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Kultur

Japanisches Vermächtnis in Karlsruhe

Der Japaner Hiroshi Kawano zählt zu den weltweit wichtigsten Pionieren der Computerkunst. 1964 publizierte er erste computergenerierte Werke. Jetzt hat er Deutschland sein umfangreiches Archiv geschenkt.

Hiroshi Kawano, Artificial Mondrian, um 1964 (Foto: ZKM)

Heutzutage bereitet es keinerlei Kopfzerbrechen, ein Bild mit Hilfe des Computers herzustellen – dank einfach zu bedienender Grafik-Software und Farbdruckern. In den frühen 1960er Jahren dagegen sahen sich Künstler und Wissenschaftler, die erstmals an den damaligen Großrechnern versuchten, Bilder zu kreieren, immer vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Als jetzt einer dieser Computerkunst-Pioniere, der Japaner Hiroshi Kawano, dem deutschen Zentrum für Medienkunst die Schenkung seines kompletten Archivs ankündigte, reagierte das Institut überaus begeistert. "Das ist unglaublich wichtig für die Geschichte der frühen Computer-Kunst", sagt Margit Rosen, die Kuratorin des Zentrums. Eher bekannt unter seinem Kürzel ZKM, hat das in Karlsruhe ansässige Institut nun symbolisch das Archiv in Besitz genommen.

Künstlerischer Schatz


Hiroshi Kawano (Foto: Kate Hairsine)

Computerkunstpionier: Hiroshi Kawano

Hiroshi Kawano, Jahrgang 1925, verwahrte sein gesamtes Material, das für die Gestaltung seiner Computer-Kunst wichtig war – peinlich genau zusammengestellt und abgeheftet in seiner kleinen Wohnung außerhalb von Tokio. "Als ich Herrn Kawano letztes Jahr in Japan besuchte, zeigte er mir sein Büro und sein Wohnzimmer, vollgestopft mit Büchern, Magazinen, Programmen, Tonbändern, allen möglichen Arten von Dokumentationen. Platz war bloß für die Strohschlafmatte auf dem Flur", erzählt Rosen. Das Archiv umfasst mehr als 80 Werke von Kawano sowie die Programme zu deren Herstellung, Computerausdrucke, Lehrbücher und Computersprachen-Handbücher, dazu noch erstaunliche Mengen an Korrespondenz mit anderen Computer-Pionieren aus der ganzen Welt. "Das ist, als wenn man das gesamte Werk eines Malers samt Farbmischungen, Pinseln und dem verwendeten Papier bekommen hätte!"

Mathematik + Philosophie = Kunst

In den frühen 1960er Jahren war Hiroshi Kawano Philosophiedozent in Tokio, als er die Schriften des deutschen Philosophen Max Bense kennen lernte. Bense propagierte unter anderem die Idee von messbarer Schönheit nach wissenschaftlichen Regeln. Gleichzeitig hörte Kawano von Wissenschaftlern, die zum Komponieren von Musik Computer benutzten. Daraufhin probierte er aus, ob es möglich ist, mittels eines Computers Schönheit zu programmieren. "Ich war zwar kein Naturwissenschaftsprofessor, sondern nur ein Philosophieprofessor, aber ich wollte die beiden Ansätze miteinander kombinieren", sagte Kawano anlässlich einer Ehrung für sein Geschenk im ZKM, "die Umsetzung meiner Ideen in die Praxis war ein schwieriges Unterfangen."

Ungewöhnliche Kooperation

Frühes Computerkunstwerk: Hiroshi Kawanos 'Untitled' von 1964 Foto: ZKM

"Ohne Titel" von 1964

Anders als heutige PC's standen die damaligen überaus teuren Großrechner lediglich Forschungsinstituten oder großen Aktiengesellschaften zur Verfügung – und der Zugang dazu war beschränkt. Um sie zu benutzen, musste man komplizierte Computerprogramme beherrschen und diese dann mühsam auf Hunderten von Karten einstanzen, die danach in den Computer eingelesen wurden. Hilfesuchend wandte Kawano sich an das Computerzentrum seiner Universität. "Sie sind der Erste, der so etwas machen will, sagte man mir dort", erinnert sich der Künstler, "meine Idee, den Computer für Kunst zu benutzen, war so neu, dass sie begierig waren, mir dabei zu helfen." Sein erstes Computer-Kunstwerk produzierte Kawano 1964, damals eines der ersten dieser Art weltweit.

Neu und einzigartig

Mögen die Entwürfe seiner Werke aus den 1960er Jahren auch eher einfach aussehen – sie sind es nicht. Vielmehr sind sie das Ergebnis der Programmierung von komplexen mathematischen Algorithmen. Und obwohl Kawano die Richtlinien festsetzte, wie das Bild aussehen könnte, konnte er nicht genau vorhersehen, was aus dem Drucker herauskam. Der japanischen Künstler Yoshiyuki Abe, der sich intensiv mit Computer-Kunst auseinandergesetzt hat, sieht die Kraft von Kawanos Werk darin, dass der Künstler, der als Philosoph begann, neue Kunst schuf und neue Theorien entwickelte: "Viele Philosophen sagen alles Mögliche, aber sie schaffen nichts neues", so Abe, "bei Kawano ist das völlig anders. Ich finde das einzigartig."

Autor: Kate Hairsine/KG

Redaktion: Aya Bach