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Kultur

Jüdische Gemeinden in Europa

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Europa sechseinhalb Millionen Juden. Die Gemeinden heute sind sehr viel kleiner, aber inzwischen auch wieder sehr lebendig.

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Der Besuch in der Synagoge gehört zum Leben dazu

In Ungarn leben zur Zeit etwa 60.000 bis 100.000 Juden. Die meisten von ihnen gehören der jüdischen Gemeinde in Budapest an. Obwohl es dort vor der Wende die einzige Rabbinerschule im Ostblock gab, fielen die Menschen jüdischer Herkunft nicht auf. Das hat sich seit einigen Jahren geändert. Heute fallen vor allem junge Juden durch ihre orthodoxe Kleidung im Straßenbild auf. "Junge Leute finden das interessant, denn sie haben alle Ideologien verloren - Sozialismus, Kommunismus, Marxismus usw. und ihre Eltern haben ihnen nicht gesagt, dass sie Juden sind. Ich weiß deshalb nicht ob das eine Lebensform ist oder eine Religion", sagt die jüdische Journalistin Éva Széchy.

Auch in Tschechien haben viele Menschen, geprägt von den grausamen Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg, ihr Judentum abgelegt. Sie haben ihre Religion aus Angst ermordet zu werden sogar vor ihren Kindern verschwiegen. 80.000 Menschen jüdischer Herkunft wurden allein in Böhmen und Mähren umgebracht. Heute leben um die 5.000 Juden in Tschechien, erklärt Robert Rehák von der tschechischen "Gesellschaft der Christen und Juden". "Das ist die offizielle Zahl von Menschen, die sich zum Judentum bekennen. Es leben hier mehrere Tausend Juden, die sich nicht offiziell zum Judentum bekennen. Es gibt hier Familien, die in der zweiten bzw. dritten Generation nicht mehr jüdisch sind, es gibt Familien, die konvertiert sind oder die atheistisch leben."

Auch in der Slowakei, in der nahezu 3000 Juden leben, wird die jüdische Tradition nicht sehr gepflegt. Hier bekennen sich etwa 700 Menschen zum Judentum und besuchen die Synagogen, Jaroslav Franek vom Institut für Judaistik der Comenius-Universität in Bratislava blickt trotzdem positiv in die Zukunft: "Ich bin froh, dass wir überhaupt jüdisches Leben haben, obwohl es mehr eine gesellschaftliche als eine religiöse Sache ist. Ich bin fest überzeugt, dass diese Verbindungen zwischen Juden und jüdischer Tradition viel tiefer sind und viel grundsätzlicher als nur über die Religiosität."

Auch in Rumänien verstecken sich die Juden nicht. Zur Zeit leben in dem südosteuropäischen Staat nahezu 10.000 von ihnen, die ihre Kultur hochhalten und pflegen. Sie nehmen sogar verstärkt am kulturellen Leben des Landes teil. Nicht nur in der Literatur haben die Juden aus Rumänien eine große Rolle gespielt und tun das auch heutzutage. Auch in der Musik und besonders im Theaterleben war und ist der jüdische Beitrag sehr wichtig. Auch heute gibt es in Bukarest noch das Jüdische Staatstheater und manche Stücke werden auf Jiddisch aufgeführt. Natürlich sind nicht mehr alle Schauspieler Juden und so lernen rumänischen Schauspieler Jiddisch, damit die Tradition weiterlebt.

Jüdisches Leben in Frankreich und Großbritannien: Lesen Sie weiter im zweiten Teil.

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