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Fußball

Jürgen Klinsmann ist 50

Jürgen Klinsmann gibt immer Vollgas. Der ehemalige Stürmerstar ist mittlerweile Nationalcoach der USA und will dort auch nicht mehr weg. Doch seinen 50. Geburtstag feiert der Bäckersohn bescheiden.

Ein besonderes Datum war dieser 30. Juli für Jürgen Klinsmann nicht. Deswegen machte der frühere Bundestrainer um seinen 50. Geburtstag am Mittwoch auch kein großes Aufheben. Eine kleine Feier im engsten Familien- und Freundeskreis in seinem kalifornischen Domizil Huntington Beach - das war's dann auch schon. Er hat Wichtigeres zu tun. Vier Wochen nach der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien arbeitet der Vollblutfußballer schon wieder an neuen Zielen. Der US-Nationalcoach mit schwäbischen Wurzeln will den Fußball in den USA noch

salon- und wettbewerbsfähiger

machen. Schon jetzt hat er den "schlafenden Riesen" mit Ehrgeiz, Akribie und viel deutschem Herzblut zum Leben erweckt.

Dass er dabei auch gegen viele Widerstände ankämpfen musste, ist ihm natürlich egal. Klinsmann, der nach außen sehr smart auftritt, zeigte sich in der Sache knallhart. Schon immer ist der blonde Bäckersohn aus Göppingen seinen eigenen Weg gegangen, ob früher als Profi oder später dann als Trainer. Klinsmann eckt an, mit dem, was er sagt und mit dem, was er tut. Er ist kein weich gespülter Teammanager mit Hang zu Kompromissen. Mit dieser unbequemen Art, an der sich oft auch die Geister scheiden, hat es der schwäbisch-kalifornische Revoluzzer weit gebracht - als Welt- und Europameister, aber auch als ehemaliger Bundestrainer.

Führungstrio verändert DFB-Elf

2004 hatte er die damals am Boden liegende DFB-Auswahl übernommen. Zusammen mit Teammanager Oliver Bierhoff und Joachim Löw als Co-Trainer sorgte Klinsmann mit seinen Reformen im deutschen Fußball für ein Erdbeben und musste reichlich Kritik einstecken. Zwei Jahre später wurde er nach Platz drei bei der Heim-WM als Vater des Sommermärchens gefeiert.

Torwart-Trainer Andreas Köpke (l.-r.), Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Co-Trainer Joachim Löw und Team-Manager Oliver Bierhoff stehen 2006 auf der Fanmeile am Brandenburger Tor zusammen (Foto: Marcus Brandt dpa/lbn)

Sommermärchen 2006: Andreas Köpke (l.-r.), Jürgen Klinsmann, Joachim Löw und Oliver Bierhoff in Berlin

Es folgte in der Saison 2008/2009 ein wenig erfolgreiches Kapitel als Trainer bei Bayern München inklusive Entlassung, ehe sich Klinsmann ab 2011 der Herausforderung in seiner Wahlheimat USA stellte. Im Vorfeld der WM in Brasilien hatte es nicht wenige Stimmen gegeben, die schon seinen Rücktritt gefordert hatten. Nach dem Erreichen des

Achtelfinales

und guten Auftritten des US-Teams sind die Kritiker jedoch weitgehend verstummt.

Bis 2018 läuft Klinsmanns Vertrag als Nationaltrainer und technischer Direktor beim US-Verband noch. Bis dahin stehen der Gold-Cup im kommenden Jahr, die Copa America 2016 in den USA, die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro und natürlich die WM 2018 in Russland auf der Agenda des ehemaligen Torjägers.

Zweite Heimat Los Angeles

US-Trainer Jürgen Klinsmann vor seiner Trainerbank (Foto: imago)

Jürgen Klinsmann fühlt sich in den USA zuhause

"Die Erfahrungen der letzten Wochen werden helfen, das Team für die

nächsten Aufgaben

zu formen", hatte er nach dem WM-Aus gesagt und von den "aufregenden, jungen Spielern, die nachkommen" geschwärmt. Der Optimismus des Schwaben hat viele in den USA schon angesteckt. "Amerika hat Talent: Die große Zukunft des Fußballs. Jürgen Klinsmanns Youngster machen Hoffnung", befand USA Today nach der WM.

Der Weg für weitere Jahre als US-Nationalcoach ist also geebnet. In Kalifornien fühlt sich Klinsmann sowieso schon längst zuhause. Mit seiner Frau Debbie Chin, einer Amerikanerin chinesischer Herkunft, lebt er seit 1998 in einer Villa am Strand von Huntington Beach in der Nähe von Los Angeles. Zusammen mit ihr, Sohn Jonathan und Tochter Laila wird er dort auch seinen 50. Geburtstag feiern. Die große Party aber sucht man vergebens.

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