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Wirtschaft

Japans Wirtschaft wächst unerwartet stark

Die japanische Wirtschaft ist im dritten Quartal doppelt so schnell gewachsen wie erwartet. Die Regierung warnt jedoch vor allzu großem Konjunktur-Optimismus.

Ein Mann läuft an einer Tafel mit Börsenkursen in Tokio vorbei

Die Börse reagierte mit Kursgewinnen auf die Zahlen

Eine starke Exportnachfrage hat das Wachstum der japanischen Wirtschaft im Sommer überraschend beschleunigt. Im Quartal von Juli bis September legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft um 0,5 Prozent zu, wie die Regierung am Dienstag (14.11.) mitteilte. Aufs Jahr hochgerechnet ergab sich ein Zuwachs von 2,0 Prozent, was über der US-Rate von 1,6 Prozent lag.

Schwacher Konsum

Japans Wirtschaft wächst damit das siebte Vierteljahr in Folge, die Regierung warnte dennoch vor verfrühtem Konjunktur-Optimismus. Sie verwies auf die nach wie vor schwache heimische Konsumnachfrage. Einer der Hauptwachstumsmotoren der Exportnation Japan waren die Ausfuhren, die dank der Belebung der Weltwirtschaft und des schwächeren Yen um 2,7 Prozent zulegten. Auch die Investitionen zogen unerwartet kräftig an und zwar um 2,9 Prozent.

Passanten in Tokio

Die Löhne sind nicht weiter gestiegen

Die Ministerin für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Hiroko Ota, sieht die wirtschaftliche Erholung Japans weiterhin intakt, ist aber besorgt über den schwachen Privatkonsum, der über die Hälfte der wirtschaftlichen Leistung Japans ausmacht. Die Konsumausgaben, die rund 55 Prozent des BIP ausmachen, gaben um 0,7 Prozent nach. Dies lag zum einen an dem schlechten Wetter im Juli.

Zinserhöhungsfantasien

"Dahinter könnte aber auch stehen, dass die Löhne nicht weiter gestiegen sind", warnte Hiroko Ota. "Ich sehe die Entwicklung der Konsumausgaben daher mit gewisser Sorge." Ein Rückfall in die Rezession sei zwar nicht zu erwarten, aber die Ausgaben der Verbraucher müssten genau beobachtet werden. Die Stärke des Unternehmenssektors beginne auch auf die Haushalte überzugehen, erklärte Finanzminister Koji Omi. Wirtschaftsminister Akira Amari forderte die Unternehmen auf, die Gehälter anzuheben, um die Verbraucherausgaben anzukurbeln.

An den japanischen Aktienmärkten und beim Yen lösten die Quartalszahlen Kursgewinne aus, da einige Investoren sogar ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung befürchtet hatten. Die Konsensprognose lag bei einem Wachstum von 0,2 Prozent. Die Renditen der Staatsanleihen zogen ebenfalls an, was Händler mit zunehmenden Zinserhöhungsfantasien begründeten. Einige Anleger hielten nun eine weitere Anhebung des sehr niedrigen Leitzinses in Japan bereits im Dezember für möglich. Die Notenbank hatte im Juli erstmals seit sechs Jahren den Schlüsselzins erhöht und damit ihre Nullzinspolitik beendet. Sie reagierte damit auf die Anzeichen für ein Ende der Deflation in Japan.

Sorge um die weitere Entwicklung

Der Leitzins liegt derzeit bei 0,25 Prozent. Die Notenbanker haben angekündigt, den Zins schrittweise weiter anzuheben. Wirtschaftsministerin Ota betonte, sie hoffe, dass die Währungshüter mit ihrer Geldpolitik weiter die Konjunktur unterstützten. Die Regierung fürchtet, dass die Zentralbank mit zu raschen Zinserhöhungen den Aufschwung abwürgt.

Jüngste Daten zum Ende des Berichtsquartals aus Japan und Übersee hatten Sorgen über die weitere konjunkturelle Entwicklung geschürt. So hatte sich die US-Wirtschaft, Japans größter Exportmarkt, im dritten Quartal abgeschwächt. Auch die Maschinenaufträge in Japan, die ein Indikator für Investitionspläne sind, waren rückläufig gewesen. Die Regierung rechnet für das noch bis 31. März 2007 laufende Fiskaljahr offiziell mit einem Realwachstum von 2,1 Prozent. Dieses Ziel würde auch dann erreicht werden, wenn die Wirtschaft des Landes in den beiden kommenden Quartalen nicht weiter wachsen würde. (stu)

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