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Asien

Japan - Eindrücke einer THW-Helferin

"Die Dankbarkeit der Japaner war beeindruckend", erzählt die THW-Helferin Georgia Pfleiderer aus Bonn. Eine Woche lang war sie mit ihrem Team nördlich von Sendai um Erdbebenopfer zu bergen.

(Foto: THW)

Enge Zusammenarbeit mit den japanischen Kollegen

"Es war aufregend, spannend und natürlich hatte ich auch ein wenig Angst" – für Georgia Pfleiderer war es der erste THW-Einsatz überhaupt. Zusammen mit fünf Frauen, 35 Männern und drei Hunden flog sie nach Tome. Die Stadt liegt etwa 50 Kilometer nordöstlich von Sendai im Landesinneren. Ihr Job: Überlebende der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe zu finden.

Campen bei eisigen Temperaturen

(Foto: THW)

Campaufbau bei Tome - ihr Equipment brachten die THW-Helfer aus Deutschland mit

"Es war bitterkalt, wir hatten Temperaturen um den Gefrierpunkt", erzählt die Helferin. Sie arbeitet als eine der wenigen hauptberuflich für das THW. Die meisten ihrer Kollegen waren freiwillige Helfer, die sich für diesen Einsatz freistellen lassen mussten. "Vom Studenten über den Werkzeugmacher bis hin zum Arzt, wir waren eine bunt gemischte Mannschaft." Die Gruppe wohnte in Zelten, die natürlich nicht so gut isoliert waren wie feste Behausungen. Aber dafür sicherer. "Das Problem waren die Nachbeben. Es war wie auf einem Schiff, alles schwankte, bestimmt eine Minute lang. Und das oft zweimal pro Tag." Und diese Nachbeben waren es, die den Hilfseinsatz so schwierig machten.

Das Problem: ständige Nachbeben

Dabei wollten die Deutschen nicht etwa auf eigene Faust losziehen, um nach Überlebenden zu suchen, denn sie unterstanden dem Kommando der japanischen Feuerwehr. Die hatte sie auch angefordert. "Dreimal haben uns die japanischen Kollegen angerufen. Drei Mal haben wir unsere Sachen gepackt, saßen abfahrbereit da. Und dann ging es wieder los. Das Schwanken." Die Erde bebete wieder, und das hieß für Georgia Pfleiderer und ihre Leute: Abbruch. Es wäre zu gefährlich gewesen unter diesen Umständen loszufahren, sagten die japanischen Feuerwehrmänner.

(Foto: THW)

Es war ihr erster THW-Einsatz: Georgia Pfleiderer

"Das war natürlich frustrierend und enttäuschend. Wir waren ja schließlich da um zu helfen, um zu graben und um Menschenleben zu retten." Diese Mission konnten sie nicht erfüllen, die Naturgewalten machten ihnen einen Strich durch die Rechnung. "Was mich aber sehr bewegt hat, war die Reaktion der Menschen. Die waren so dankbar, dass wir extra aus Europa hergekommen sind, um zu helfen." Menschen kamen neugierig in ihr Camp gelaufen, erzählt Pfleiderer. "Da war ein alter Mann. Er konnte kein deutsch oder englisch, wir kein japanisch, also haben wir uns mit Händen und Füssen verständigt. Aber er hat uns eine Musikkassette überreicht." Eine andere Frau habe ihnen Chips geschenkt. Das habe sie sehr beeindruckt, denn Lebensmittel sind knapp.

Beeindruckt von Koordination der Japaner

Überall vor den Supermärkten waren riesige Schlangen. Die Menschen standen diszipliniert an, keine Spur von Panik. Ebenso ruhig ging es vor den Tankstellen zu, beobachtete die THW-Helferin. Überhaupt sei die Koordination und Organisation seitens der Japaner sehr gut gewesen. "Eine Kontaktperson, die auch übersetzte, holte uns am Flughafen ab und war 24 Stunden pro Tag für uns da", so Pfleiderer.

Ob sie denn gar keine Bedenken wegen der Strahlenbelastung und der unsicheren Lage des Atomkraftwerks Fukushima gehabt habe? "Nein, gar nicht", meint die 45-Jährige ohne nachzudenken. "Wir hatten ja einen ABC-Fachmann dabei, der die ganze Zeit die Strahlung gemessen hat." Außerdem war das Team ständig in Kontakt mit der Zentrale in Bonn, denen ein Spezialist vom Bundesumweltamt und vom Deutschen Wetterdienst zur Seite stand. "Ich persönlich hatte absolutes Vertrauen in diese Experten. Und in die japanischen Kollegen. Denn die Tatsache, dass sie Einsätze abbrechen zeigt ja, dass sie vorsichtig sind."

Hilfsbereitschaft zeigen

(Foto: THW)

Dankbar für jede Hilfe

Eine Woche lang war Georgia Pfleiderer vor Ort, eine Woche lang versuchte sie zu helfen. Es ist nur beim Versuch geblieben. Für sie war der Einsatz aber trotzdem nicht umsonst: "Es war wichtig den Menschen in Japan zu zeigen, dass sie nicht alleine sind, dass wir bereit sind zu helfen". Und diese Botschaft sei angekommen, resümiert die Helferin. Allerdings sei sie mit einem zwiespältigen Gefühl zurück nach Deutschland geflogen, denn "wir können wieder weg aus dem Katastrophengebiet. Viele Japaner aber nicht. Mit den Gedanken bin ich natürlich immer noch bei den Menschen, die keine Chance haben zu flüchten."

Autorin: Miriam Klaussner

Redaktion: Sven Töniges