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Global Ideas

"Jatropha hat eine riesige Zukunft"

Ein Gespräch mit Jatropha-Experte Klaus Becker von der Universität Hohenheim.

Klaus Becker ist Professor im Ruhestand der Universität Hohenheim, wo er lange an Jatropha geforscht hat. Inzwischen ist er Geschäftsführer der Firma JatroSolutions. Seit vielen Jahren ist er von Jatropha begeistert, aktuell unterstützt er ein tausend Hektar großes Jatropha-Projekt mit Kleinbauern auf Madagaskar.

Global Ideas: Herr Becker, wie sind sie zur Jatropha gekommen?

Klaus Becker: Vor 20 Jahren hat mich der Leiter eines Entwicklungshilfeprojekts in Nicaragua angesprochen. Die Idee war, mit Hilfe von Jatropha Nicaragua unabhängig zu machen von externem Öl. In unserem Labor in Hohenheim haben wir dann ein Verfahren entwickelt, das Gift aus dem Jatropha-Mehl herauszuholen, nachdem das Öl extrahiert ist. Dann kann man das nämlich als Sojaersatz in der Tiernahrung verwenden und durch diese Mehrfachnutzung das Ganze sehr ökonomisch machen.

Welche Hoffnungen setzen Sie auf die Pflanze?

Weltweit gehen jedes Jahr acht bis zehn Millionen Hektar Land durch Degradation verloren. Es gibt 500 Millionen kleinbäuerliche Betriebe, alle in den Tropen und immer auf dem schlechtesten Land. Von diesem wenigen, schlechten Land haben diese Bauern immer noch 20 bis 30 Prozent, das so schlecht ist, dass man damit gar nichts machen kann. Genau dort sollen sie Jatropha anbauen! Denn mit Jatropha können wir die Degradation umkehren. Es ist eine sehr genügsame, tiefwurzelnde Pflanze, sie wirkt wie eine Aufforstung. Regenwasser wird aufgehalten und so der Grundwasserspiegel aufgefüllt und irgendwann bekommt man so die Fläche zurück. Die Frauen berichten uns, dass die Brunnen deutlich später trocken fallen als früher. Der Boden wird wieder fruchtbar und die Vögel kommen zurück, wir finden jetzt überall Nester mit Eiern. Jatropha hat eine riesige Zukunft.

Aber wie sehen Sie das “Tank gegen Teller“-Argument?

Wir sagen ja nicht, dass die Leute das gute Ackerland dafür nehmen sollen. Sie sollen ihre degradierten Flächen zurückgewinnen; und nebenbei vom ersten Jahr an noch einen zusätzlichen Ertrag haben. Wenn ein Kleinbauer diese Jatropha-Samen verkauft, kann er sich vielleicht eines Tages einen Traktor leisten. Denn durch die Klimaveränderung verschieben sich die Regenzeiten und werden beispielsweise in Madagaskar immer kürzer. Die trockene Erde aber ist zu hart, um sie zu beackern. Das heißt, die Bauern haben physisch kaum noch Zeit, ihre Felder in Handarbeit umzugraben. Die Menschen müssen die Lage versetzt werden, diese schwere körperliche Arbeit durch Technik zu ersetzen. Jatropha ist ein Weg dorthin.

Das Interview führte Laura E. Hennemann
Redaktion: Ranty Islam