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Welt

Japan will Atomtechnik weiter exportieren

Fukushima hin oder her: Ungeachtet der Katastrophe in dem Atomkraftwerk hält Japan an dem Plan fest, seine Kernkraftwerkstechnik auszuführen. Das Parlament billigte entsprechende Kooperationsabkommen mit vier Ländern.

So sah das Atomkraftwerk in Fukushima vor seiner Zerstörung aus (Archivfoto von 2008: AP)

So sah das Atomkraftwerk in Fukushima vor seiner Zerstörung aus

Bereits vor dem Unglück von Fukushima nach einem schweren Erdbeben und einem Tsunami am 11. März hatte Japan mit Jordanien, Russland, Südkorea und Vietnam Vereinbarungen zur zivilen Nutzung der Atomenergie abgeschlossen. Am Freitag (09.12.2011) stimmte das Oberhaus in Tokio, in dem die Opposition die Mehrheit hat, dem Vorhaben zu. Damit ebnete es den Weg für den Export japanischer Atomtechnologie an die vier Länder. Die Beratungen im Parlament waren nach der Havarie in Fukushima zunächst ausgesetzt worden.

Der japanische Ministerpräsident Yoshihiko Noda (Foto: AP)

Der japanische Ministerpräsident Yoshihiko Noda plädierte für den Export

Der seit September amtierende Ministerpräsident Yoshihiko Noda sprach sich jedoch auch im Sinne der diplomatischen Beziehungen dafür aus, die getroffenen Vereinbarungen mit den vier Staaten zu erfüllen. Die japanische Industrie hofft, Atomkraftwerksanlagen an Jordanien und Vietnam sowie Reaktorteile an Südkorea liefern zu können. Russland wiederum könnte Japan eine stabile Versorgung mit Kernbrennstoff sichern. Japan hat bereits bilaterale Atomvereinbarungen mit sieben Ländern: Australien, Großbritannien, Kanada, China, Frankreich, Kasachstan und den USA sowie mit der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom).

Tepco macht Rückzieher

Ebenfalls am Freitag gab der japanische AKW-Betreiber Tepco bekannt, dass er nun doch kein kontaminiertes Wasser aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer pumpen will. Eine Konzernsprecherin sagte, nach Gesprächen mit Fischerei-Verbänden habe sich Tepco gegen den jüngst vorgestellten Plan entschieden, der bei den Fischerei-Verbänden und der staatlichen Fischerei-Agentur auf Widerspruch gestoßen war. Tepco-Geschäftsführer Junichi Matsumoto sagte, das Unternehmen werde versuchen, weitere Tanks zu bauen und mehr Wasser aufzubereiten, um es zur Kühlung zu nutzen.

Ursprünglich wollte Tepco im Frühjahr weniger stark belastetes Wasser ins Meer ablassen. Weil ständig Grundwasser in die Anlage fließe, müssten jeden Tag 200 bis 500 Tonnen Wasser aufgefangen und gelagert werden, hatte der Konzern mitgeteilt. Das Problem dabei: Tepco gehen langsam die Lagermöglichkeiten aus. Die Speicherkapazitäten von 155.000 Tonnen könnten um den März herum ausgeschöpft sein, hieß es zuletzt. Im April hatte Tepco bereits zehntausende Tonnen leicht verstrahltes Wasser abgelassen, um Platz für stärker kontaminiertes Wasser zu schaffen. Dieser Schritt wurde von Anrainerstaaten wie China und Südkorea scharf kritisiert.

Die Langzeitfolgen des Atomunglücks

Das Atomkraftwerk Fukushima war von einem Erdbeben und Tsunami am 11. März im Nordosten Japans schwer getroffen worden. Es kam zur schlimmsten Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl im Jahre 1986. In den Reaktoren 1, 2 und 3 gab es Kernschmelzen. Etwa 16.000 Menschen kamen ums Leben, 4000 Personen gelten offiziell noch immer als vermisst. Wegen der Strahlenbelastung mussten etwa 80.000 Menschen ihre Häuser in der Gegend um die Atomruine verlassen.

Ein Mann wird im November 2011 an einer Dekontaminierungsstelle auf Strahlung untersucht (Foto: dpa)

Ein Mann wird im November 2011 an einer Dekontaminierungsstelle auf Strahlung untersucht

Doch wieviele Anwohner wurden wie stark verstrahlt? Antworten auf diese Schlüsselfragen gibt eine Untersuchung, die Regierung der Provinz Fukushima am Freitag veröffentlicht hat. Für die Untersuchung werteten die Autoren die Gesundheitschecks von rund 1730 Bewohnern der Katastrophenprovinz aus. Die Strahlendosis, der diese Menschen in den ersten vier Monaten nach dem Atomunfall ausgesetzt waren, wurde für die 29.000 Bewohner der Orte Namie, Kawamata und Iitate hochgerechnet.

Strahlenbelastung der Anwohner hochgerechnet

Nach Angaben der Fukushima Medical University war etwa die Hälfte der 1730 Bewohner in den ersten vier Monaten nach Beginn der Atomkatastrophe einer Strahlenbelastung von weniger als einem Millisievert ausgesetzt. Die übrige Hälfte war mehr als einem Millisievert ausgesetzt, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldet. Die in normalen Zeiten geltende Höchstgrenze liegt bei einem Millisievert pro Jahr.

Bei rund 40 Personen betrug die Dosis zwischen 5 und 10 Millisievert. Bei etwa einem Dutzend waren es mehr als 10 Millisievert, wobei die höchste Dosis rund 37 Millisievert betrug. Dazu zählen Menschen, die zu den Reparaturtrupps gehörten. Die gemessene Dosis schließe weder die natürliche Hintergrundstrahlung noch die innere radioaktive Belastung ein.

Autor: Reinhard Kleber (dpa, rtr, afp)
Redaktion: Marion Linnenbrink

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