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Atomindustrie

Japan fährt zwei weitere Atomreaktoren an

Die japanische Regierung setzt ihren Pro-Atom-Kurs konsequent fort. Ungeachtet der Proteste in der Bevölkerung gab ein Gouverneur grünes Licht für die Wiederinbetriebnahme zweier Reaktoren in der Provinz Fukui.

Atomkraftwerk Oi Reaktor 4 in der Präfektur Fukui Japan (Reuters)

Zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Ohi in der Präfektur Fukui sollen bald wieder ans Netz (Archivbild)

Der Gouverneur der Provinz Fukui am Japan-Meer, Issei Nishikawa, gab sein Einverständnis, dass der Betreiberkonzern Kansai Electric die Reaktoren 3 und 4 im Atomkraftwerk Ohi wieder hochfährt. "Ich habe zugestimmt, nachdem ich alle unterschiedlichen Faktoren geprüft habe", sagte Nishikawa vor Journalisten. Damit können die beiden Reaktoren voraussichtlich ab Anfang nächsten Jahres wieder in Betrieb gehen.

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 hatte Japan sämtliche 42 noch funktionsfähigen Atomkraftwerke vorerst stillgelegt. Seitdem gelten schärfere Sicherheitsauflagen. Im August 2015 genehmigte die Regierung das erstmalige Wiederhochfahren zweier Reaktoren im Südwesten des Landes. Inzwischen sind fünf Reaktoren wieder in Betrieb.

Zuletzt hatte im Juni ein Gericht die Wiederinbetriebnahme der Reaktoren 3 und 4 des Atomkraftwerks Genkai im Südwesten Japans erlaubt. Anwohner hatten vergeblich versucht, aus Sicherheitsgründen eine einstweilige Verfügung gegen den Neustart der Reaktoren zu erreichen. Das Atomkraftwerk Genkai liegt hundert Kilometer nördlich der Präfektur Kumamoto, die im vergangenen Jahr von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde. Die Anwohner werfen dem Betreiberkonzern Kyushu Electric Power vor, keine ausreichenden Maßnahmen zum Schutz vor Naturkatastrophen zu treffen.

Abe will Atomstrom reaktivieren

Japan will bis zum Jahr 2030 bis zu 22 Prozent seiner Energie wieder aus Atomstrom beziehen. Dass die konservative Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe trotz Protesten der Bevölkerung zur Atomenergie zurückkehrt, hat in erster Linie wirtschaftliche Gründe: Japan kämpft vor allem wegen der hohen Kosten für fossile Brennstoffe mit Handelsdefiziten.

In Fukushima war infolge eines schweren Erdbebens und eines Tsunamis am 11. März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Drei der sechs Reaktoren wurden bei der Katastrophe zerstört. Das umliegende Gebiet wurde radioaktiv verseucht und ist seitdem unbewohnbar. Es war die größte Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl 1986. Die Aufräumarbeiten sollen noch vier Jahrzehnte dauern. Zehntausende Menschen mussten damals die verstrahlte Gegend in und um Fukushima verlassen. Seither verklagten rund 12.000 Anwohner den Betreiberkonzern Tepco und die japanische Regierung auf Entschädigung. Seit Juni läuft zudem ein Strafverfahren gegen drei frühere Tepco-Manager.

Im Oktober stellte ein japanisches Gericht eine Mitschuld des Staates und des Unternehmens Tepco an dem Gau in Fukushima fest. Ungeachtet dessen hält die Regierung weiter an der Atomkraft fest. Die Atomaufsicht erklärte kürzlich erstmals seit dem Gau in Fukushima zwei Tepco-Reaktoren für sicher. Die beiden Reaktoren 6 und 7 im weltgrößten Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa am Japan-Meer hätten die nach der Katastrophe in Fukushima verschärften Sicherheitsauflagen erfüllt, hieß es. Bis zum Hochfahren dürften jedoch Jahre vergehen.

kle/sti (dpa, afp)

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