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Wirtschaft

Japan Airlines fliegt in die Insolvenz

Milliardenverluste und hohe Schulden haben die größte japanische Fluggesellschaft in die Insolvenz getrieben. Nun soll Japan Airlines saniert werden - nach dem Vorbild des US-Autobauers General Motors.

Maschine der Japan Airlines (Foto: AP)

Radikale Umstrukturierung: Jeder dritte Job soll gestrichen werden

Es ist das erste Mal, dass die japanische Regierung ein großes, der öffentlichen Hand nahestehendes Traditionsunternehmen außerhalb des Finanzsektors bankrott gehen lässt. Normalerweise läuft es nämlich anders: Die größten Anteilseigner und Banken stimmen einem Schuldenerlass zu - und vermeiden so um jeden Preis eine Insolvenz. Das Durchgreifen der Regierung von Ministerpräsident Yukio Hatoyama, die im September mit dem Versprechen angetreten war, die Verschwendung von Steuergeldern zu stoppen, gilt in Japan als Novum.

Spekulationen über Insolvenz seit Wochen

Seit Monaten hatte sich abgezeichnet, dass die frühere Staats-Airline ohne einen radikalen Neuanfang nicht zu retten ist. Am Dienstag (19.01.2010) meldete Japan Airlines nach monatelangem Kampf gegen ausufernde Schulden und Milliardenverluste schließlich Gläubigerschutz an. Der Schritt kam allerdings nicht überraschend: Seit Wochen wurde über eine bevorstehende Insolvenz spekuliert, eigentlich stand nur noch die Frage im Raum, wann es soweit sein würde.

Nun soll die Fluggesellschaft saniert werden - nach Vorbild des US-amerikanischen Autobauers General Motors. Federführend soll dabei die staatliche Enterprise Turnaround Initiative Corp - kurz Etic - sein. Sie soll unter anderem die Mittel zur Verfügung stellen, die nötig sind, um den Flugbetrieb fortzuführen. Im Zuge der staatlich gelenkten Insolvenz soll jeder dritte Arbeitsplatz gestrichen werden - insgesamt knapp 16.000 Stellen werden der Umstrukturierung aller Voraussicht nach zum Opfer fallen.

Reise-Krise und Rekordschulden

Japan Airlines hatte den weltweiten Einbruch auf dem Reisemarkt massiv zu spüren bekommen. Außerdem leidet das Unternehmen unter seiner aufgeblähten Kostenstruktur und der dramatisch hohen Schuldenlast von rund 16 Milliarden Dollar. Allein in dem im März endenden Geschäftsjahr verzeichnet die Fluglinie voraussichtlich einen Verlust von geschätzten 13 Milliarden Dollar. Es wäre der vierte Jahresverlust innerhalb von fünf Jahren.

Zuletzt war die 1987 privatisierte Airline nur noch mit staatlichen Notkrediten am Leben gehalten worden. Mit dem Insolvenzantrag trat nach Angaben der Sanierungsgesellschaft Etic das gesamte Direktorium der Japan Airlines zurück.

Autor: Frank Wörner (dpa, rtr)
Redaktion: Ursula Kissel

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