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Europa

Jahrzehnt für die Integration der Roma

Acht Staaten Ost- und Mitteleuropas haben in Sofia die gesellschaftliche Eingliederung der Roma in den nächsten zehn Jahren vereinbart. Ziel ist die Schaffung besserer Lebensbedingungen für die diskriminierte Minderheit.

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Eine Gruppe Roma in der rumänischen Hauptstadt Bukarest

Eine entsprechende Erklärung unterzeichneten am Mittwoch (2.2.2005) die Vertreter des Gastgeberlandes Bulgarien sowie Ungarns, Tschechiens, Kroatiens, Mazedoniens, Rumäniens, Serbien-Montenegros und der Slowakei. In Mittel- und Osteuropa leben insgesamt etwa sechs Millionen Roma meist in bitterer Armut als gesellschaftliche Außenseiter. Anlässlich der Konferenz protestierten am Mittwoch etwa 2000 Roma in der Sofia gegen Armut und Ausgrenzung. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie "Wir wollen arbeiten, wir wollen keine Spenden" und "Ausbildung wird uns retten".

Die "Dekade der Roma-Integration" die zu Beginn der Konferenz in Sofia am Mittwoch verkündet wurde, geht auf eine Initiative der Open-Society-Stiftung des US-Milliardärs George Soros sowie der Weltbank zurück. Unterstützt wird das Vorhaben von acht europäischen Regierungen: Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Serbien-Montenegro und der Slowakei. Auch die Europäische Union beteiligt sich an der Initiative. Soros Stiftung "Offene Gesellschaft" will die Roma-Eingliederung mit 30 Millionen Dollar unterstützen. Weitere 43 Millionen Dollar wurden von Regierungen, internationalen und privaten Organisationen zugesagt.

"Grundprinzipien des Humanismus verletzt"

In der Eröffnungsrede in Sofia nannte der bulgarische Premier Simeon Sakskoburggotski als wichtigstes Ziel der Konferenz, die Lage der Roma zu verbessern und ihre vollständige gesellschaftliche Eingliederung zu erreichen. Allen Teilnehmern der Konferenz sei bewusst, dass die Grundprinzipien des Humanismus verletzt seien wenn große Bevölkerungsgruppen in ihrer Entwicklung hinter den anderen Gesellschaftsgruppen zurückblieben, erklärte der Premier.

Die meisten der sechs Millionen Roma in Ost- und Mitteleuropa leben in Ungarn, Bulgarien, der Slowakei und in Rumänien. Die Armut unter den Zigeunern - wie sie dort oft immer noch genannt werden - ist vier- bis zehnmal höher als unter der anderen Bevölkerung. Fast 40 Prozent der Roma in Bulgarien und Rumänien müssen mit etwa zwei Dollar am Tag auskommen. Und in der Slowakei finden rund 64 Prozent der dort lebenden Roma keinen Arbeitsplatz. Die Roma gehören zu den Verlieren der Modernisierung, da ein Arbeitsplatz heute eine gute Ausbildung verlangt, die Roma aber nur selten Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen haben. Die Lebenserwartung der Roma ist laut einer UN-Studie, die in Sofia vorgestellt wurde, zehn bis fünfzehn Jahre niedriger als die der übrigen Europäer.

Erstes koordiniertes Programm

Die Dekade der Roma-Integration von 2005 bis 2015 soll - wie es in der gemeinsamen Schlusserklärung der acht Staaten heißt - "die Diskriminierung aufheben und die Unterschiede zwischen Roma und anderen Mitgliedern der Gesellschaft aufheben". Sie verpflichten sich unter anderem, Antidiskriminierungsgesetze zu erlassen, die Integration in Schulen zu fördern und die Gesundheitssituation der Roma zu verbessern.

Die Initiative der acht Staaten ist das erste koordinierte Programm mit dem Ziel, die Probleme der Roma zu lösen und Europas größte Minderheit zu mehr Rechten zu verhelfen. Ob die Initiative erfolgreich ist, müssen die nächsten Jahre zeigen. Bereits vor einigen Tagen kritisierten 63 bulgarische Roma-Funktionäre die Konferenzvorbereitungen und riefen dazu auf, nicht als Objekt, sondern als Subjekt der Integration behandelt zu werden. Die Initiatoren der Protestveranstaltung übergaben dem bulgarischen Premier Simeon Sakskoburggotski eine Erklärung mit Vorschlägen zur Änderung des Regierungsprogramms "Von der Sozialhilfe zur Arbeitbeschaffung". Mit diesem Programm versucht die bulgarische Regierung bisher erfolglos, die Arbeitslosigkeit der Roma zu bekämpfen.

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