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Asien

Japan will Chancen für Frauen verbessern

Bei ihrem Japan-Besuch fand Myanmars berühmteste Politikerin, Aung San Suu Kyi, kritische Worte über die Benachteiligung der Frauen in ihrem Gastland. Die Regierung Abe will jetzt gegensteuern.

A woman passes before a share prices board in Tokyo on April 1, 2010. Japanese shares closed higher on a Bank of Japan survey indicating a steady improvement of business confidence as the world's second largest economy kicked off a new fiscal year, analysts said. AFP PHOTO / Yoshikazu TSUNO (Photo credit should read YOSHIKAZU TSUNO/AFP/Getty Images)

Symbolbild Japan Frauen Business

Als Aung San Suu Kyi Mitte April zum ersten Mal seit fast 27 Jahren Japan besuchte, fand sie ein Land vor, dass sich stark verändert hatte – einerseits. Die Städte haben sich immer weiter ausgedehnt, die Wolkenkratzer sind höher geworden, die Schnellzüge schneller. Andererseits verhehlte die Nobelpreisträgerin und Führerin der NLD nicht ihr Erstaunen darüber, dass sich manches in der japanischen Gesellschaft in der Zwischenzeit überhaupt nicht verändert hat.

Auf einer Veranstaltung der Universität von Kyoto, die ihr eine Ehrendozentur verliehen hatte, sprach sie die Benachteiligung der Frauen in Japan mit deutlichen Worten an, wobei sie auch Südkorea einbezog. Beide Länder wiesen "einige der größten geschlechtsbezogenen Ungleichheiten aller heutigen Gesellschaften" auf, so Suu Kyi. Zum Vergleich zog sie die jüngsten Wahlergebnisse aus Myanmar heran, wo die NLD 43 von 45 Sitzen gewonnen hatte, 13 davon mit weiblichen Kandidaten.

Kritische Worte zu Japan

Aung San Suu Kyi in der Universität von Kyoto (Foto: picture alliance/AP)

Aung San Suu Kyi bei einer Rede an der Universität von Kyoto

Zwar sei auch in ihrem Land noch viel zu tun in punkto Gleichberechtigung, aber die Benachteiligung in Myanmar sei nicht so groß wie in Japan, so Suu Kyi vor den Studierenden und Dozenten der Universität von Kyoto. Sie bezweifelte die These mancher Ökonomen, dass sich die Benachteiligung von Frauen ("gender gap") im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung von selbst verringere. "Wenn angeblich die Benachteiligung vor allem wirtschaftliche Gründe hat, warum ist dann die Benachteiligung am größten in den Wirtschaftsmächten Japan und Südkorea? Gesellschaftliche Faktoren sind dabei mindestens ebenso wichtig wie wirtschaftliche", so beantwortete Suu Kyi ihre rhetorische Frage.

Die kritischen Anmerkungen des Gastes aus Myanmar werden von Zahlen und Erhebungen gestützt. Beispielsweise beim Anteil von weiblichen Abgeordneten rangiert Japan auf Platz 122, mit 81 von 716 Sitzen in beiden Kammern des Parlaments. Im Unterhaus sind derzeit knapp acht Prozent der Abgeordneten weiblich, im Oberhaus sind es 18,2 Prozent.

Einer aktuellen Erhebung des Unternehmens MasterCard zufolge stehen Japans Frauen bei den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstiegschancen an 13. Stelle von 14 untersuchten Ländern im asiatisch-pazifischen Raum, mit Indien an 14. Stelle. Neuseeland steht an erster Stelle.

Größter Gehaltsabstand unter Industrieländern

Ähnlich sieht es bei den Gehältern aus. Der Abstand zwischen Männern und Frauen ("gender pay gap") liegt in Japan laut einer OECD-Studie vom Dezember vergangenen Jahres bei Berufsanfängern bei 15 Prozent und steigt bei über 40jährigen auf über 40 Prozent.

Das Median-Durchschnittseinkommen einer japanischen Frau mit einem Kind ist sogar 61 Prozent niedriger als das Einkommen eines Mannes in der gleichen Situation. Das ist der größte Abstand von allen 30 untersuchten Ländern, wobei der durchschnittliche Abstand 22 Prozent beträgt.

Die Abstände sind angesichts des Bildungsvergleichs umso bemerkenswerter: 59 Prozent der Japanerinnen zwischen 25 und 34 haben einen Universitätsabschluss, aber nur 52 Prozent der Männer.

"Der Wandel der Einstellung zum Thema Gleichberechtigung ist in Japan viel langsamer als im Ausland", sagt Chie Matsumoto von Labornet TV. "Ich kenne viele Japanerinnen, die Beruf und Familie verbinden möchten, aber es gibt nicht genug Unterstützung für solche Frauen." Das traditionelle Rollenverständnis sei in japanischen Unternehmen noch sehr stark verwurzelt, so Matsumoto.

Konservative Gesellschaft

Besuch japanischer Abgeordneten am Yasukuni-Schrein in Tokio (Foto: Reuters)

Sanako Takaichi - hier beim Besuch des Yasukuni-Schreins - ist eine von zwei Ministerinnen im Kabinett Abe

Und nicht nur in den Unternehmen, sondern in der Gesellschaft als Ganzes, wie eine aktuelle Studie der japanische Regierung nahelegt. Über die Hälfte der Befragten befürworteten die traditionelle Rollenverteilung mit dem Mann als Ernährer und der Frau als Hausfrau. Bei der gleichen Umfrage im Jahr 2009 waren es nur 40 Prozent, die diese Einstellung hatten.

Auch in den Chefetagen der japanischen Wirtschaft sind Frauen eher selten zu finden. 2004 hatten ganze fünf der 300 größten japanischen Unternehmen eine Frau in der Geschäftsführung, unter den 37 japanischen Firmen auf der "Fortune Global 200"-Liste waren es zwei, Sony und Hitachi. Zum Vergleich: Alle 78 US-Firmen auf jener Liste hatten mindestens eine Frau in der Geschäftsführung.

"Die Stellung der Frau in der Öffentlichkeit in Japan ist in etwa gleich mit der in China und Nordkorea", erklärt Jun Okumura von der Eurasia Group gegenüber der Deutschen Welle. Japan entwickele sich nicht synchron mit den anderen Industrieländern, sondern die Lage der Frauen zeige, „dass manche Dinge von den wirtschaftlichen Entwicklungsstufen einer Gesellschaft losgelöst sind“, so Jun Okumura.

Regierung will Wandel

Wenn schon das Wirtschaftswachstum nicht das "gender gap" schließt, könnten vielleicht umgekehrt bessere Chancen für Frauen die Wirtschaft ankurbeln. Dies zumindest ist die Idee hinter diversen Maßnahmen, die Ministerpräsident Shinzo Abe vergangenen Freitag (19.04.2013) ankündigte. So soll die Zahl der Einrichtungen zur Ganztagskinderbetreuung massiv erhöht werden, und junge Eltern sollen mehr Elternzeit in Anspruch nehmen können. "Viele Frauen müssen sich noch immer entscheiden, ob sie ein Kind großziehen oder ihren Job ausüben wollen", so Abe vor der Presse. Ziel seiner Regierung sei eine Gesellschaft, in der "alle qualifizierten Menschen eine aktive Rolle spielen können", das werde die Produktivität der ganzen Gesellschaft steigern.

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