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Kultur

Ja zur "Pille danach"

Die katholischen deutschen Bischöfe haben sich bei ihrem Frühjahrstreffen die Frage nach der Zukunft ihrer Kirche gestellt. Die Billigung der "Pille danach" ist eine Weichenstellung; die Skandale sollen begrenzt werden.

Der Kurswechsel ist nun auch ganz offiziell: Die katholischen deutschen Bischöfe stimmen der Anwendung der "Pille danach" für vergewaltigte Frauen zu. Dabei dürften allerdings nur Präparate mit verhütender, nicht mit abtreibender Wirkung zum Einsatz kommen. Die gemeinsame Neuausrichtung ist eines der Ergebnisse der am Donnerstag (21.02.2013) in Trier zu Ende gegangenen Frühjahrskonferenz der Bischofskonferenz. Überschattet wurden die Beratungen jedoch von den Folgen des anstehenden Rücktritts von Papst Benedikt XVI., auch von Spekulationen und Wünschen.

Person zeigt die Pille danach unofem von Hexal (Foto: picture-alliance/dpa)

Die Bischöfe billigen die Verhütungspille nach einer Vergewaltigung

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch (Artikelbild rechts), sprach zum Ende des viertägigen Treffens das aus, was viele seiner Mitbrüder wohl bewegt. Er könne sich "sehr gut einen Papst aus einem anderen Kontinent vorstellen. Dieser Schritt steht irgendwann an, jetzt oder beim nächsten Konklave". Schließlich wachse die katholische Kirche vor allem in der Zweiten und Dritten Welt. Ähnlich wie der Freiburger Erzbischof  Zollitsch äußerten sich einige Bischöfe während der vergangenen Tage. Aus der Erwartung spricht gewiss auch die Hoffnung darauf, dass bei einem Nichteuropäer auf dem Stuhle Petri die ein oder andere - sehr moderate - Neuerung in der katholischen Kirche möglich wäre.

Eine kirchliche Weihe für Frauen?

Ein ganz konkretes Thema sprachen im Kreise der Bischöfe zwei der Kardinäle an, die in einigen Tagen als Papstwähler in die Sixtinische Kapelle einziehen und denen im Konklave wohl durchaus Einfluss zukommt. Dabei geht es um eine Einbindung von Frauen; schließlich kommen aus vielen Bistümern deutliche Berichte über einen weiteren Auszug von Frauen aus der katholischen Kirche. Kardinal Karl Lehmann, Vorgänger Zollitschs an der Spitze der Bischofskonferenz, sprach am Rande der Vollversammlung von einem "überzeugenden Berufsbild" für Frauen, das dann wirklich auch eine "sakramentale Weihe" brauche.

Frauen zünden Kerzen an während in einer Kirche (Foto: Imago/Ulmer)

Mehr Mitsprache der Frauen in der Kirche

Weit deutlicher wurde Kurienkardinal Walter Kasper (79), der als Gast an die Mosel gekommen war. Er schlug vor, ein eigenes Amt von Diakoninnen einzurichten und damit an eine Tradition der Kirche der ersten Jahrhunderte anzuknüpfen. Dieses Amt solle keine Kopie der männlichen Diakone sein, sondern eigenständig ausgestaltet werden. Kasper sprach von einem ganz "eigenen Profil". Und zugleich regte er an, die katholische Kirche möge Frauen bis in höchste kirchliche Entscheidungsgremien einbeziehen und damit gleichfalls frühe kirchliche Traditionen wieder aufnehmen. Beide Anregungen zeigen, wie sehr in den Tagen nach der Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. in Kreisen der Bischöfe lange Zeit Verschwiegenes wieder laut gedacht wird. Bis zu einer Umsetzung wird indes noch sehr viel Wasser die Mosel und vor allem den Tiber hinab fließen.

Notwendige Aufklärung der Missbrauchsfälle

Anfang des Jahres hatte ein heftiger Streit um die kirchliche Aufarbeitung der sexuellen Gewalt in kirchlichen Einrichtungen Deutschland bewegt. Da stellte die Bischofskonferenz ihre erst 2011 begonnene Zusammenarbeit mit dem ausgesprochen populären Kriminologen Christian Pfeiffer ein, der Täter-Strukturen genauer klären wollte. Nun bekräftigten die Bischöfe ihre Absicht, diese notwendige Aufklärung unverändert leisten zu wollen - allerdings mit einem anderen wissenschaftlichen Partner. Sie hofften, bis April "ihre Hausaufgaben" zu erledigen, sagte der Sekretär der Konferenz, Pater Hans Langendörfer (im Artikelbild links). Erzbischof Zollitsch sprach aber auch Politik und andere gesellschaftliche Gruppen an, die bei der Aufarbeitung noch nicht so weit seien wie die katholische Kirche und in dieser Woche in Berlin wieder stritten. Den Verbänden der Missbrauchsopfer sind die Ankündigungen der Bischöfe aus Trier jedenfalls zu wenig.

Eine harte Nuss

So blieb die Positionierung zur "Pille danach" eben eines der konkreten Ergebnisse der Vollversammlung. Der ausgesprochen konservative Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte für sein Erzbistum schon vor Wochen "Ja" zur verhütenden "Pille danach" gesagt und damit auf einen Skandal reagiert. In der Domstadt hatten zwei katholische Krankenhäuser einem Vergewaltigungsopfer ärztliche Hilfe verweigert. Offensichtlich fürchteten Ärzte, der Frau eine "Pille danach" zur Verhinderung einer möglichen Schwangerschaft verschreiben zu müssen. Nun folgten die Bischöfe einmütig dem Kölner Kurswechsel. Und noch während der Vollversammlung riefen strikte Abtreibungsgegner unter der Parole "Mit brennender Sorge" zu Protesten und Protestbriefen auf. Aber die Bischöfe bewegen sich in einer lange Zeit betonierten Frage der Sexualmoral ein wenig. Manchmal ist eine Pille auch eine harte Nuss.

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