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Wirtschaft

Japan folgt Fed, senkt Zinsen

Auch die japanische Zentralbank hat den Leitzins nun wegen der Finanzkrise gesenkt. Sie folgte damit dem Schritt der US-Notenbank. Japans Regierung plant zudem ein Konjunkturpaket für die angeschlagene Wirtschaft.

Börsenchart an großer Anzeigentafel (AP Photo/Katsumi Kasahara)

Aktieninvestoren waren unbeeindruckt von der Zinssenkung: der Nikkei schloss in den roten Zahlen

Die Bank of Japan (BoJ) teilte am Freitag (31.10.2008) in Tokio mit, der Zinssatz für Übernachtkredite sinke auf 0,30 Prozent von bislang 0,50 Prozent. Der Lombardsatz wurde von 0,75 Prozent auf 0,50 Prozent gesenkt. Da die Zinsen schon vorher extrem niedrig waren, dürfte der jüngste Schritt nicht zu einem großen Schub für die Wirtschaft führen. Angesichts der Finanzkrise hatte jedoch die US-Notenbank Fed erst vor zwei Tagen ihren Zinssatz um 50 Basispunkte auf ein Prozent gesenkt. Auch von der Europäischen Zentralbank erwarten Analysten kommende Woche eine weitere Zinssenkung auf dann 3,25 Prozent. Experten sprechen von einem koordiniertem Vorgehen, dem sich Japan nicht habe entziehen wollen.

Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa gab die ausschlaggebende Stimme für die Zinssenkung in Japan ab, da vier Ratsmitglieder gegen eine Zinssenkung und die übrigen vier für einen solchen Schritt waren. Die BoJ senkt damit erstmals seit dem März 2001 wieder die Zinsen. Damals hatte die Zentralbank die Zinsen auf null zurückgefahren und sie über mehrere Jahre auf diesem Niveau belassen. So waren die Kredite in Japan praktisch zinslos, womit das Land die in einer Deflation gefangenen Wirtschaft ankurbeln wollte. Erst vor etwas mehr als zwei Jahren hatte die Zentralbank den Kurs geändert und die Zinsen in zwei Schritten auf 0,5 Prozent hochgefahren.

Kampf der Rezession

Mit der Zinsentscheidung will die BoJ die Wirtschaft angesichts der Gefahr einer tiefen Rezession in Folge der Finanzkrise stützen. So soll die Zinssenkung einen weiteren Anstieg des Yen abwehren. Im Zuge der Finanzkrise war die japanische Währung seit geraumer Zeit rasant zu anderen wichtigen Währungen wie dem Dollar und dem Euro gestiegen, was die Aktienkurse stürzen ließ und die Bilanzen der von den Exporten stark abhängigen japanischen Unternehmen erheblich belastet.

Japans Wirtschaft werde sich wahrscheinlich nicht vor Mitte des kommenden Fiskaljahres, das am 1. April 2009 beginnt, erholen, erklärte die BoJ in ihrem am Freitag vorgelegten Halbjahres-Ausblick. Die Bank senkte ihre Wachstumsprognose für das noch bis 31. März 2009 laufende Fiskaljahr wegen der Auswirkungen der globalen Finanzkrise deutlich auf nur noch 0,1 Prozent. Bislang war die Zentralbank von 1,2 Prozent Wachstum ausgegangen.

Börse unbeeindruckt: rote Zahlen

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Freitag trotz der Zinssenkung schwach. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zum Handelsschluss einen Abschlag von 452,78 Punkten oder 5,01 Prozent und ging beim Stand von 8576,98 Punkten in ein verlängertes Wochenende. Am kommenden Montag bleiben Japans Aktien- und Finanzmärkte wegen eines nationalen Feiertages geschlossen.

Konjunkturpaket

Die japanische Regierung will die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zudem mit dem zweiten Konjunkturprogramm innerhalb von zwei Monaten vor einer tiefen Rezession bewahren. Ministerpräsident Taro Aso nannte die Finanzkrise einen "Jahrhundertsturm" und kündigte am Donnerstag unter anderem zusätzliche Ausgaben im Volumen von 40 Milliarden Euro an. Zu dem Paket gehören auch Steuersenkungen sowie ein Rettungsschirm für kleinere Firmen.

Volkswirte bezweifeln jedoch, ob das Konjunkturprogramm mehr sein kann als ein Tropfen auf den heißen Stein. Falls es sich wirklich um einen Jahrhundertsturm handele, werde der Schaden für die Volkswirtschaft enorm sein - und das Konjunkturprogramm habe lediglich ein Volumen von einem Prozent der Wirtschaftsleistung Japans, hieß es. (mas)

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