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Aktuell Asien

Japan und Südkorea reden über Entschädigung für Zwangsprostituierte

Sie wurden "Trostfrauen" genannt, doch das war alles andere als ein passender Begriff. 200.000 asiatische Frauen mussten Japans Soldaten in Bordellen zu Diensten sein. Im Streit um Entschädigung soll nun eine Lösung her.

Protest ehemaliger Trostfrauen Japans in Südkorea

Protest im Namen der ehemaligen Zwangsprostituierten in Südkorea

Südkorea und Japan unternehmen einen neuen Anlauf, um ihren lang anhaltenden Konflikt über das Kapitel der südkoreanischen Zwangsprostituierten während des Zweiten Weltkriegs beizulegen. Japans Außenminister Fumio Kishida ist dazu an diesem Montag zu Gesprächen nach Seoul gereist, wo er mit seinem südkoreanischen Kollegen Yun Byung Se spricht. Nach Schätzungen von Historikern wurden im Zweiten Weltkrieg 200.000 Frauen aus Korea, China, Indonesien, den Philippinen und Taiwan gezwungen, japanischen Soldaten in Militärbordellen zu Diensten zu sein. Die damaligen Zwangsprostituierten werden in Japan beschönigend als "Trostfrauen" bezeichnet. Bislang weigerte sich Tokio, sich für die sexuelle Ausbeutung zu entschuldigen und die Opfer zu entschädigen.

Neue Vorschläge?

Der japanische Außenminister werde neue Vorschläge im Gepäck haben, hieß es in Tokio unter Berufung auf informierte Kreise. Nach jahrelanger Eiszeit hatten sich Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye und Japans Regierungschef Shinzo Abe bereits vergangenen Monat prinzipiell geeinigt, den Konflikt möglichst bald beizulegen. Seoul warf Tokio stets vor, das Schicksal der Zwangsprostituierten zu ignorieren und begangene Kriegsgräuel zu verschleiern. Präsidentin Park hatte sich seit Beginn ihrer Amtszeit Anfang 2013 zunächst geweigert, Abe zu bilateralen Gesprächen zu treffen. Für sie ist der Konflikt das "größte Hindernis" in den Beziehungen zu Japan. Dabei sind die beiden Staaten ansonsten wirtschaftlich eng verbunden.

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Japan: Entschädigung für "Trostfrauen"

"Wenn ich mich an diese Zeit erinnere, ist das schmerzlich wie der Tod", sagt die 88-Jährige Kim Bok Dong. Sie ist eine von nur noch rund 50 lebenden Südkoreanerinnen, die als Opfer der Zwangsprostitution in japanischen Soldatenbordellen während des Zweiten Weltkriegs registriert sind. Seit Jahren versucht Kim, den Opfern eine Stimme zu geben, indem sie ihre eigene Geschichte erzählt. Sie selber hatte jahrelang geschwiegen aus Angst und aus Scham. Ihre Irrfahrt begann, als sie 14 oder 15 Jahre alt war. Im Frühjahr 1940 sei sie zu einer der "Troststationen" der japanischen Armee gebracht worden, erzählt Kim, die heute in Seoul lebt und dort von Mitgliedern einer privaten Organisation betreut wird.

Bis zur Rückkehr in ihre Heimat 1947 wird sie im Gefolge einer Truppeneinheit von Guandong im Süden Chinas nach Hongkong, Sumatra und Java, Malaysia und Singapur mitgeschleppt. Als sie zurückkehrt, ist sie 22 Jahre, gesundheitlich und seelisch gezeichnet.

ml/se (afp,dpa,rtr)

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