gattung zuzuordnen. Seine Romane waren schwer zu kategorisieren oder Genres zuzuteilen. (vem)

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