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Wissen & Umwelt

Jahresrückblick: 10 bedeutende Tage für unseren Planeten

2015 war ein außergewöhnliches Jahr für die Umwelt: Der Papst wird zum Klimakämpfer, ein Löwe zum Rockstar der sozialen Medien und in einem sterilen Pariser Vorort Klimageschichte geschrieben. Die wichtigsten Momente.

1. Der Papst wird zum Klimakämpfer

26.5.: Jeder Papst veröffentlicht Rundschreiben - sogenannte Enzykliken - die für die katholische Kirche als sehr wichtige und verbindliche Texte gelten. Papst Franziskus war jedoch das erste katholische Oberhaupt, das eine gesamte Enzyklika einzig allein der Umwelt widmete.

Papst Franziskus UN Vollversammlung in New York (Foto: Reuters).

Papst Franziskus bei der UN-Versammlung in New York

In dem Dokument "Laudato Si" diskutiert er auf 192 Seiten (rund 40.000 Wörter) Umweltverschmutzung, Klimawandel, Wassermangel und globale Ungleichheit. Doch damit nicht genug: Der Papst ruft auch bei der UN-Vollversammlung in New York zum Umweltschutz auf und wirbt beim Pariser Klimagipfel für ein starkes, internationales Klimaabkommen. Damit steht fest: Die Umweltbewegung hat nun religiöse Rückendeckung.

2. Bürger verklagen die Niederlande zu mehr Klimaschutz

24.6.: Kann man seine eigene Regierung zu mehr Klimaschutz verklagen? Ja, sehr wohl! Die Mitglieder von Urgenda, einer Umweltgruppe in den Niederlanden, haben es bewiesen. Sie gewannen ein Gerichtsverfahren gegen die eigene Regierung. Die drei Richter urteilten, dass die Pläne der Regierung, die Emissionen um nur 14 bis 17 Prozent zu senken, nicht ehrgeizig genug seien angesichts der Schwere der Bedrohung durch den Klimawandel. Durch den Erfolg hat Urgenda Nachahmer gefunden: Auch in Norwegen und Belgien haben sich inzwischen Gruppen zusammengeschlossen, um den Klimakampf vor Gericht weiterzuführen - auch gegen die eigenen Regierungen.

3. Ein toter Löwe wird zum Rockstar der sozialen Medien

01.07.: Es waren Katzenbilder der besonderen Art: Als der Löwe Cecil - eine der bekanntesten Raubkatzen Simbabwes - von einem amerikanischen Hobbyschütze auf Trophäenjagd getötet wurde, machte sich in den sozialen Medien ein Sturm der Entrüstung breit: 670.000 Tweets innerhalb von 24 Stunden wurden zu dem Thema abgesetzt. Der Zahnarzt und Hobbyschütze Walter Palmer hatte den Löwen erst aus einem Nationalpark herausgelockt, dann mit einem Pfeil angeschossen und erst Tage später getötet.

Cecil der Löwe (Foto: picture alliance).

Der wohl berühmteste Löwe Afrikas: Cecil

Auf Facebook, in Zeitungen und Nachrichtensendungen wurde der Fall heiß diskutiert. Am Ende war Cecils Tod damit nicht umsonst: Der Wilderei hat der Vorfall enorme Aufmerksamkeit eingebracht. Die Oxford Wildlife Conservation Unit bekam als Folge eine Million Dollar gespendet - Geld, das nun den Nachfahren von Cecil zugute kommt.

4. Dieselgate: Der Abgas-Skandal von VW

18.9.: Die US-Umweltbehörde EPA fand beim Überprüfen von VW-Autos eine Software, mit der der Motor so gesteuert wird, dass er während der Testläufen weniger Stickoxide ausstößt als im Alltag auf der Straße.

VW Logo als Täufelchen (Foto: Reuters).

Schadete sich selbst und der Umwelt: VW

Der Skandal ramponierte nicht nur das Image des weltgrößten Autohändlers, sondern er schadete noch dazu der Umwelt. Stickoxide gehören zu den Treibhausgasen; ihre Wirkung ist um vielfaches stärker als die von CO2.

5. UN-Staaten einigen sich auf nachhaltige Entwicklungsziele

25.9.: Eine Entwicklung, die die Wirtschaft fördert, aber die Umwelt nicht ruiniert - das ist eine Gratwanderung. Die UN-Mitgliedsstaaten wollen diese in den kommenden Jahren meistern und haben dazu in New York nachhaltige Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals) verabschiedet: 17 Ziele, die sich mit Themen wie Armut, Wasser, Energie und Klima beschäftigen. Was daran besonders ist? Zum einen die schiere Anzahl der Unterstützer: 193 Länder haben versprochen, diese Ziele bis 2030 zu erreichen. Zum anderen: Während die bisherigen Ziele, die "Millennium Development Goals", sich hauptsächlich auf Menschen alleine richteten, konzentrieren sich die SDGs auf die Verbindungen zwischen Mensch und Umwelt.

6. Brasilien versinkt in giftigem Schlamm

5.11.: Es war die schlimmste Umweltkatastrophe, die Brasilien jemals getroffen hat: An einer Eisenerzmine brach ein Staudamm. Die dadurch entstehende Flutwelle tötete Dutzende Menschen, hinterließ Hunderte wohnungslos und schnitt für eine Viertelmillion Menschen den Zugang zu Trinkwasser ab.

Dammbruch in Brasilien (Foto:Reuters).

Giftiger Schlamm überschwemmt Ortschaften am brasilianischen Rio Doce

Entlang der 800 Kilometer vom Staudamm zum Meer wurde Wasser durch giftigen, arsenhaltigen Schlamm verseucht, das Ökosystem für Jahre - wenn nicht Jahrzehnte - zerstört. Am 18.12. beschloss ein Gericht, das Kapital der verantwortlichen Betreiberfirmen BHP Billiton und Vale SA einzufrieren, bis sie in der Lage sind, den entstandenen Schaden zu bezahlen.

7. Obama stoppt die umstrittene Keystone XL-Ölleitung

6.11.: Nach Jahren des politischen Kampfes hat US-Präsident Barack Obama den Bau der umstrittenen Ölleitung Keystone XL zwischen Kanada und den USA gestoppt. Sie hätte 800.000 Liter Öl am Tag transportiert. Indigene Gruppen kritisierten, dass das Öl aus Ölsand stammen würde, was besonders umweltschädlich ist. Außerdem hätte die Leitung durch empfindliche Naturgebiete geführt. Dass Obama den Bau letztendlich verbot, ist ein historischer Sieg für Umweltschützer und eingeborene Völker.

8. Divestment: Keine Kohle mehr für Kohle

6.11.: Divestment klingt nicht sexy - ist aber effektiv: Denn die Bewegung hat Schwung in den Ausstieg aus den fossilen Energie gebracht. Wie das ging? Durch öffentlichen Druck werden Universitäten, Banken und Gemeinden dazu gebracht, sämtliche Gelder und Investitionen aus Anlagen der fossilen Industrie abzuziehen. Im November beschloss Münster als erste Stadt Deutschlands einen Katalog an Ausschlusskriterien für die Anlage öffentlicher Gelder. Der Versicherungskonzern Allianz verkündete ebenso, kein Geld mehr in Kohleunternehmen zu stecken. Bislang hatte er alleine vier Milliarden Euro investiert. Das Abziehen der Gelder ist gleichzeitig ein Signal: Die fossile Ära nähert sich dem Ende.

9. Der erste weltweite Klimavertrag wird verabschiedet

12.12.: In einer Konferenzhalle in einem sterilen Pariser Vorort wurde Klimageschichte geschrieben. Nach Jahren der diplomatischen Bemühungen und zwei Wochen zähen Verhandlungen wurde das Paris-Abkommen verabschiedet. Die Übersetzerin war den Tränen nahe, im Verhandlungssaal lagen sich die Delegierten in den Armen: Es ist der erste Klimavertrag, der weltweit alle Staaten einbindet: Jeder - sowohl Entwicklungsländer als auch Industrienationen - verpflichten sich, dabei mitzuhelfen, den Klimawandel zu bekämpfen. Das Ziel: unterhalb von zwei Grad - wenn möglich sogar 1,5 Grad - Erderwärmung zu bleiben. Die Verabschiedung dieses Abkommens selbst rettet den Planeten zwar nicht, sie ist aber ein Wegweiser für die kommenden Jahre.

Gletscher (Foto: picture alliance).

Gletscher schmolzen 2015 so rasant wie nie zuvor

10. Das Jahr 2015 - traurige Rekorde

Nicht nur einzelne Tage haben in 2015 die Umwelt verändert, sondern jeder Tag an sich - und da nicht unbedingt auf positive Weise. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erreichte Rekordwerte, Gletscher schmolzen so schnell wie nie zuvor, und das Jahr an sich war das wärmste, das jemals gemessen wurde. Auch in 2016 bleibt daher viel zu tun.

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