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Ostmitteleuropa

Jahrzehnt der Roma ausgerufen

- Regionale Konferenz in Budapest

Budapest, 7.7.2003, BUDAPESTER ZEITUNG, deutsch

Bis 2015 soll sich die Lage der Roma in Europa deutlich verbessern. Diese Losung gab die dreitägige internationale Konferenz "Roma in einem erweiterten Europa: Die Herausforderung der Zukunft" aus, die in Budapest abgehalten wurde. Prominentester Gast waren der Weltbank-Chef James Wolfensohn und der US-Milliardär George Soros, die sich am Rande der Konferenz auch mit Premier Péter Medgyessy und Oberbürgermeister Gábor Demszky trafen.

An der Konferenz nahmen neben Wolfensohn und Soros zahlreiche Regierungschefs Ostmitteleuropas teil. Neun Staaten verpflichteten sich dazu, die Roma zu fördern und ihre Diskriminierung im neuen Europa abzubauen. Sie schufen mit Hilfe der Weltbank eine Stiftung zur Weiterbildung der Roma. "Die Integration der Roma ist eine Aufgabe für mehrere Generationen, die sofort in Angriff genommen werden muss", sagte Medgyessy bei der Eröffnung der Konferenz im Hotel Intercontinental. Er zitierte einen Weltbank-Bericht: "Die Roma sind die größte und verletzbarste Minderheit des Kontinents".

Wie wichtig das Problem ist, zeigt die Tatsache, dass die mehr als acht Millionen Menschen zählende Volksgruppe, die überwiegend in Mittel- und Osteuropa lebt, überall die ärmste Bevölkerungsschicht bildet. Ihre Lebenserwartung liegt um sechs Jahre unter der anderer ethnischer Gruppen. Die Zahl arbeitsloser Roma ist seit der Wende sprunghaft angestiegen, ihr Anteil erreicht in manchen Ländern, wie in Ungarn, fünfzig Prozent. Auch ihr Gesundheitszustand - besonders jener der Frauen - verschlechterte sich drastisch. Ungarn bekam wegen seiner Roma-Politik zwar manches Lob von europäischer Seite, aber eine UN-Erhebung in mehreren Ländern stellte fest, dass auf die Frage, ob Kinder der Mehrheitsgesellschaft gern mit Roma-Kindern spielen, hier die wenigsten Ja-Antworten gegeben wurden.

Katalin Lévai, Ministerin für Chancengleichheit, betonte, dass die Integration der Roma nicht nur materielle Quellen, sondern Änderungen von Gesetzen und Einstellungen voraussetze. Sie schlug vor, das Jahrzehnt zwischen 2005 und 2015 zum Jahrzehnt der Roma zu erklären. Anna Diamantopoulou, EU-Kommissarin für Arbeits- und Sozialfragen, hob hervor, dass die Beitrittsländer die Antidiskriminierungsgesetze in ihre Rechtsordnung integrieren müssten.

Aber auch die Roma müssten sich ändern, meinte Anna Diamantopoulou. Wo ihre Traditionen gegen die Menschenrechte verstoßen, zum Beispiel bei der Zwangsehe für junge Mädchen oder beim vorzeitigen Herausnehmen der Kinder aus der Schule, um sie zum Broterwerb zu zwingen, müssten die Menschenrechte Vorrang haben. Der Präsident der Weltbank, James D. Wolfensohn, stellte fest, dass die Armut der Roma untragbar sei und auch die Entwicklung der EU gefährden könne. Die Weltbank wolle deswegen die jungen lernwilligen Roma fördern.

"Diese Konferenz hat endlich mehr getan, als nur statistische Daten aufzuzählen", würdigte James Wolfensohn in seiner Schlussrede. Anstatt Gesten sei konkrete Hilfe versprochen worden. Neben der neuen Roma-Bildungsstiftung der Weltbank wollen die Ministerpräsidenten von neun mittel- und osteuropäischen Ländern eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Premier Medgyessy gründen. Deren Ziel ist die Vorbereitung ihrer Länder auf die Integration der Roma. Die Arbeitsgruppe soll innerhalb eines Jahres mit Hilfe von Fachleuten entsprechende Programme ausarbeiten. (fp)

  • Datum 08.07.2003
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