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Asien

Japanische Firmen in China schauen nach vorn

Trotz der anti-japanischen Ausschreitungen des vergangenen Sommers bleibt China für japanische Unternehmen der wichtigste Markt.

Der Handel wächst trotz Inselstreit. (Foto: REUTERS/Issei Kato)

Der Handel wächst trotz Inselstreit

Der Waren- und Dienstleistungsaustausch zwischen China und Japan ist 2012 nach Angaben der chinesischen Zollverwaltung um 3,9 Prozent zurückgegangen, auf ein Volumen von 329 Milliarden US-Dollar. Besonders stark ging der japanische Export nach China zurück, nämlich um 8,6 Prozent. Damit stieg Japan vom viertgrößten zum fünftgrößten Handelspartner Chinas ab.

Die umstrittene Diaoyu(Senkaku) Insel im ostchinesischen Meer. (Foto: REUTERS)

Die umstrittene Diaoyu(Senkaku) Insel im ostchinesischen Meer

Als Grund für den drastischen Rückgang der Handelsbilanz gilt unter Beobachtern der Territorialstreit um einige Zwerginseln nord-östlich von Taiwan. Die Pekinger Regierung beansprucht die von ihr als Diaoyu bezeichnete Inselgruppe für sich, während Tokio die Senkaku-Inseln de facto verwaltet. Nachdem die japanische Regierung im vergangenen Sommer dem Kauf von drei Inseln durch den rechtsnationalistischen Ex-Gouverneur der Präfektur Tokio, Shintaro Ishihara, durch deren Verstaatlichung zuvorgekommen war, brachen in China Massenproteste gegen Japan und japanische Fimen und Produkte aus. Die feindselige Stimmung ist bis heute in beiden Ländern noch zu spüren.

Massive Proteste des vergangenen Sommers

In China brach im September 2012 flächendeckend Großdemonstrationen gegen Japan aus. (Foto: EPA)

In China brach im September 2012 flächendeckend Großdemonstrationen gegen Japan aus

Japanische Kaufhäuser in China wurden beschädigt, Restaurants geplündert und diplomatische Vertretungen mit Steinen beworfen. Randalierende Demonstranten beschädigten Gebäude und Ausrüstung von Panasonic-Niederlassungen in den ostchinesischen Städten Qingdao und Suzhou. Händler-Vertretungen der Marken Nissan, Totoya und Honda wurden angegriffen und verwüstet.

Nach einer Umfrage, die die Agentur Reuters damals durchführte, waren 41 Prozent der befragten japanischen Firmen der Meinung, dass sich der politische Streit negativ auf ihre Geschäftspläne auswirken würde. Einige überlegten, ihre China-Aktivitäten zu reduzieren und in andere Länder der Region zu verlagern. Ein namentlich nicht genannter Unternehmersprecher befürchtete, dass chinesische Mitarbeiter ohne Grund die Arbeit niederlegen oder überzogene Gehaltsforderungen stellen könnten.

In einem Interview mit dem "Wall Street Journal" äußerte der damalige Ministerpräsident Yoshihiko Noda, dass die gewalttätigen Proteste in China eine negative Auswirkung auf die chinesische Volkswirtschaft hätten und ausländische Investoren abschrecken würden. Im Jahr 2011 hatten japanische Direktinvestitionen in China 6,3 Milliarden US-Dollar erreicht, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitg gingen die US-Investitionen auf drei Milliarden US-Dollar zurück.

Zurück zur Normalität

Demonstranten vor Canon-Niderlassung in China (Foto: picture-alliance/dpa)

Die China-Aktivitäten vieler japanischer Firmen waren schwer betroffen

Neun Monate nach der Eskalation zeichnet sich nun ab, dass sich die Lage beruhigt hat. Japanische Firmen stehen wieder zum China-Geschäft. "Ja, wir waren betroffen. Unsere Absatzzahlen im September betrugen nur die Hälfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum", sagt Keisuke Kirimoto von Toyota der Deutschen Welle. "Aber wir konnten uns erholen und haben die Verkäufe im Dezember auf 84 Prozent des Vorjahreswertes gesteigert", fügt Kirimoto hinzu.

Toyota peilt für 2013 an, 900.000 Einheiten in China zu verkaufen, sein bisheriger Rekord in China liegt bei 890.000 Stück. "Unsere Erwartung vom chinesischen Markt bleibt hoch", sagt Kirimoto, "China ist der wichtigste Markt. Jeder muss genau darüber nachdenken, was zwischen beiden Ländern passiert war. Wir haben von der Situation zu lernen. Aber unsere Zuversicht in dem chinesischen Markt bleibt unverändert."

Auch Honda ist nun wieder optimistisch, nachdem das Unternehmen die Produktion in drei chinesischen Werken hatte reduzieren müssen. "Die Lage hat sich verbessert, die Kunden besuchen wieder unsere Händler", sagt Unternehmenssprecherin Akitio Itoga. Honda rechne damit, dass sich nach dem chinesischen Frühlingsfest Anfang Februar die Nachfrage wieder normalisieren werde. Auch das Telekom-Unternehmen NEC, das in China stark präsent ist, berichtet, dass die Auswirkung "minimal" sei.

Chinesischer Markt für Japan unverzichtbar

Als Produktionsstandort und vor allem als Absatzmarkt für Japan ist China nach Worten von Martin Schulz von überragender Bedeutung. Schulz ist Wirtschaftsexperte am Fijitsu-Forschungsinstitut in Japan. "Auch in den nächsten Jahren wird China der wichtigste Markt sein. Und dabei bleibt es."

Allerdings hätten japanische Firmen gelernt, nicht allein auf China zu setzen, da solche Proteste ihre Geschäfte spürbar beeinträchtigt haben. Viele hätten angefangen, sich in den anderen asiatischen Ländern wie Indonesien, Malaysia oder Thailand nach Geschäftsmöglichkeiten umzuschauen. Jedoch sei Chinas Riesenmarkt zu verlockend. "Sich aus China komplett zurückzuziehen, ist überhaupt keine Option für japanische Firmen", so Schulz.