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Sport

Jammern, Fluchen, Staunen

Italien jammert, Frankreich flucht - und ganz Europa staunt über das Losglück der Deutschen. Die Gruppenauslosung für die Fußball-EM 2008 hat besonders in der Ländern der "Todesgruppe C" großes Wehklagen ausgelöst.

Die Präsidenten des östereichischen Fußballverbands Friedrich Stickler (l.) und des Schweizer Verbands Ralph Zloczower mit den Maskottchen für die Fußball-Europameisterschaft 2008 in Wien (Archiv), Foto: dpa

EM 2008: Jetzt stehen die Gegner fest

"Mamma Mia - eine Auslosung zum Fürchten. Das wird hart", schrieb "La Gazetta dello Sport" über Italiens Gegner Frankreich, Niederlande und Rumänien. Die vier Länder waren am Sonntag (02.12.2007) für die "Todesgruppe C" der Fußball EM 2008 in Österreich und der Schweiz ausgelost worden. "Wir und Frankreich - was für ein Alptraum", titelte "La Republica" über die Neuauflage des WM-Finales schon in der Gruppenphase, während "Tuttosport" ankündigte: "In der Hölle wartet Frankreich!"

In den Niederlanden - die schon bei der WM 2006 schwere Gegner erwischt hatten - wurde das Los mit Entsetzen, aber auch mit einer Portion Galgenhumor aufgenommen. "Eine höllische Aufgabe", schrieb "De Telegraaf". Die Zeitung "De Volkskrant betonte den sportlichen Reiz: "Eine fantastische Todesgruppe: Stürmer van Nistelrooy und andere Fußballer der niederländischen Elf verlangten nach dem Trauerspiel gegen Luxemburg nach richtigen Gegnern. Der Wunsch wurde erfüllt!". Der Französische "Le Figaro" schrieb von der "Todesgruppe" und "L'Equipe" orakelt: "Mit Ausnahme Deutschlands, das von Rumänien ersetzt wurde, findet sich die französische Mannschaft in der höllischen Gruppe C wieder, in der es mindestens ein ruhmreiches Opfer geben wird."

Staunen in Gruppe B

So groß der Ärger über drei EM-Topfavoriten in einer Gruppe, so groß war das Staunen über das erneute Fortune der Deutschen: "Glückliches Deutschland", lautete der Tenor aus allen Ländern. "Für die Deutschen ist es großartig gelaufen", schrieb "La Gazetta dello Sport" zu den DFB-Gegnern Österreich, Kroatien und Polen in Gruppe B. "Le Figaro" erklärte die Löw-Auswahl gleich zum EM-Favoriten - vor Spanien, Italien und dem eigenen französischen Team.

Auch bei den deutschen Gegnern freute man sich. Die kroatische Zeitung "Sportske novosti" schrieb von einer "Traum-Auslosung". "24 sata" sieht den WM-Dritten von 1998 schon im Viertelfinale: "Wir können alle in unserer Gruppe besiegen Wir gehen weiter!" Ein besonderer Dank ging an Jürgen Klinsmann, der den Kroaten als Losfee die leichte Gruppe beschert hatte. Polens Presse puscht das erneute Nachbarschaftsduell mit martialischen Worten und Kriegsanalogien hoch. "Das wird eine Schlacht sein! Ganz Fußball-Polen wünschte sich diesen Gegner. Es wird eine gute Gelegenheit zur Revanche für die Pechniederlage bei der letzten WM sein", schrieb "Dziennik" und "Gazeta Wyborcza" bemühte die siegreiche Schlacht bei Tannenberg im Jahr 1410 und forderte: "Wir müssen die Deutschen in die Knie zwingen."

Co-Gastgeber Österreich freut sich hingegen auf das Duell mit den "Piefkes" in Gruppe B so "narrisch", dass sogar der EM-Ball "eine Ganslhaut" bekommt und kramt Erinnerungen an Cordoba 1978 und das sportlich legendäre 3:2 gegen Deutschland hervor: "Der Standard" warnte jedoch vor zu viel Nostalgie: "Ob die Party nicht nur richtig groß ist, sondern auch richtig geil, wird sich erst weisen. Das Reden von einem 3:2-Sieg, der fast 30 Jahre zurückliegt, und das Träumen von einer Cordoba-Neuauflage trägt vielleicht zur Geilheit bei."

Zufriedenheit in Gruppe A

In der Schweiz freute man sich über die attraktiven Gegner Tschechien, Portugal und die Türkei: "Keine ganz großen Namen also", urteilte der "Tages-Anzeiger", "sondern Mannschaften, die zwar unbequem, unberechenbar, aber nicht unbezwingbar sind." Und der "Blick" kündigt an: "Klar doch wird das ein Fest - das Ausland wird staunen. Man unterschätzt unseren Euphoriegrad. Bei der WM in Deutschland gehörten die Schweizer Fans zu den farbigsten und originellsten. Das Ausland wird staunen, wie unverzagt fröhlich wir Schweizer sind." Während für das portugiesische "Jornal de Notícias" feststeht: "In Genf wehen schon jetzt portugiesische Fahnen", ist die tschechische "Pravo" genügsam: "Gut, nicht in der Todesgruppe zu sein."

Déjà-vu in Gruppe D

Für Titelverteidiger Griechenland und Meistertrainer Otto Rehhagel wird die EM-Vorrunde zum Déjà-vu. Auch auf dem Weg zum Triumph 2004 waren Spanien und Russland Vorrundengegner. Statt Portugal ist diesmal Schweden der dritte Kontrahent. "Otto hat wieder im Lotto gewonnen. Wir stoßen auf keinen Riesen: Schweden, Russland und Spanien keine unlösbaren Aufgaben", schrieb die Zeitung "Eleftheros Typos". "Träumen ist nicht verboten", titelte "Athlitiki". Auch die Spanier zeigten sich zufrieden - zumindest mit der Vorrunde: "Für Spanien hat die Auslosung zwei Gesichter", prophezeite die Zeitung "Marca": "Die Rivalen in der Vorrunde sind zu packen, aber im Viertelfinale kommt ein harter Knochen aus der Todesgruppe." Davor warnt auch der schwedische "Expressen": "Bei der EM gibt es keine Luschen. Mal Österreich nicht mitgerechnet. Hier kann jeder jeden schlagen. Der Zufall wird am Ende den Ausschlag geben." Lediglich für den schwedischen "Dagens Nyheter" steht schon fest: "Am 29. Juni kann es in Wien ein Traumfinale Deutschland gegen Schweden geben. Schweden gewinnt das Elfmeterschießen."