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Aktuell Asien

Jangtse-Schiffsunglück: Angehörige fordern Informationen

Mehr als 370 Menschen werden auch drei Tage nach dem Kentern der Fähre auf dem Jangtse noch vermisst. Die Hoffnung auf Überlebende ist gering. Angehörige der Opfer fordern nun Antworten von der Regierung.

Frustriert über die spärliche Informationspolitik der örtlichen Behörden reisten etwa 50 Angehörige der mehr als 370 Vermissten aus dem rund acht Stunden entfernten Nanking in die Provinz Hubei. Dort hatte sich am Montagabend die schlimmste Schiffskatastrophe in China seit Jahren ereignet: Mit 456 Menschen an Bord war das Ausflugsschiff "Dongfangzhixing" ("Stern des Ostens") während eines heftigen Sturms innerhalb kurzer Zeit gekentert.

Auf ihrem Weg zur Unglücksstelle durchbrachen die Angehörigen in der Nacht auf Donnerstag einen Polizeikordon vor einer Straßensperre. Die Polizisten hatten versucht, die Protestierenden an ihrem Weitermarsch zu hindern. In den frühen Morgenstunden erklärte der Vizepolizeichef von Nanking den Angehörigen, sie könnten die Unglücksstelle nur tagsüber besuchen. Er versprach, dafür Busse bereitzustellen.

Einige Angehörige hatten nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters zuvor gefordert, ihnen die Namen der Überlebenden und Verstorbenen zugänglich zu machen. Andere Hinterbliebene hatten Antworten darüber gefordert, warum das Boot seine Fahrt trotz des schlechten Wetters nicht gestoppt hatte und warum Überlebende der Crew zwar Zeit hatten, ihre Rettungswesten anzulegen, aber nicht den Alarm auszulösen.

Der Staatsrat hat Ermittlungen zur Ursache des Unglücks eingeleitet. Fragen werfen vor allem das Verhalten des Kapitäns und Chefingenieurs auf, die beide überlebt haben und in Polizeigewahrsam gehalten werden. Ihren Angaben zufolge soll ein Tornado das vierstöckige Schiff plötzlich in Schieflage und "in nur ein bis zwei Minuten" zum Kentern gebracht haben. Unklar war allerdings, warum der erfahrene Kapitän trotz des schlechten Wetters weitergefahren ist, während andere Schiffe gestoppt hatten.

Einer ersten Untersuchung zufolge war das 76 Meter lange Ausflugsschiff nicht überladen und hatte genügend Rettungswesten für die meist älteren Touristen an Bord, die eine elftägige Jangtse-Tour machten.

Rettungskräfte suchen nach dem Schiffsunglück auf dem Jangtse in China nach Überlebenden (Foto: REUTERS/Aly Song)

Im Inneren des gekenterten Schiffes könnten Menschen das Unglück überlebt haben

Kaum Hoffnung auf Überlebende

Nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens wurden über Nacht weitere 39 Leichen geborgen. Das Zahl der Toten steigt damit auf 65. Bislang konnten nur 14 Menschen gerettet werden. Das schlechte Wetter behindert die Suche nach möglichen Überlebenden.

Bei den Rettungsarbeiten kamen bislang mehr als 4000 Helfer und 130 Schiffe zum Einsatz. Die Bergungstrupps wollten insgesamt drei Löcher in den Rumpf des kieloben in 15 Meter tiefem Wasser liegenden Schiffes schneiden, um den Tauchern besseren Zugang zu ermöglichen. Es besteht allerdings Sorge, dass dadurch Luft aus dem Inneren des gekenterten Schiffes entweicht, die Passagieren bislang das Überleben ermöglichen könnte. Zudem könnte das Schiff dadurch instabil werden oder weiter sinken, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua.

Verkehrsminister Yang Chuantang sprach von einem "Wettlauf gegen die Zeit". Solange es aber noch die geringste Hoffnung gebe, "werden wir alles geben und nicht aufgeben."

sp/stu (dpa, rtr)