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Evolution

"Ja, du Feiner": Warum nur sprechen wir mit Hunden wie mit Babys?

Die Babysprache, die manchmal aus uns herausbricht, ist ein Phänomen. Aber: Sie scheint tatsächlichlich Wirkung zu haben - ob beim Baby oder Hund. Mehr oder weniger jedenfalls. Das haben US-Forscher nun herausgefunden.

Dabei haben wir uns doch alle schon einmal erwischt, oder? Spätestens wenn wir alleine mit dem Spross sind, überkommt es uns. Wir verlieren plötzlich unser Sprachvermögen. Obwohl - verlieren ist vielleicht das falsche Wort. Sagen wir: Wir drücken uns anders aus. "Dudududu", "ohh dutschiidu", "Du Süßer, hatataa" - so in etwa.

Nur Bahnhof verstanden? Macht nix! Denn unser quietschendes Baby weiß schon, was Sache ist. Dass unsere Mitmenschen weniger damit anfangen können, tut nichts zur Sache.

Aber es sind nicht nur Babys, denen wir dieses Gefasel antun. Auch Hunde sind ein beliebtes Opfer unserer Babysprache. Warum, das haben Wissenschaftler nun herausgefunden und in den "Proceedings B" der britischen Royal Society veröffentlicht.

Golden Retriever - Welpe (picture-alliance/Bildagentur-online/Tetra Images)

Na, gerade schon vor Verzückung gequietscht? Übrigens: Der Anblick solcher süßer Tierbabys (Bilder genügen) kann sowohl die Konzentration als auch die Produktivität fördern.

Die Forscher vermuten, dass die Benutzung der Babysprache weniger eine Reaktion auf ein niedliches Welpen- oder Babygesicht ist. Vielmehr werde sie zur Verständigung mit dem Gegenüber genutzt, das nicht sprechen kann oder Sprache nur sehr schlecht versteht.

Hundebilder als Ansprechpartner

Das Team um Tobey Ben-Aderet von der City University in New York hatte 30 Frauen Bilder von Welpen, ausgewachsenen und alten Hunden gezeigt und sie gebeten, sich mit einem typischen Satz an die virtuellen Gefährten zu wenden. Zum Beispiel "Hallo, Süßer, komm her, guter Junge, so ist's fein." 

Die Forscher zeichneten das Gesagte auf, um die Sprachmerkmale später zu analysieren. Dabei seien noch keine echten Hunde zum Einsatz gekommen, da die Interaktion mit den Versuchspersonen die Analyse der Sprachmerkmale erschwert hätte, so die Forscher.

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Im zweiten Teil des Versuchs wurden die Aufnahmen dann Hunden unterschiedlichen Alters vorgespielt.

Welpen mögen Babysprache

Es zeigte sich, dass die Versuchspersonen Hunde aller Altersstufen so anredeten wie klassischerweise Babys. Bei Welpen war die Stimmlage allerdings noch ein Tick höher.

Und es waren später auch vor allem die Welpen, die auf das kindgerechte Gesäusel aufmerksam reagierten. Sie sprangen schneller auf die Lautsprecher an, näherten sich ihnen schneller und widmeten ihnen länger ihre Aufmerksamkeit als die älteren Hunde. Diese fanden sich durch die Babysprache weniger angesprochen.

Die Forscher schreiben, dass die älteren Hunde im Laufe ihres Lebens gelernt haben, menschliche Laute - die nicht direkt von ihrem Frauchen oder Herrchen kommen - weitestgehend zu ignorieren. 

Warum tun wir das?

Aber was um alles in der Welt veranlasst uns nun, unseren besten Freund mit Babygeschwafel bei Laune zu halten? Dies sei ein genereller Impuls, wenn es darum geht, sich mit Tieren zu verständigen. Diese würden mehr auf Intonation und Rhythmus des Gesprochenen und weniger auf den Inhalt reagieren, so die Vermutung der New Yorker Wissenschaftler.

Ein Welpengesicht verstärke diesen Impuls getreu des Kindchen-Schemas nur noch mehr. Und so löst der Anblick eines niedlichen Golden Retrievers mit seinen babyhaften Proportionen und Gesichtszügen in uns ein Schutz- und Versorgungsverhalten aus. 

hf/cb (dpa)

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