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Bücher

Jane Bowles: Moderne Legende neu übersetzt

Sie war ein Star der amerikanischen Literaturszene seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts: exzentrisch, klug und außergewöhnlich - wie ihr Werk.

***ACHTUNG: Nur im Zusammenhang mit der Vorstellung der Jane Bowles Werkausgabe im Schöffling Verlag verwenden!*** eingestellt im April 2012

Schriftstellerin Jane Bowles

Eine Haarpalme aus kurzen Locken, gebogene Nase und blitzende Koboldaugen mit einem Schuss Wahnsinn: mit diesen Worten beschrieb Truman Capote seine Schriftsteller-Freundin Jane Bowles. Mit der jungenhaften Kleidung an ihrer sehr mädchenhaften Figur erschien sie ihm wie der "ewige Junge, als Schönster unter den schönen Erwachsenen".

1917 in New York geboren, war Jane Bowles schon mit Mitte 20 ein Star in der Literaturszene. Sie führte ein abenteuerliches, aber auch kräftezehrendes Leben in Amerika, England, Paris und Tanger. Nach mehreren Schlaganfällen und Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken starb sie 1973 in Málaga. Das Werk, das sie hinterließ, ist nur schmal. Jetzt hat es der Schöffling Verlag in neuer Übersetzung herausgegeben. Eine lohnenswerte Entdeckung, wie die Verlegerin Ida Schöffling im Interview mit der Deutschen Welle sagt.

Deutsche Welle: Es gab in den 1980er Jahren bereits eine Ausgabe von Jane Bowles' Roman "Zwei ernsthafte Damen" sowie zwei Erzählbände. Warum haben Sie jetzt eine Neuausgabe herausgebracht?

Ida Schöffling: Wie so oft im Verlagsleben ist das eine persönliche Geschichte. Die Bücher von Jane Bowles sind Kleinode und wir möchten erreichen, dass mehr Leute an diesem Vergnügen teilhaben können. Aufmerksamkeit erreicht man nur mit etwas Neuem, deshalb haben wir den Roman und die Erzählungen von Brigitte Walitzek – die auch zu den neuen Übersetzerinnen von Virginia Woolf gehört – neu übersetzen lassen. Außerdem haben wir die Bücher besonders schön und sorgfältig ausgestattet, mit Einbänden von Alex Katz und einem Begleitheft in einem Schuber, um die Wichtigkeit dieser Autorin herauszustellen.

Wie kommt es, dass Jane Bowles bei deutschen Leserinnen und Lesern so wenig bekannt geworden ist?

Die Dichte und Intensität der Prosa von Jane Bowles verlangt vom Leser, sich ganz darauf einzulassen. Wer das tut, wird mit einem großen Vergnügen belohnt. Wer nur einen Schmöker für die nächste U-Bahnfahrt will, wird enttäuscht. Ich denke, das ist es, was ein breites Publikum abschreckt.

Wie würden Sie das Charakteristische ihrer Texte beschreiben?

Alle ihre Figuren, ob im Roman oder in den Erzählungen, sind Frauen oder junge Mädchen. Sie sind verrückt, skurril, ernsthaft. Margit Schreiner schreibt in ihrem Essay im Begleitband: "Kaum hat man ein Bild von einer Person, schon ändert sich das Bild wieder, kaum meint man eine Situation zu begreifen, schon kippt sie." Und Jane Bowles erklärt nichts, die Geschichten entwickeln sich aus den Charakteren. Es gibt keinen Erzähler, der den Finger hebt und sagt: Sie tut das, weil ... – nein, sie tut es einfach.

Ihre ehrbaren, sesshaften Frauen landen oft in der "Gosse". Warum ist das so?

Einige ihrer Figuren tragen einen Schuldkomplex mit sich herum, ob eingebildet oder wahr, wird nicht erläutert. Sie müssen in der Gosse landen, sie müssen sich selbst bestrafen, sie wollen Sühne und sie müssen Dinge kennenlernen, die ihrer "eigenen" Welt fremd sind.

Jane Bowles war seit 1938 mit Paul Bowles verheiratet - und blieb es bis zu ihrem Tod 1973: Sie liebt Frauen, er liebt Männer. Was hält diese Beziehung zusammen?

Liebe, Achtung, Gemeinsamkeiten, Verantwortung und eine große Portion Abenteuergeist. Das ist doch eine ganze Menge für eine Beziehung.

Der Schriftsteller Truman Capote kommentierte Jane Bowles' Werk so: "Mein einziger Kritikpunkt bezieht sich daher auch nicht auf die Qualität ihrer Arbeit, sondern auf deren bescheidenen Umfang." Warum ist es denn so schmal geblieben?

Jane Bowles wollte schreiben und quälte sich dennoch jeden Satz ab. Schreibblockaden waren eher die Regel als die Ausnahme. Außerdem war sie schwer krank. Mit 40 Jahren erlitt sie ihren ersten Schlaganfall, dem epileptische Anfälle folgten.

1960 schrieb sie an eine Freundin: "Meine Hauptsorge ist meine Arbeit, vor allem: Habe ich überhaupt eine? Kann ich je wieder eine haben? Ansonsten gibt es nichts Neues, außer dass ich nicht immer weiß, was Folge eines Schlaganfalls ist und was die Schreibblockade. Ich weiß, dass manches definitiv vom Schlaganfall herrührt, bei anderem bin ich mir nicht sicher."

Die Fragen stellte Gabriela Schaaf.

Jane Bowles: Gesammelte Werke. Aus dem Englischen neu übersetzt von Brigitte Walitzek. Zwei Bände und Beiheft im Schuber. Schöffling Verlag 2012. 39,90 Euro; ISBN 978-3-89561-338-8