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Energie

Japan vor Kehrtwende in der Atompolitik

Der Eindruck der Atomkatastrophe von Fukushima scheint zu verblassen. Die neue Regierung will die Pläne zum Ausstieg aus der Atomkraft auf den Prüfstand stellen.

Japans neuer Ministerpräsident, Shinzo Abe, hatte schon im Wahlkampf die Ansicht vertreten, dass sein Land aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf die Atomkraft verzichten könne. Und so kommt die Ankündigung seines neuen Industrieministers Toshimitsu Motegi (Artikelbild) von den Liberaldemokraten (LDP) nicht ganz überraschend: Als sicher eingestufte Atomreaktoren sollten wieder in Betrieb genommen und die Pläne zum Ausstieg aus der Kernenergie auf den Prüfstand gestellt werden, so der Minister in Tokio. Auch der Bau neuer Reaktoren sei nach eingehender Sicherheitsüberprüfung nicht ausgeschlossen.

Damit wird die "Politik der Vorgängerregierung" revidiert. Die Mitte-links-Regierung von Abes Vorgänger Yoshihiko Noda hatte vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe von Fukushima von 50 Atomreaktoren 48 abgeschaltet und langfristig für einen Verzicht auf die Atomkraft plädiert.

Sorge vor dem Black-out

Die neue Regierung, die seit dieser Woche im Amt ist, fürchtet für das ressourcenarme Land bei einem Ausstieg aus der Kernenergie massive Stromausfälle. Befürworter der Atomkraft verweisen darauf, dass eine Versorgung mit alternativen Energien nicht bis 2040 gewährleistet werden könne. Nichtsdestotrotz kündigte Toshimitsu den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien an. Allerdings schließt er auch den Bau neuer Meiler nicht aus, die Entscheidung dafür werde auf der Grundlage von Untersuchungen von Spezialisten getroffen.

Atomausstieg – Nein Danke!

Anti-Atom-Parteien konnten bei der Parlamentswahl Mitte Dezember nicht punkten - und das trotz des Unglücks von Fukushima im März 2011. Nach einem schweren Erdbeben mit anschließendem Tsunami fielen die Kühlsysteme in dem Atomkraftwerk aus und es kam zur Kernschmelze. Abes konservative LDP hatte bei der Wahl zusammen mit der verbündeten Komeito-Partei eine Zweidrittelmehrheit im Unterhaus errungen.

Abe will Berichten japanischer Medien zufolge am Samstag Fukushima besuchen. Der Betreiber der havarierten Atomanlage, Tepco, beantragte am Donnerstag weitere 698,6 Milliarden Yen (mehr als sechs Milliarden Euro) an Staatsgeldern für Entschädigungszahlungen an die Opfer der Katastrophe. Damit belaufen sich die Zahlungen mittlerweise auf umgerechnet 28,5 Milliarden Euro.

fab/haz (afp,dpa)