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Jahrhundertkünstlerin Louise Bourgeois tot

Sie starb im Alter von 98 Jahren. Louise Bourgeois wurde in Frankreich im Umkreis der Surrealisten zur Künstlerin. Nach ihrem Umzug in die USA beschäftigte sie sich in ihren Werken immer wieder mit der Stellung der Frau.

Foto von Louise Bourgeois vor einem ihrer Kunstwerke (Foto: AP Photo/Guggenheim Museum, Raimon Ramis, File)

Jeder, der eine ihrer riesigen stählernen Spinnen gesehen hat, wird diese nicht vergessen. Sie waren nicht zu übersehen. Sie passten auch kaum in ein Museum. Nicht selten mussten Besucher erst einmal unter ihnen durchgehen - bevor sie die Museumspforten durchschritten. Der Mensch wurde dann selbst zum Insekt. Man fühlte sich plötzlich ganz klein, kam zum Nachdenken.

Die großen Spinnen symbolisieren Frauen und Mütter. Mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft hatte sich Louise Bourgeois Zeit ihres Lebens beschäftigt. Vielleicht war das überhaupt ihr Hauptantrieb: Kunst zu machen. Die 1911 in Paris geborene Bourgeoise ließ sich in den 1930er Jahren ausbilden, in französischen Schulen und Ateliers. Später dann lernte sie auch beim berühmten Maler Fernand Léger, bevor es zu einem radikalen Einschnitt in ihrem Leben kam: dem Umzug in die USA.

Spinnenskulptur auf blauer Wand, daneben Schrift der Künstlerin (Foto: AP Photo/Chris Gardner)

Immer wieder Spinnen: eine Skulptur der Künstlerin im Museum Baltimore

Auch in Deutschland präsent

Der Liebe wegen zog sie über den Atlantik, sie heiratete den amerikanischen Kunsthistoriker Robert Goldwater. In New York stellte sie regelmäßig aus, allein und mit anderen Künstlern zusammen. Die Malerei in der Tradition des Surrealismus trat dann in den Hintergrund, Louise Bourgeois beschäftigte sich mehr und mehr mit der Bildhauerei. Doch eine weltberühmte Künstlerin, als die man sie in den letzten zwei, drei Jahrzehnten kannte, war sie da noch nicht.

Erst zu Beginn der 1980er Jahre, als ihr das Museum of Modern Art als erster Frau überhaupt eine große Retrospektive widmete, folgte der Durchbruch. Fortan sollte sie in allen großen Museen der Welt vertreten sein, sie beteiligte sich zweimal an der documenta in Kassel, vertrat die USA bei der Biennale in Venedig, wo sie 1999 auch einen "Goldenen Löwen" erhielt. Auch in Deutschland war sie präsent. Große Ausstellungen in Hamburg, Berlin und Bielefeld machten sie hierzulande bekannt. Zuletzt zählte man sie stets zu den 10 wichtigsten Künstlern weltweit.

Kunstfigur von Pfeilen zerschossen (Foto: AP Photo/Chris Gardner)

Bourgeois-Skulptur "St. Sebastienne" in Baltimore

Auseinandersetzungen mit der Familie

Doch wichtiger als solche Zahlenspielereien dürften Louise Bourgeois die Kunstwerke gewesen sein, die sie schuf. Das schwierige Verhältnis zum Vater thematisierte sie 1974 in der Installation "The destruction of the Father": "eine mit Rotlicht angestrahlte Höhle, deren Inhalt, bestehend aus Halbkugeln, phallusähnlichen Gebilden und Knochenresten aus Latex, Gips, Holz und Stoff, die Überbleibesel einer kannibalischen Mahlzeit offenbarten."

Die ganz persönlichen Familienverhältnisse ihrer Kindheit, aber auch die ihres späteren eigenständigen Lebens, wurden zu ihrem Thema: "Meine Kindheit hat nie ihre magische Kraft, nie ihr geheimnisvolles Dunkel, nie ihre Dramatik verloren. Als Künstler geboren zu werden, ist nicht nur ein Privileg, sondern auch ein Fluch. Künstler kann man nicht werden, man kann die Gabe nur annehmen oder abweisen."

Besucher betrachtet Goldene Frauenfigur, hängend im Pariser Museum (Foto: AP Photo/Francois Mori)

"Arch of Hysteria" in einer Bourgeois-Ausstellung im Pariser Georges Pompidou Center

Nachdenken über die Stellung der Frau

Direkt nach dem Krieg hatte sie sich intensiv mit der Rolle der Frau beschäftigt. Ein nackter weiblicher Körper, dem ein Haus auf den Kopf gestülpt ist, wurde zu einem ihrer bekanntesten Werke. Die dreifache Mutter setzte sich immer wieder auseinander mit den Rollenmustern der (Ehe-)Frau innerhalb der modernen Gesellschaft.

Auch die in einer großen Ausstellung in Bielefeld gezeigten "Cells" gingen in diese Richtung: große metallische Käfige, in die der Zuschauer hineinschauen konnte. Käfige, die wie kleine Gefängnisse wirkten, auch wenn sie in ihnen ihr Elternhaus nachbildete. Fast wie Tierbehausungen wirkten die Käfige, sie stellten aber Fragen an die Menschen, an Männer wie Frauen. Als "radikal-feministische" Künstlerin hat man Louise Bourgeois oft bezeichnet. Das war sie zweifellos. Aber sie war auch eine Künstlerin, die abstrakte Werke schuf, die zu vielen Interpretationen einluden.

Louise Bourgeois 1946 in New York (Foto: www.bourgeoisstudio.com)

Die Künstler Louise Bourgeois im Jahre 1946 in New York

"Louises Kunst ist extrem persönlich und intim, und erst in den letzten Jahren ist es für die Kunst akzeptabel geworden, das Innenleben und die persönlichen Erfahrungen des Künstlers zum Ausdruck zu bringen", schrieb das Magazin der Süddeutschen Zeitung im Jahre 1993. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy würdigte das Werk der Louise Bourgeois dann auch als "einzigartig und lebendig", als das einer Künstlerin, die "in ihrer Bildhauerei ihre Gefühle sublimiert und eine höhere Wahrheit" erreicht habe.

Autor: Jochen Kürten (dpa)

Redaktion: Conny Paul

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