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Made in Germany

Jürgen Pfister

Raus aus Nadelstreifen und grauem Flanell – rein in den Blaumann. Made in Germany schickt Deutschlands Topökonomen ins Arbeitsleben.

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Bei uns dürfen die Experten ihre Analysen und Prognosen einmal an der Wirklichkeit überprüfen. Das Who is Who der Volkswirtschaft macht mit. Und Sie dürfen abstimmen. Wer ist Deutschlands Volkswirt des Jahres?

Folge 7: Jürgen Pfister im Patentamt

Innovationen, Ideen, Kreativität – Jürgen Pfister, Chefvolkswirt der Bayerischen Landesbank, ist überzeugt: Nur so kann Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen. Ohne große Rohstoffvorkommen, ohne billige Arbeitskräfte bleibt uns nur unser Ideenreichtum. Hier ist noch viel zu tun, findet er, zufrieden zurücklehnen können wir uns nicht: Denn die Deutschen melden zwar mehr Patente an als alle anderen Europäer - 48 367 im letzten Jahr, um genau zu sein - aber bei der Umsetzung in konkrete Anwendungen und Produkte hapert es. Das Nadelöhr, durch das alle Ideen müssen, ist das Deutsche Patent- und Markenamt in München. In der Dokumentenannahmestelle kämpft Jürgen Pfister mit den Massen von Erfindungen, die hier jeden Tag frisch ankommen. Als Bürobote transportiert er die Ideen von der Patentgeschäftsstelle, wo die Formalitäten geprüft werden, zum Patentprüfer, der sich mit dem Inhalt beschäftigt - die ersten Stationen auf einem Weg, der insgesamt 18 Monate dauert. Das, berichtet Kristina Block, ist quälend langsam für einen, der weiß, dass die chinesische Konkurrenz uns dicht auf den Fersen ist.

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Hier geht's ums große Geld, hier zählt jede Sekunde. Der Handelsraum der Bayerischen Landesbank. Jürgen Pfister und seine Volkswirte beobachten jedes Zucken der deutschen Wirtschaft.

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Doch jetzt raus der Welt von Realzins und Rendite. Pfister hat heute einen Spezialauftrag: Deutschlands Innovationen beschleunigen. Denn da, sagt er, sind andere heute schneller. Um im globalen Wettbewerb nicht auf der Strecke zu bleiben, braucht das Land Ideen. Und zwar zügig. "Wir sehen ja bereits, dass viele Länder, nehmen Sie China und Indien als Paradebeispiel, sehr stark aufholen, sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungsbereich. Nehmen Sie die Softwareentwicklung in Indien. Und wenn hier unseren Vorsprung verteidigen wollen - wir produzieren ja mit wesentlich höheren Kosten - dann müssen wir immer neue Ideen haben, an der vordersten Front des Wissens stehen."

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Pfister will mehr Tempo? Mehr Innovation? Na, dann soll er mal selbst mitanpacken! Sein neuer Arbeitsplatz: das Deutsche Patentamt. Alles, was in Deutschland erfunden wird, muss hier durch. Zweihundert Patentanmeldungen gehen hier jeden Tag ein. Neunzehn Mitarbeiter bearbeiten sie. Heute sind sie einer mehr. Erste Regel: Im Amt geht's etwas legerer zu als in der Bank. "Soll ich jetzt die Krawatte ablegen, ich glaub's nicht"

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Erster Auftrag: eine Akte anlegen! Denn bevor eine Idee zum Patent wird, muss sie registriert werden, geprüft, abgezeichnet und eingeordnet. Natürlich in dreifacher Ausführung. Der neue Mitarbeiter lernt schnell. Andere brauchen zwei bis drei Monate, bis sie alles beherrschen. Ein bisschen lange, findet Pfister, er hätte sich zwei Tage gegeben. Aber schließlich hat er nach dem Abi ja auch mal im Kieler Finanzamt gejobbt. Da ist einem die Arbeit im Amt nicht ganz so fremd.

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Dann müssen die frisch angelegten Akten im Haus verteilt werden. Pfister gibt Gas - vielleicht lässt sich ja so der Innovationsprozess ein bisschen vorantreiben. Siebenhundert Beamte untersuchen, ob eine Idee wirklich ein Patent wert ist. Eineinhalb Jahre kann das dauern. Ganz schön lang, findet der Volkswirt. Sein Vorschlag: mehr Computer müssen her.

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Das Amt hat seine eigene Geschwindigkeit. Und, so erfährt Pfister, die Beamten haben schon so ihre Gründe, warum das Tempo so ist, wie es eben ist. An einem Tag allein kann man da nicht viel ausrichten. Vielleicht sollten wir ihn noch einmal vorbeischicken - dann im Langzeitversuch. Denn jetzt ist der Arbeitstag zu Ende. Aber erst einmal geht's zurück in die Bank. Und hat es Pfister dann wirklich eilig....

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Und so hat Jürgen Pfister selbst seinen Auftritt im Patentamt erlebt:

DW-TV: Was haben Sie als Erstes gedacht, als Sie erfahren haben, dass die Deutsche Welle Sie ins Volk schicken möchte?
Jürgen Pfister: Tolle Idee! (wird hoffentlich nicht allzu wörtlich genommen).

DW-TV: Was hat Sie an dem Ausflug ins Volk gereizt?
Jürgen Pfister: Eigene Vorstellungen, Ideen, Vorurteile(?) testen.

DW-TV: Mit welchen Erwartungen sind Sie gegangen?
Jürgen Pfister: Gespannt und neugierig.

DW-TV: Wie hat Ihnen die Begegnung mit dem Volk gefallen?
Jürgen Pfister: Sehr gut; das eigentliche Gespräch wurde ja mit dem Referenten geführt, der dem "Volk" genauso nah oder fern ist wie ich; insoweit unterschied sich mein Ausflug deutlich von dem mancher Kollegen.

DW-TV: Hat Sie etwas überrascht, vielleicht auch an sich selbst?
Jürgen Pfister: Es wurde sehr deutlich und spürbar, dass wir uns zum größten Teil unserer Zeit (und schon seit vielen Jahren) in einem eigenen Milieu, der Finanzmarkt/Bankenszene bewegen, die sicher für den Außenstehenden ihre Eigentümlichkeiten hat.

DW-TV: Was war die größte Herausforderung für Sie vor Ort?
Jürgen Pfister: Den Wünschen der Fernsehprofis gerecht zu werden.

DW-TV: Welche Erfahrungen haben Sie mitgenommen?
Jürgen Pfister: Öfter mal rauskommen; (noch) mehr Interesse am Thema Innovation.

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