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Wirtschaft

Japan lockert überraschend Geldpolitik

Japans Notenbank will es wissen: Um mit aller Gewalt die Deflation im Land dauerhaft zu überwinden, öffnet sie die ohnehin schon aufgerissenen Geldschleusen weiter. Eine umstrittene Entscheidung.

Die japanische Notenbank lockert überraschend weiter ihre Geldpolitik. Sie beschloss am Freitag, die Ausweitung der Geldbasis auf rund 80 Billionen Yen pro Jahr zu beschleunigen. Bislang lag das Ziel bei einem Plus von 60 bis 70 Billionen Yen im Jahr. Der Ankauf von Staatsanleihen soll um ein Volumen von 30 Billionen Yen im Jahr erhöht und die Haltedauer der Papiere auf bis zu zehn Jahre verlängert werden.

An der Börse in Tokio schoss der Nikkei-Index für 225 führende Werte in einer ersten Reaktion um mehr als fünf Prozent nach oben. Zugleich zog der Dollar zum Yen auf den höchsten Stand seit sechs Jahren an.

Inflation von zwei Prozent angepeilt

Japans Notenbank war im April vergangenen Jahres zu einer aggressiven Lockerung der Geldpolitik übergegangen. Damit soll die jahrelange Deflation mit stetig fallenden Preisen überwunden werden. Die Teuerungsrate in Japan ohne Lebensmittel, aber inklusive Ölprodukte betrug laut Regierung im September zum Vorjahresmonat 3,0 Prozent. Im August lag der Wert bei 3,1 Prozent. Angepeilt ist für das kommende Frühjahr eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent.

Die Arbeitslosenquote ist im September gestiegen. Saisonal bereinigt betrug sie nach Angaben des Innenministeriums 3,6 Prozent, im August waren es noch 3,5 Prozent. Zugleich ging die Zahl der verfügbaren Stellen erstmals seit mehr als drei Jahren zurück. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Arbeitsmarkt in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt an Schwung verliert.

Anhebung der Verbrauchersteuer wirkt nach

Die japanische Wirtschaft habe sich zwar tendenziell weiter moderat erholt. Auch sei zu erwarten, dass die Wirtschaft weiter über ihrem Potenzial wachse, schreibt die Notenbank in einer Stellungnahme. An der Preisfront habe jedoch ein Nachfragedämpfer in Folge einer Anhebung der Verbrauchssteuer im April sowie ein deutlicher Rückgang bei den Ölpreisen in jüngster Zeit Druck auf die Preise ausgeübt. Sollte dies andauern, bestehe das Risiko, dass sich die Überwindung der deflationären Stimmung im Land verzögere, hieß es. Um dies zu verhindern und die bisherigen Fortschritte zu untermauern, halte man es für angemessen, die geldpolitischen Zügel noch weiter zu lockern. Zu diesem Zweck kauft die Notenbank jetzt noch verstärkter als bisher Staatsanleihen sowie riskantere Finanzinstrumente.

Wirtschaftsminister Akira Amari sagte, die Regierung sei bereit, die Wirtschaft anzukurbeln. Es sei aber noch keine Entscheidung über ein neues Konjunkturprogramm getroffen worden. Im Frühjahr war die japanische Wirtschaft so stark geschrumpft wie seit der Tsunami-Katastrophe im März 2011 nicht mehr. Der Grund dafür war die deutliche Anhebung der Mehrwertsteuer zum April.

Wirtschaftsriese kämpft gegen Wachstumsschwäche

Japan gehört zu den Wirtschaftsriesen. Das Land rangiert - vor Deutschland und hinter den USA und China - auf Platz drei der weltweit größten Volkswirtschaften. International ist Japan vor allem als Exporteur von Industriegütern und High-Tech bekannt wie Maschinen, Autos und Elektronik. Das Land steckt seit vielen Jahren in einer gefährlichen Spirale aus schrumpfenden Preisen und Wachstumsschwäche - einer Deflation.

iw/wen (rtrd, dpa)