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Asien

Japans Machtkampf in Afrika

Die japanische Offensive gegen den globalen Einfluss Chinas hat Afrika erreicht. Mit neuen Hilfsversprechen in Milliardenhöhe will sich Japan aber auch Rohstoffe und Exportaufträge sichern.

Ethiopian Prime Minister Hailemariam Desalegn and Japanese Prime Minister Shinzo Abe shake hands during a group photo before the opening session of the Tokyo International Conference on African Development (TICAD) in Yokohama on June 1, 2013. Japan is to give 14 billion USD in aid to Africa over the next five years, Prime Minister Shinzo Abe said on June 1, at the opening of the three day conference in Tokyo on the resource-rich continent. AFP PHOTO / POOL AFP PHOTO / POOL / KAZUHIRO NOGI (Photo credit should read KAZUHIRO NOGI/AFP/Getty Images)

Afrika Gipfel in Tokio Shinzo Abe Hailemariam Desalegn

Zum zweiten Mal in fünf Jahren hat Japan den schwarzen Kontinent als Feld seiner Außenpolitik entdeckt. Wie am vergangenen Wochenende fand auch die vorherige 4. Tokyo International Conference on African Development im japanischen Yokohama statt. Bei diesem Treffen im Jahr 2008 hatte der damalige Premierminister Yasuo Fukuda den afrikanischen Staaten eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe bis 2013 auf 1,3 Milliarden Euro jährlich versprochen - und dies mit einem "Jahrhundert afrikanischen Wachstums" begründet.

Gruppenfoto mit Teilnehmern der 5. Konferenz für die Entwicklung Afrikas in Yokohama (Foto:AP)

Teilnehmer der 5. Konferenz für die Entwicklung Afrikas in Yokohama

Ein halbes Jahrzehnt später kündigte der heutige Regierungschef Shinzo Abe auf der 5. Konferenz für die Entwicklung Afrikas über den Zeitraum von fünf Jahren Hilfen von insgesamt 10,7 Milliarden Euro an. Das entspricht einer Steigerung um zwei Drittel. Über öffentliche und private Investitionen sollen sogar 25 Milliarden Euro fließen. "Was Afrika nun braucht, sind Investitionen im Privatsektor", sagte Abe in Yokohama. Kooperationen zwischen öffentlichen Organisationen und privaten Unternehmen seien ein Hebel für solche Investitionen.

Diplomatisches Ringen mit China

Damals wie heute steckt hinter Japans großzügigen Hilfsangeboten ein dreifaches Kalkül: Man will den politischen Einfluss von China auf dem Kontinent zurückdrängen und sich nach dem Vorbild der Chinesen den Zugriff auf wichtige Rohstoffe sichern. Die Hilfsgelder sollen außerdem in Form von Exportaufträgen indirekt nach Japan zurückfließen. Man wolle statt auf ein Geber-Empfänger-Verhältnis stärker auf eine Geschäftspartnerschaft setzen, heißt es in Tokio. Trotz langjähriger Beziehungen mit Afrika ist Japan bei Investitionen und Handelsvolumen deutlich hinter den Rivalen China zurückgefallen. Als Folge forscher Diplomatie ist das chinesische Handelsvolumen inzwischen fünfmal so hoch wie das Japans.

Xi Jinping und der Kongolesische Staatschef Denis Sassou Nguesso schreiten über einen roten Teppich (Foto:imago/Xinhua)

Chinas Präsident Xi Jinping besucht die Republik Kongo: China liegt im Wettlauf um Afrikas Rohstoffe weit vorne

China investiert zudem acht Mal so viel wie Japan. Das bedeutet mehr politischen Einfluss für China etwa in den Vereinten Nationen. Beim Streit um die Senkaku/Diaoyu-Inseln mit China und dem Projekt einer ständigen Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat gerät Japan dadurch ins Hintertreffen. Am Rande der Konferenz empfing Abe daher im Viertelstundentakt 16 Präsidenten und Regierungschefs. Das Drehbuch kam einigen Beobachtern bekannt vor: Den gleichen Gesprächsmarathon hatte Premier Fukuda vor fünf Jahren absolviert.

Aufträge für japanische Infrastruktur

Japan habe andere Verpflichtungen gegenüber Afrika als andere Länder, erklärte Abe bei seiner Grundsatzrede auf der Afrika-Konferenz in Yokohama. Die reichen Rohstofflager böten zwar gute Geschäftschancen für Japan. "Aber wir werden Ressourcen nicht einfach nur nach Japan bringen", versprach Abe. Man wolle auch Afrikas Volkswirtschaften ankurbeln. Der Seitenhieb galt China, das nach Ansicht von Kritikern wenig für die demokratische und wirtschaftliche Entwicklung Afrikas tut.

Dabei sind Japans Absichten in Afrika auch nicht uneigennützig. Die Hilfen aus Tokio sind an die Bedingung geknüpft, dass die afrikanischen Staaten Aufträge für den Ausbau der Infrastruktur an japanische Unternehmen vergeben. Viele Länder brauchen neue Straßen, Eisenbahnlinien, Häfen, Staudämme und Kraftwerke - auf solche Projekte sind japanische Industriekonzerne spezialisiert. Bis 2020 sollen solche Exporte Tokios um das Dreifache steigen. Ebenso sollen japanische Unternehmen ihre Umsätze in Afrika um den Faktor drei erhöhen. Weltbank-Präsident Jim Yong Kim versprach den Firmen in Tokio Netzwerkhilfe bei ihren Afrika-Geschäften.

Afrika lange Zeit vernachlässigt

Shinzo Abe bei der Eröffnungszeremonie der Afrika- Konferenz (Foto: AP)

Japans Premier Shinzo Abe mit "Koko Plus"-Päckchen, einem mit Ghana entwickelten Mittel zur Verbesserung der Kindergesundheit

Trotz der Hilfszusage vor fünf Jahren war Japan in Afrika weitgehend unsichtbar geblieben. Lediglich einige große Unternehmen wie Panasonic sind inzwischen aufgewacht, nachdem sie den Vorsprung von chinesischen und koreanischen Firmen erkannt haben. Dagegen wurden von der Politik zuvorderst negative Fakten wie Aids, Armut, Kriege und Korruption wahrgenommen. Die jetzige politische Wende erfolge nicht aus humanitären Motiven, sondern weil sie Japans neuen nationalen Interessen entspricht, hieß es in japanischen Zeitungskommentaren.

Zu Zeiten des eigenen Wirtschaftswunders hatte sich Japan mit einer großzügigen Scheckbuchdiplomatie gute Beziehungen zu Schwellenländern regelrecht erkauft. Zwischen 1993 und 2000 leistete Japan die meiste Entwicklungshilfe weltweit. Doch als Folge der eigenen Verschuldung wurden die Hilfsleistungen im vergangenen Jahrzehnt kräftig zusammengestrichen. In der Rangliste der Spender ist Japan auf den fünften Platz hinter Deutschland zurückgefallen. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt konzentriert ihre Hilfe bisher auf Asien.

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