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Politik

Jacques Chirac und seine Liebe zur Höhenluft

Von ganz unten arbeitete er sich bis zum Präsidenten Frankreichs hoch. Und die Höhenluft gefällt ihm zu gut, um schon zu gehen.

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Jacques Chirac tritt im zweiten Wahlgang gegen den Überraschungs-Kandidaten Le Pen an

Ein Leben im Dienst der Politik

Seit 45 Jahren bewegt sich Chirac auf dem Parkett der Politik und die Liste seiner Ämter ist lang: Von der Lokalpolitik diente er sich hoch, wurde mehrfach Minister und zweimal Premierminister. Nicht nur einmal konnte er die Pariser davon überzeugen, ihn zum Bürgermeister ihrer Stadt zu wählen. 18 Jahre lang war er ihr Patron. Rückendeckung auf seinem Weg nach oben bekam er von der neogaullistischen Partei Rassemblement pour la République (RPR), die er selbst 1976 gründete. 1995 war es dann soweit: Chirac schaffte den Sprung in das Präsidentenamt.

Eigentor im Mächtespiel

Zwei Jahre nach seiner Wahl zum Präsidenten ließ Chirac das Parlament vorzeitig auflösen, weil es dreiwöchige Streiks gegen die Politik des damaligen Premierministers Juppé gegeben hatte. Doch es kam anders als geplant. Die Sozialisten gewannen bei der Neuwahl die Mehrheit und Lionel Jospin erklomm den Stuhl des Ministerpräsidenten. Von da an musste der konservative Chirac mit dem sozialistischen Ministerpräsidenten Jospin zusammenarbeiten. Vielleicht liegt es ja an dieser langjährigen Zusammenarbeit, dass sich die Wahlkampfthemen der beiden so wenig voneinander unterschieden haben.

Geheime Taschen Chiracs

Innere Sicherheit steht in diesem Wahlkampf im Mittelpunkt. Kein noch so kleines Vergehen solle ungestraft bleiben, fordert Chirac. Ein heikles Thema für den Präsidenten, schließlich beschäftigen sich seit Jahren immer wieder Untersuchungsrichter mit Korruptionsvorwürfen gegen ihn.

Wahrscheinlich vertritt er diese harte Position jedoch nur in dem Fall, dass er auch noch in den nächsten Jahren Präsident bleiben darf. Denn bislang konnte sich Chirac immer hinter dem Stuhl des Präsidenten verkriechen, wenn die Schnüffler zu nahe kamen. Mit der Amtsimmunität wäre aber Schluss, sollte Chirac nicht noch einmal wiedergewählt werden.

Hinter den Kulissen: "Three for One"

Kein Wunder also, das die Familie für "ihren" Präsidenten kämpft. Denn wer sich für Chirac entscheidet, bekommt gleich noch zwei einflussreiche Frauen dazu: Ehefrau Bernadette und Tochter Claude.

Bei Chiracs zu Hause geht es eher steif zu. Chirac, der sich gerne volksnah gibt und das Bad in der Menge liebt, achtet im Umgang mit seiner Frau auf strenge Förmlichkeiten. Bernadette lernte er bereits an der Hochschule kennen, trotzdem siezen sich die beiden bis heute. Ob "Sie" oder "Du", für ihre Ratschläge hat er immer ein offenes Ohr.

In sein anderes Ohr flüstert die jüngste Tochter Claude. Die 39-jährige Claude bestimmt, wie im Elysee kommuniziert wird. Sie berät ihren Vater von der passenden Krawatte bis zum richtigen Ton und lässt ihn nie aus den Augen.

Das große Los der Bernadette

Während sich die Tochter um den richtigen Auftritt Chiracs kümmert, schafft Ehefrau Bernadette durch eigenes öffentliches Auftreten Sympathien im Volk. Das war nicht immer so. Tochter Claude sorgte zeitweise sogar dafür, dass ihre Mutter aus Imagegründen nicht in der Öffentlichkeit präsent wurde. Inzwischen wurde die Mutter aber zurück ins Wahlkampfboot geholt. In Frankreich sammelt sie seit über zehn Jahren jedes Jahr unter dem Slogan "piece jaunes" Münzen für Kinder in Krankenhäusern.

Trotz interner Streitigkeiten zwischen Mutter und Tochter ist Chirac überzeugt, das seine Frau mit ihm das große Los gezogen hat. So erzählt Bernadette in ihrem neuesten Buch, dass ihr Mann jeden Morgen zu ihr sagt: "Bernadette, Sie können sich glücklich schätzen, mich geheiratet zu haben". Die Franzosen müssen sich am 5. Mai ebenfalls überlegen, ob sie mit Chirac oder mit Le Pen glücklich sind.

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