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Welt

Japan sieht Klimaschutz gefährdet

Die japanische Regierung richtet sich auf einen "langen Kampf" gegen die Atomkatastrophe ein. Und sie warnt: Wegen der ungelösten Probleme mit der Atomenergie könnte das Land seine Klimaschutzziele verfehlen.

Helfer, Wasserstrahl Reaktorgebäude (Foto: AP)

Vor riesigen Herausforderungen: Techniker im AKW Fukushima

Ein Ende der täglichen Horrormeldungen aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima ist nicht in Sicht. Die Techniker in den zerstörten Anlagen arbeiteten auch am Montag (04.04.2011) unter hohem persönlichem Risiko. Und für die Regierung in Tokio wird immer mehr klar: Aus dem zerstörten Kernkraftwerk kann noch monatelang Radioaktivität entweichen. Regierungssprecher Yukio Edano sprach von einem "langen Kampf" und kündigte an, es werde möglicherweise mehrere Monate dauern, bis die Lecks gestopft seien.

Klimaschutz gefährdet

Einsatzkräfte im Katastrophengebiet (Foto: AP)

Auswirkungen noch nicht zu überschauen: Japan vor großen Herausforderungen

Wegen der massiven ungelösten Probleme gebe es keinen Zweifel daran, dass sich die Katastrophe auf verschiedene Sektoren des Landes stark auswirken werde, sagte Edano. So seien etwa die japanischen Klimaschutzziele in Gefahr. Es sei fraglich, ob das Ziel einer Reduzierung der CO2-Emissionen um ein Viertel im Vergleich zum Stand von 1990 noch erreicht werden könne. Noch aber gebe es keine Pläne, das Klimaschutzziel zu korrigieren. Das hänge davon ab, wie die Krise um das leckgeschlagene AKW Fukushima I bewältigt werde. Atomenergie trägt in Japan bisher 30 Prozent zur Stromversorgung bei.

Die verheerenden Folgen der schweren Erdbeben- und Tsunamikatastrophe sowie die Auswirkungen des Atomunfalls haben das Vertrauen der Unternehmer in das Land sinken lassen. Die japanische Zentralbank korrigierte einen wichtigen vierteljährlichen Vertrauensindex nach unten. Nach den Ergebnissen erwarten die Unternehmen, dass sich in den kommenden drei Monaten die Bedingungen deutlich verschlechtern. Allerdings warnte die Notenbank davor, Stimmungstests überinterpretieren zu wollen: Nur knapp ein Viertel der Unternehmen seien nach der Katastrophe vom 11. März befragt worden.

Teuerste Naturkatastrophe überhaupt

Ruinen am Wasser (Foto: dpa)

Gefährliche Messergebnisse: Ruinen des havarierten AKW Fukushima

Das Beben der Stärke 9,0 dürfte nach Schätzungen einen Sachschaden von bis zu 300 Milliarden Dollar angerichtet haben. Damit wäre es die teuerste Naturkatastrophe seit Menschengedenken. Ganz zu schweigen von den Opfern: Nach einer neuen Bilanz der Behörde kamen vor über drei Wochen bei den schweren Erdbeben und dem Tsunami 12.157 Menschen ums Leben, 15.496 weitere werden jetzt vermisst.

Unvermindert ernst ist die Lage am havarierten Atomkraftwerk in Fukushima. Dort gelangt weiter Radioaktivität in die Umwelt, zum Teil in extrem starkem Maße. Versuche, den Abfluss verseuchten Wassers ins Meer mit Hilfe chemischer Bindemittel zu stoppen, haben keinen Erfolg gebracht. Der Betreiber Tepco will nun einen neuen Versuch unternehmen: Die Techniker sollen Barrieren errichten, um eine weitere Verseuchung des Pazifiks zu verhindern. Zunächst wurden allerdings erst einmal zehn Millionen Liter schwach radioaktives Wasser aus den Reaktoren abgelassen, um dort Platz für stärker belastetes Kühlwasser zu schaffen, wie es hieß.

Zudem wurde weißes Färbemittel in das Wasser geleitet, um den genauen Verlauf von verseuchtem Wasser in der Anlage festzustellen und weitere Lecks zu finden. Da das gefärbte Wasser aber nicht am Abfluss angelangte, wird nun befürchtet, dass das Wasser unkontrolliert im Boden versickert.

Gefährliche Messergebnisse

Wasserstrahl hinter Gittern(Foto: AP)

Radioaktives Wasser in Fukushima: Gefahr für die Umwelt

Derweil wurde nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo außerhalb der 30-Kilometer-Sicherheitszone um das Kraftwerk Radioaktivität oberhalb der erlaubten Grenzwerte gemessen. Die Regierung überlegt nun, die Reaktoren des Kraftwerks zu versiegeln. Wie Kyodo unter Berufung auf informierte Kreise meldete, wird erwogen, eine Hülle über die 45 Meter hohen Reaktorgebäude zu bauen und zu versiegeln. Über die Lage wollte die Internationale Atomenergieagentur IAEA sich am Montag an Ort und Stelle informieren. Die UN-Behörde teilte in Wien mit, zwei Experten würden mit japanischen Fachleuten beraten.

Die Wetterlage trägt für die Menschen im Ballungsgebiet Tokio nicht zur Beruhigung bei. Nach einer Voraussage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) dreht die Windrichtung in Japan. Damit steht zu befürchten, dass radioaktive Partikel bis Mittwoch die Millionenmetropole erreichen. Bislang trug der Wind die strahlenbelasteten Teilchen auf den Pazifik hinaus. Ein keiner Trost: Es soll in Japan trocken bleiben. Somit dürfte radioaktiver Regen ausbleiben.

Autor: Herbert Peckmann (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Martin Schrader

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