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Kultur

"Jazzahead 2013" – Von Musik, Religion und Liebe

Messe, Konzert, Szenetreffpunkt – die "Jazzahead" stellt die improvisierte Musik in den Mittelpunkt. Vier Tage lang trafen sich in Bremen Künstler, Labelmacher und Jazzfreunde. Im Fokus: das Gastland Israel.

Im Bremer Kulturzentrum Schlachthof heizt Sopransaxofonist Daniel Zamir den Jazzfans ein. Der weltweit einzige jüdisch orthodoxe Jazzmusiker trägt Bart, Kippa und eine schwarze Robe. Mit seinem jungen Trio verbindet er harten Jazz mit arabischen und jüdischen Tonarten, schnell wechselnden Rhythmen und Melodien des Nahen Ostens. Jegliches Klezmer-Klischee lässt er dabei weit hinter sich. "Religion ist ein wichtiger Teil meines Lebens", sagt Daniel Zamir der Deutschen Welle. "Die jüdische Religion spricht von der Liebe zu Gott, den Menschen und nicht zuletzt der Liebe zum Leben! Das mache ich mit meiner Musik!"

Musik macht Hoffnung

Israel stand in diesem Jahr als Partnerland im Fokus der Bremer Musikmesse "Jazzahead". "Israelische Jazzmusiker sind gerade überall in der Welt sehr erfolgreich", sagt der israelische Pianist Omer Klein. "Dass wir uns hier in Deutschland vorstellen können, kommt genau zur richtigen Zeit. Denn der Markt in Israel ist für uns alle viel zu klein. Und es ist natürlich fantastisch, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel so gut sind und dass auch das Publikum in Deutschland uns trägt!" In Israel ist das Jazzpublikum jünger als in Deutschland. "Es ist ein Ort voller Spannung. Aber auch ein Ort des Tanzes und der Liebe. Das gibt uns diesen besonderen Biss, den du in unserer Musik raushören kannst!", ergänzt Bassist Haggar Cohen Milo. "Und es gibt doch nichts Schöneres, als mit dieser Musik ein Publikum aus Christen, Muslimen, Juden, Hindus und Atheisten zu Tränen der Rührung und freudestrahlenden Gesichtern zu bewegen… Das tun wir. Und das macht doch Hoffnung. Es gibt Liebe in der Welt. Und die Musik bringt sie heraus!"

Bilder von Daniel Zamir, LayerZ: © Jens Schlenker ### Die Fotos sind von den Fotografen zum Abdruck bei themengebundener Berichterstattung freigegeben. ### LayerZ_jazzahead2013_(c)JensSchlenker.jpg Die jazzahead! ist die wichtigste internationale Musikfachmesse mit integriertem Showcase-Festival, die sich zentral dem Genre Jazz widmet. Seit sieben Jahren expandiert die Musikmesse kontinuierlich und legte allein im letzten Jahr bei den Ausstellern um satte 42% zu. Das Showcase-Festival präsentiert aktuellen hochkarätigen Jazz aus Deutschland, Europa und Übersee und hat sich inzwischen zu einem der wichtigsten internationalen Plätze für Jazzmusiker etabliert. Bands die hier auftreten, haben sich zuvor beworben und werden von verschiedenen Fachjuries ausgewählt.

Konzert im Kulturzentrum Schlachthof

Das Gespräch ist wichtig

Von Pontius zu Pilatus waren Musikjournalist Peter Schulze und sein Freund Reiner Michalke vor acht Jahren gerannt, um in Deutschland das Modell des "Dutch Jazz Meeting" zu etablieren. Erst die Messe Bremen sah den Bedarf, Musiker und Veranstalter über den Auftritt hinaus zu vernetzen. Peter Schulze ist heute künstlerischer Leiter der "Jazzahead".

593 Aussteller aus 33 Ländern präsentierten sich in diesem Jahr. Über 250 Festivaldirektoren, Clubbetreiber und Veranstalter aus aller Welt kamen, um die Showcase-Konzerte junger Talente zu hören. "Israeli Night", "German Jazz Expo", "Overseas Night” und ein "European Jazz Meeting" – in Bremen kam die stilistische Vielfalt moderner improvisierter Musik zur Geltung. Und viele Musiker aus Deutschland und der Welt zeigten berauschende Musikalität und atemberaubendes Handwerk.

Neuester Jazz aus Deutschland

Die "German Jazz Expo" der "Jazzahead" ist das bundesweite Forum für die deutsche Szene und zugleich deren Plattform für die Vernetzung mit dem In- und Ausland. Zehn deutsche Gruppen gewährten einen Einblick in aktuelle Jazzproduktionen. Die große Entdeckung ist ein junges Quintett, das sich "Subtone" nennt. In klassischer Besetzung mit Trompete und Flügelhorn, Flöte und Klarinette, Klavier, Bass und Schlagzeug kreieren die renommierten Musiker einen originellen, sehr transparenten Sound. Mit unglaublicher Leichtigkeit spielen Magnus Schriefl (Trompete), Malte Dürrschnabel (Klarinette, Flöte), Florian Höfner (Klavier), Matthias Pichler (Klavier) und Peter Gall (Schlagzeug) die kompliziertesten Rhythmen, bleiben dabei aber sehr geerdet. Ihre Klangwelt atmet, erlaubt auch ganz stille Passagen und ein In-sich-Reinhören.

Musik und Geschäft

"Es gibt ein enormes Angebot an gutem Jazz überall auf der Welt", sagt der israelische Unternehmensberater Opher Brayer, der bei der diesjährigen "Jazzahead" einen Musiker-Workshop "Kreativität und wirtschaftlicher Erfolg" gab. "Das steht nicht im Widerspruch", sagt Brayer. "Wenn alle Musiker arbeiten wollen, muss die Nachfrage gesteigert werden. Und dazu muss man in jedem Einzelfall den Markt genau analysieren!"

OpherBrayer_jazzahead2013 (c) FrankPusch.jpg

Verbindet Musik und Markt: Opher Brayer

Der Coach, der auch schon großen Unternehmen wie Microsoft zu Erfolg verholfen hat, fordert jeden Musiker auf, nicht nur täglich zu üben, sondern sich drei Stunden täglich um die geschäftliche Seite des Jazzmusikerberufs zu kümmern. "Kommuniziert mit Eurem Publikum! Versteht die intellektuellen, emotionalen und körperlichen Bedürfnisse der Zuhörer! Bedient sie! Sie wollen Euch kennen lernen. Aber das ist eben keine Einbahnstraße!" Eine Karriere als Jazzmusiker muss genau geplant werden. "Ein genauer Plan für jeden Tag und die nächsten drei Jahre. Genau wie es Unternehmen machen. Du bist das Unternehmen."

Der Manager und Coach findet das Programm der "Jazzahead" spannend, weil es Musik und Geschäft verbindet. Er läuft an den zahlreichen Ständen vorbei und beobachtet das Geschehen vor und nach Konzerten. "Ich kann noch nicht genau beurteilen, wie gut der geschäftliche Teil hier läuft", sagt er der DW. "Aber ich möchte der Jazzahead helfen, international die Nr. 1 zu werden und ein viel größeres Publikum für den Jazz zu gewinnen. Ich rede da über Hunderte von Millionen! Wir haben die Mittel, genaueste Analysen zu machen und einen Strategieplan zu entwickeln. Für die nächsten drei Jahre und jeden Tag." Das könnte klappen.

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