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Kultur

Jagd auf den Pinguin

Linux hat sich zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten von Microsofts Windows entwickelt. Ein verworrener Rechtsstreit könnte den Höhenflug des frei verfügbaren Betriebssystems nun abrupt beenden.

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Um die Linux-Software wird gerichtlich gestritten

Bislang galt Microsoft als Intimfeind der weltweiten Linux-Gemeinschaft. Seit einigen Wochen richtet sich ihre Aufmerksamkeit dagegen auf die kleine Softwareschmiede Santa Cruz Operation (SCO). Das US-Unternehmen hat sich zwar selbst jahrelang unter dem Namen Caldera an der Linux-Entwicklung beteiligt und mit anderen Linux-Entwicklern in der United-Linux-Initiative kooperiert. Doch damit ist es nun vorbei. Aufgrund des starken Engagements von IBM für Linux, dessen Symbol ein Pinguin ist, fühlt sich SCO offenbar so stark bedrängt, dass es nun gerichtlich gegen die Konkurrenz vorgeht.

Es geht um Milliarden

Die Linux-Entwickler von IBM hätten, so lautet der Vorwurf, Programmcodes des kommerziellen Unix-Betriebssystems von SCO in das kostenlose Linux eingebaut. Für den angeblichen Diebstahl des geistigen Eigentums klagt SCO seit März 2003 auf einen Schadenersatz von einer Milliarde US-Dollar. Mittlerweile ist von drei Milliarden US-Dollar die Rede, die notfalls vor Gericht erstritten werden sollen.

Über die Hintergründe der SCO-Klage wird derzeit kräftig spekuliert. Wegen des sinkenden Absatzes seiner kommerziellen Unix-Produkte war SCO in den vergangenen Jahren in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Im Geschäftsbericht für 2002 meldete der Konzern, der im Sommer 2000 vom Linux-Distributor Caldera aufgekauft worden war, einen Nettoverlust von mehr als 720.000 US-Dollar. Die Klage könnte der Versuch sein, mit dem Schadenersatz das Unternehmen zu sanieren oder die eigene Übernahme durch IBM zu erzwingen. Zwar stieg der Kurs der SCO-Aktie nach Bekanntwerden der Klage deutlich an. Doch der derzeitige Börsenwert des Unternehmens beträgt mit 134 Millionen US-Dollar nur ein Bruchteil des Streitwerts.

Drohbrief an die Linux-Branche

IBM zeigt sich bislang von den SCO-Aktivitäten unbeeindruckt und ließ ein erstes Ultimatum verstreichen. SCO-Chef Darl McBride erhöhte dagegen den Druck und hat nun rund 1500 große Unternehmen schriftlich gewarnt, der Einsatz von Linux könne Urheberrechte von SCO verletzen. US-Medien berichten zudem von Plänen, SCO wolle wenigstens noch ein weiteres großes Unternehmen wie beispielsweise die deutschen Linux-Distributor SuSE oder Red Hat verklagen. Schadenersatzansprüche gegen die beiden Unternehmen könnten sich ergeben, wenn sich - wie von SCO behauptet - in den ausgelieferten Linux-Paketen tatsächlich geschützter Code befindet.

Erst vor wenigen Tagen hat sich SCO, das mittlerweile aus dem Linux-Verband ausgeschlossen wurde, näher zum Umfang des vermeintlichen Codediebstahls geäußert. In einem Interview mit dem Online-Dienst "News.com" sagte McBride, Linux enthalte Programmteile, die "Zeile für Zeile" aus dem Unix-System von SCO kopiert worden seien. Zur Zeit arbeiteten drei Teams daran, dies genau zu dokumentieren. Konkrete Programmzeilen in Linux, die von SCO stammen, wollte McBride allerdings nicht nennen. Die Lage bleibt vorerst undurchsichtig.

Rückschlag für Linux?

Der Ausgang der juristischen Schlacht ist auch für Experten kaum abzuschätzen. In der Linux-Gemeinschaft macht sich darum auch erste Unsicherheit breit. "Verringern Sie den Einsatz von Linux in unternehmenskritischen Systemen, bis die Ansprüche von SCO geklärt sind", warnt daher Computerexperte George Weiss. Sollte SCO mit der Klage tatsächlich erfolgreich sein, wäre das für Linux ein herber Rückschlag. Die Schadenersatzforderungen gegen die Unternehmen könnten sich schnell auf eine hohe zweistellige Milliardensumme addieren. Die Linux-Euphorie erhielte einen deutlichen Dämpfer.

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