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Aktuell Asien

Japan: Aufmarsch gegen Atomkraft

Zwei Jahre nach dem Super-Gau in Fukushima wollen japanische Atomkraftgegner noch einmal ein eindrückliches Zeichen der Warnung setzen: Sie fordern, auf die Nuklearenergie zu verzichten. Die Regierung hat andere Pläne.

"Ich werde gegen jeden kämpfen, der so tut, als hätte es Hiroshima, Nagasaki und Fukushima nie gegeben": Literaturnobelpreisgewinner Kenzaburo Oe richtete auf einer Kundgebung in Tokio einen eindringlichen Appell an seine Landsleute, in ihrem Widerstand gegen die Atomkraft nicht nachzulassen.

Nobelpreisträger Kenzaburo Oe bei einer Demonstration in Tokio (foto: AFP/Getty Images)

Geprägt von Hiroshima und dem Atomkrieg: Schriftsteller Kenzaburo Oe reiht sich ein in die Anti-Atom-Proteste in Tokio

Er ist einer von zahlreichen prominenten Unterstützern der Bewegung. Kurz vor dem Jahrestag der Katastrophe in Fukushima vom 11. März 2011 beteiligen sich Zehntausende Japaner an einer Serie von Protestveranstaltungen  und verlangen den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie.

Auslöser für ihre Wut ist auch der neue konservative Ministerpräsident Shinzo Abe, der viele der noch vorsorglich stillgelegten Atommeiler wieder hochfahren und sogar neue bauen will. Zurzeit sind wegen umfangreicher Sicherheitsüberprüfungen nur zwei der 50 japanischen Atomkraftwerke in Betrieb. Noch immer sind rund 160.000 Menschen nicht in ihre Häuser in der Katastrophenregion im Nordosten des Landes zurückgekehrt - aus Angst vor Krebs und anderen Spätfolgen der radioaktiven Strahlung.

Japan gespalten in Atom-Frage

So große Kundgebungen wie an diesem Wochenende hat es in Japans seit den Protesten der Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg in den 1960ern nicht mehr gegeben. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich am Samstag rund 15.000 Menschen. Die Demonstranten applaudierten und schwenkten Transparente mit Aufschriften wie "Rettet unsere Kinder". Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen der Aktivisten mit der Polizei (Artikelfoto).

Auslöser des Super-Gaus von 2011 waren ein Erdbeben und ein Tsunami, dabei starben rund 19.000 Menschen. In den Reaktoren des AKWs Fukushima Daiichi kam es zu mehreren Kernschmelzen. Es war das folgenschwerste Atomunglück seit der Katastrophe von Tschernobyl 1986.

Auch in Deutschland gab es am Samstag anlässlich des Jahrestags Proteste. Allein rund um das Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln demonstrierten nach Angaben der Veranstalter rund 20.000 Menschen gegen die Nuklearenergie und prangerten einen aus ihrer Sicht mangelnden Katastrophenschutz an. In Paris bildeten 20.000 französische Atomkraftgegner eine Menschenkette für einen Ausstieg aus der Kernkraft. 

SC/ml (afp, AP, dpa, epd)