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Bildung

Ja-Wort in Hörsaal B 305

Viele Paare haben sich im Studium kennen gelernt: Warum also nicht gleich im Hörsaal heiraten? An der Uni Hannover ist das jetzt möglich. Sie ist die erste deutsche Hochschule, die ihren Ehemaligen dieses Angebot macht.

Hochzeit im Hörsaal (Foto: Prisca Freitag)

Hochzeit im Hörsaal: Ralf und Bente von der Heide haben sich getraut.

"Es hat riesigen Spaß gemacht", schwärmt Bente von der Heide. Der Braut gefällt vor allem, dass in Hörsaal B 305 der Leibniz-Universität Hannover so viel Platz ist. Alle 60 Verwandte und Freunde konnten die feierliche Zeremonie von den schlichten Holzbänken aus verfolgen. "Es ist ganz anders als im Standesamt", meint der frische gebackene Ehemann, Ralf von der Heide.

Die beiden sind die Ersten in Deutschland, die in einem Unihörsaal geheiratet haben. Dazu gekommen sind sie durch Zufall. "Wir haben uns auf dem Standesamt erkundigt, wo wir heiraten können", erzählen die Eheleute. Neu im Angebot hatten die Standesbeamten den Hörsaal.

Ein Gefühl wie zu Studienzeiten

Das Ambiente ist rustikal: Neonlicht, grau-blaues PVC, 165 schwarze Klappsitze in Reihen. Die weißen Wände sind vereinzelt mit Fußabdrücken von Studierenden verziert. Von der hohen Decke hängt ein Videobeamer, neben der Tür eine überdimensionale Uhr. Die große grüne Tafel ist vollgeschrieben mit mathematischen Formeln. Monika Wegener vom Alumni-Büro der Uni Hannover hat noch schnell ein Gesteck aus roten Rosen auf den Tisch vor der Tafel gestellt - fertig ist das Trauzimmer. "Es soll ein Hörsaal sein, der soll auch ein Hörsaalambiente haben", sagt Wegener. Bei der Hochzeit solle es sich anfühlen wie zu Studienzeiten.

Das Studium ist irgendwann vorbei - die Studienzeit bleibt

Trauung im Hörsaal (Foto: Prisca Freitag)

Das Trauzimmer: Schlichtes Ambiente, aber viel Platz

"Die Hochzeit im Hörsaal passt zu unserer Geschichte", sagt Ralf von der Heide schmunzelnd. Die Eheleute sind Sprachtherapeuten. Sie hat in Potsdam studiert, er in Hannover. Kennen gelernt haben sie sich nach ihrem Studium bei einer Tagung ihres Berufsverbandes. Ralf von der Heide hat über den Verband auch noch Verbindungen zu seinem alten Uni-Institut in Hannover. So wie er halten viele Ehemalige Kontakt zu ihrer Alma Mater.

"Das Studium ist irgendwann vorbei, aber die Studienzeit bleibt", sagt Ehemaligen-Betreuerin Monika Wegener. Und so bieten die Universitäten vieles, um die Alumni bei der Stange zu halten. In Hannover umfasst das Netzwerk rund 2000 Mitglieder. Wer sich anmeldet, bekommt zweimal im Jahr eine Zeitschrift. Da die Ehemaligen verstreut in aller Welt leben, gründet das hannoversche Alumnibüro gerade Regionalgruppen. So können sich beispielsweise Ehemalige bei Stammtischen treffen – ob in Australien, den USA oder in Frankreich.

Im Angebot: Gerhard Schröder und Ulrich Wickert

Auch andere Hochschulen kümmern sich intensiv. Die Universität Bonn wirbt mit bekannten Gesichtern für ihr Ehemaligen-Netzwerk. So hat bereits Fernsehjournalist Ulrich Wickert - selbst Alumnus der Bonner Hochschule - das alljährliche Sommerfest moderiert. Die Universität Göttingen bietet ihren Ehemaligen bei den regelmäßigen Treffen schon mal Gerhard Schröder. Der Bundeskanzler a.D. hat in der südniedersächsischen Stadt Rechtswissenschaften studiert.

Im angelsächsischen Raum sind Angebote, die mehr auf Emotionalität abzielen, schon sehr viel verbreiteter. Danach will sich die Uni Hannover künftig stärker ausrichten. Die Nachfrage ist da. Für die "Hochzeit im Hörsaal" gibt es schon weitere Anfragen. Geheiratet werden kann dort aber nur in den Semesterferien. Denn sonst büffeln natürlich dort die Studierenden.

Autor: Lukas Sander
Redaktion: Svenja Üing