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Asien

Japans Deutschland: Bier, Würste, Hummtata!

Deutschland steckt bei den Japanern in der Bier- und Würstchenecke - im Oktober erst recht! DW-Reporter Christoph Hendricks hat in Tokio mitgetrunken...

Japaner beim Biertrinken (Foto: Christoph Hendricks)

Sie lieben das Oktoberfest und lassen sich auch das "Bier-und-Wurst Image" Deutschlands nicht ausreden

Das "J.S. Lennep" und das direkt benachbarte "Baden-Baden" im Zentrum Tokios sind deutsche Oasen in einer Großstadtwüste. Hier gibt es alles, was man gemeinhin im Land der aufgehenden Sonne mit dem fernen Bekannten verbindet: Bier, Würstchen, Brot und jede Menge Gemütlichkeit im Schummerlicht.

Deutschland ist blau-weiß

deutsche Kneipe Japan (Foto: Christoph Hendricks)

Das "J.S.Lennep" in Tokio - Oasen der deutschen Gemütlichkeit

Bierlich wird dabei versucht die ganze Republik abzubilden, wobei die Palette vom Bitburger über Erdinger und Köstritzer bis hin zu Löwenbräu und Warsteiner reicht. Soviel föderale Vielfalt ist eher rar in Japan. Das verbreitete Deutschlandbild beschränkt sich nämlich allzu häufig auf den weiß-blauen Süden, wo es ja schließlich neben Bierseen und Fleischbergen noch Märchenschlösser und das Oktoberfest gibt. Letzteres hat inzwischen an verschiedenen Orten Japans - wie beispielsweise in Tokio, Yokohama oder Sapporo - verschiedene Nachahmer gefunden. Allerdings nimmt man es zuweilen mit der Zeit nicht ganz so genau. So kann es passieren, dass auch schon mal im Mai ein deftiges Oktoberfest gefeiert wird.

Imagepflege oder Imagekorrektur – das andere Land

Bratwurst und Sebastian Schweinsteiger (Foto: AP)

Deftiges Essen, Fussball und Autos - das ist das gängige Deutschlandimage der Japaner

Natürlich gibt es jenseits dieser leicht verrauchten Bier- und Würstchenromantik auch deutsche Autos, groß gewachsene Fußballkicker sowie Musik- und Literatur-Ikonen, doch der erste Gedanke an den entfernten Nachbarn gilt meist nicht den Dichtern und Denkern, sondern den Essern und Trinkern. Dabei versuchen Marketingstrategen schon seit langem den Japanern das "andere", das "wirkliche" Deutschland zu zeigen - wie immer das auch aussehen mag. Bevorzugter Farbton ist dabei in den letzten Jahren das sanfte Grün eines jungen, hochtechnisierten, umweltfreundlich-motorisierten und kulturell diversifizierten Landes. So wurde erst 2005/2006 im Rahmen des "Deutschland-in-Japan-Jahres" mit viel Aufwand versucht, dieses andere, neue Deutschlandbild über die alten Schablonen zu kleben. Allerdings ist es mehr als fraglich, ob dieses neue Land hier auch angekommen ist.

Vielleicht zeigt ja gerade die Krise des vergangenen Jahres, in der der Absatz der teuren deutschen Importwagen mächtig eingebrochen ist, wie ungeheuer stabil und langlebig die deutsche Bierglückseeligkeit in Nippon ist. Denn bis jetzt hat diese noch jede Katastrophe überstanden!

Leben im Bierhimmel

Japaner beim Schunkeln(Foto: Christoph Hendricks)

Oktoberfeste boomen - auch im Tokioter Hibiya Park

Und schließlich hat das Ganze hat ja auch seine nette Seite, wie ich erst vor ein paar Tagen beim hiesigen Oktoberfest im Tokioter Hibiya Park feststellen konnte, wo sich Nippons Geschäftswelt ziemlich locker und ausgelassen präsentiert hat. Dabei blickt man auch auf eine lange Tradition zurück, die bis in die 70er und 80er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Damals hatten sich nämlich die Deutschen und ihr Bier gegen die zunächst dominanten englischen Biersorten durchgesetzt und wesentlich zum Aufbau der heimischen Brauindustrie beigetragen, die heute zwei Drittel des japanischen Alkoholkonsums deckt.

Bierdosen(Foto: Christoph Hendricks)

Das neue "Meisterbier" der japanischen Brauerei Asahi wird nach deutschem Reinheitsgebot gebraut

Inzwischen stellen die japanischen Brauer ihre "deutschen Meister" auch längst in den Schatten, wie sie vor kurzem mit dem Sprung in den Weltraum gezeigt haben. So hat die Sapporo Brauerei vor einiger Zeit mit der Marke "Space Barley" ein Bier auf den Markt gebracht, dessen Zutaten in der Internationalen Raumstation (ISS) gezüchtet wurden. Trotzdem dürfen ab und an noch "echte Meister" werbewirksam deutsche Brautradition präsentieren, wie der Baden-Württembergische Gerstenbauer Friedhelm Zoller, der in einer landesweit verbreiteten Werbekampagne für die Großbrauerei Sapporo kräftig den Humpen geschwungen hat.

Na denn mal Proost!

Autor: Christoph Hendricks

Redaktion: Miriam Klaussner