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Nahost

Jüdische Siedlungen im Westjordanland

Eigentlich markiert die "Grüne Linie" die Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland. Die Palästinenser hofften, dass diese Grenze die Umrisse ihres künftigen Staates markieren. Doch die Hoffnung darauf schwindet.

Palästinensische Arbeiter neben dem Rohbau eines israelischen Baus in der Siedlung Maaleh Adumim im Westjordanland (Foto: AP)

Ein Hindernis auf dem Weg zum Frieden: jüdischer Siedlungsbau

Auf der ins Zentrum führenden Handelstraße von Hebron herrscht reges Treiben, jedenfalls am Anfang. Doch allmählich wird es stiller. Die Autos werden weniger, ebenso die Passanten. Schließlich kommen die Autos überhaupt nicht mehr weiter, nur Fußgänger können sich noch bewegen. Die Straße endet an einer Gasse. Arabische Händler bieten dort ihre Ware an, zwei, drei Meter über ihren Auslagen sind Drahtnetze gespannt. Sie schützen gegen den Müll, den die in den oberen Etagen lebenden Siedler aus ihren Wohnungen auf die Gasse werfen.

Unter den Augen des Militärs. Pflanzarbeiten an der Grenze zu einer Siedlung (Foto: DW/Kersten Knipp)

Unter den Augen des Militärs. Pflanzarbeiten an der Grenze zu einer Siedlung

Extremistische Siedler in Hebron

Es sind fundamentalistische Siedler, solche, die dem göttlichen Heilsplan auf ihre Weise nachhelfen. Gott wolle, dass die Juden das Gelobte Land vollständig beherrschen, glauben sie. Entsprechend rigoros verhalten sie sich den Palästinensern gegenüber. So haben diese es mit sehr unangenehmen Nachbarn zu tun, erläutert Walid Abu Alhalaweh vom Hebron Rehabilitation Center, einer Organisation, die sich um die Aufwertung der Altstadt kümmert. Die in Hebron lebenden Siedler seien die extremistischsten überhaupt, erklärt er. Israelische Freunde hätten ihnen gesagt, sie wollten solche Menschen nicht als Nachbarn haben.

Schutz durch Soldaten

Die Besiedlung begann 1979. Damals besetzten einige jüdische Frauen das Beit Hadassa Gebäude im Zentrum der Stadt. Seitdem zogen immer mehr Siedler nach. Heute leben rund 400 von ihnen im Herzen der Stadt. In der an Hebron angrenzenden Siedlung Qiryat Arba leben gut 4.000 weitere. Geschützt werden sie von rund 1.500 israelischen Soldaten. Zahlreiche Behinderungen, die Israel mit Sicherheitslage begründet, machen den palästinensischen Bürgern das Leben schwer.

Zunächst mussten 500 kleinere Geschäfte auf Befehl des Militärs schließen, erläutert Walid Abu Alhalaweh. In den folgenden Jahren gaben noch einmal über 1.100 Ladenbetreiber auf, da aufgrund der Behinderung keine Kunden mehr kamen. Sie blieben aus, da es in der Altstadt von Hebron sehr viele Straßenblockaden gibt. Allein in der Altstadt von Hebron, erläutert Abu Alhalaweh, seien es rund 100 Blockaden, die die Palästinenser zu zahlreichen Umwegen zwingen.

Ein jüdischer Siedler steht mit Militärs an einer Straßensperre (Foto: DW/Kersten Knipp)

Nicht ohne mein Gewehr: Ein Siedler mit Militärs

Die Shuhada-Street etwa, die ehemalige Hauptstraße Hebrons, wurde für Palästinenser gesperrt – ohne Rechtsgrundlage. Die Eingaben, die die Palästinenser dagegen gemacht hätten, hätten nicht gewirkt, erläutert Abu Alhalaweh.

Amerikaner, Israeli und Palästinenser

Längst nicht alle Siedler sind so radikal wie die in Hebron. Gerade im Umkreis von Jerusalem gibt es viele, die aus rein ökonomischen Gründen in den Siedlungen leben. Wer sich entscheidet dort zu leben, kann auf Unterstützung und Entgegenkommen der Regierung rechnen. Andere Siedler wiederum leben aus religiösen Gründen im Westjordanland. Ari Gelman etwa. Er wohnt in der Siedlung Efrat, 14 Kilometer südlich von Jerusalem. Von der Gewalt der Siedler in Hebron distanziert er sich. Aber warum lebt er im besetzten Westjordanland? Warum nicht, antwortet er. Schließlich sei er ein Sohn Palästinas.

Sein Vater sei zu Beginn der 1920er Jahre in das damalige Palästina gekommen. Er sei vor antisemitischer Diskriminierung in der Gegend des heutigen Bessarabien geflohen. Ein Jahr habe er in Palästina gearbeitet, dann sei er in die USA gezogen. Seinem Pass nach sei sein Vater ein Palästinenser. Das mache auch ihn zu einem Palästinenser, behauptet Gelman. Und er sei nicht nur Palästinenser, sondern auch Amerikaner und Israeli – und dies den Gesetzen aller drei Länder entsprechend.

Er selbst sei allerdings erst relativ spät gekommen. Während des Studiums in den USA habe er seine Religiosität entdeckt. In jener Zeit, Ende der 1970er Jahre, sei er zum ersten Mal nach Israel gereist. Hier wollte er leben, habe er gemerkt. So kam er 1982 endgültig zunächst nach Palästina.

Methoden der Landnahme

Schutznetze, gespannt zwischen den Häuserzeilen, die den Abfall der Siedler von Hebron auffangen sollen (Foto: DW/Kersten Knipp)

Müll von Gottes Gnaden? Schutznetze gegen den Abfall der Siedler von Hebron

Die Landnahme durch Israel erfolgt auf zweierlei Wegen. Einmal beschließt der Staat ganz offiziell die Besiedlung weiteren Gebietes in Ostjerusalem und im Westjordanland. Zweitens aber besetzen Siedler ein Stück Land, meist auf der Spitze eines Hügels, stellen dort einen Wohnwagen auf oder bauen ein kleines Haus oder eine Hütte. Fast immer sind dann auch Soldaten anwesend, die die Siedler beschützen. Diese kleinen Außenposten wachsen dann Schritt für Schritt zu kleinen Siedlungen und später auch Ortschaften aus – in den meisten Fällen mit Duldung des israelischen Staates.

Für die Palästinenser haben die Siedlungen schwerwiegende Konsequenzen. So etwa in Ort Jab'a. Der kleine Ort liegt nahe der neu errichteten israelischen Grenzmauer. Außerdem wurden in der Nähe einige jüdische Siedlungen gebaut. Die in deren Umkreis errichteten Blockaden und Sicherheitseinrichtungen hemmen auch den Kontakt zu den Nachbardörfern.Bauer Hamad Ali Habdan berichtet, was der Siedlungsbau für die Bewohner von Jab'a bedeutete. Die Bauern hätten vor der Besiedlung und vor dem Bau der Grenzmauer knapp 14.000 Donum - 1.400 Hektar – Land besessen. Die Israelis hätten große Flächen konfisziert. Heute besäßen die Bauern nur noch umgerechnet rund 300 Hektar.

Blockierte Schulwege

Die Siedlung, die auf dem konfiszierten Land gebaut worden sei, liege drei bis vier Kilometer von Jab'a entfernt. Zwischen Jab'a und der ebenfalls von Palästinensern bewohnten Ortschaft Sourif habe man aber eine Straßenblockade errichtet – und das, obwohl die Siedler die Straße gar nicht benutzten. Die Blockade mache das Leben vor allem für die schulpflichtigen Kinder schwer. Statt der direkten Verbindung nach Sourif müssten die Kinder einen drei Kilometer langen Umweg nehmen, und das durch abschüssiges Gelände. Diesen Weg müssen sie jeden Tag gehen, im Sommer ebenso wie im Winter. Lange Wege, die viel Zeit kosten. Zeit, die die Palästinenser produktiver nutzen könnten.

Autor: Kersten Knipp

Redaktion: Stephanie Gebert

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