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Amerika

Jüdische Gemeinde hofft auf Obama

Viele Juden haben große Hoffnungen auf das Treffen von Israels Premier Netanjahu mit Obama gesetzt. Auch die jüdische Gemeinde in Washington baut nach wie vor fest auf die gemeinsamen Interessen der Regierungschefs.

Jude in Synagoge (Archiv) (Foto: dpa)

Weltweit setzen viele Juden große Hoffnungen auf Obama und Netanjahu

"Ich glaube, sie haben trotz allem das Zeug zu einem großartigen Team", sagt ein junger Mann, der zusammen mit seinem Freund in einem Café der amerikanischen Hauptstadt sitzt und angeregt über den Netanjahu-Besuch diskutiert.

Politik spiele in ihrer Gemeinde immer eine große Rolle - sagt sein 26-Jähriger Tischnachbar. "Israelische Politik, amerikanische Politik und wie die beiden zusammen passen - an jeder jüdischen Essenstafel, auf jedem jüdischen Fest dauert es keine halbe Stunde und du bist in einer politischen Diskussion", erklärt der junge Mann, der wie sein Freund in den USA geboren ist und einige Jahre in Israel gelebt hat.

Gleiche Ziele

Netanjahu und seine Frau Sara (Foto: ap)

Netanjahu war mit seiner Frau Sara zum Antrittsbesuch in den USA

Beide Männer möchten ihre Namen nicht nennen. Doch sie sprechen gern über ihre Hoffnungen mit Blick auf die Verhandlungen Obamas im Nahost-Friedensprozess. "Netanjahu und Obama wollen beide das Gleiche erreichen", erklärt der eine. Netanjahu wolle nicht als ein Premierminister gesehen werden, der mit seinem Handeln das Verhältnis zu den USA belaste. Und Obama wolle nicht vor der internationalen Gemeinschaft und der jüdischen Gemeinde als ein amerikanischer Präsident dastehen, der einen Großteil seiner Wähler hängen lasse.

"Es ist eine spannende Zeit mit diesen beiden jungen Regierungen", erklärt der andere junge Mann. "Ich würde sagen, dass die meisten amerikanischen Juden und auch die meisten Israelis die Gespräche ängstlich und optimistisch verfolgen." Ängstlich, weil Obama zum einen noch nicht allzu viele Details seiner Nahost-Politik enthüllt habe. "Aber gleichzeitig wissen die meisten Juden in den USA um die Stärke des amerikanisch-israelischen Verhältnisses."

Uneingeschränkte Allianz?

Das hat Vizepräsident Joe Biden erst vor kurzem auf dem Kongress der Lobbygruppe für Israel in den USA, der Aipac, deutlich gemacht. "Bei all dem Wandel, über den geredet wird, gibt es ein wesentliches Prinzip, an dem sich nichts ändern wird. Und das ist unser Beitrag zu Frieden und Stabilität des Staates Israel", hat Biden dort unter tosendem Beifall der 6500 Delegierten gesagt.

Obama, das sehen viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde in der Hauptstadt, will den Friedensprozess im Nahen Osten aktivieren. Erwartet wird, dass er dafür einen neuen Plan vorlegt. Doch Obama schlägt auch Töne an, die seine Vorgänger bislang vermieden haben. Als erster amerikanischer Staatschef bricht er ein Tabu und benennt Israel als Atommacht. Und sein Vize Biden mahnte vor der Lobbygruppe Aipac: "Israel muss auf eine Zweistaaten-Lösung hinarbeiten. Ich weiß, dass sie das nicht gerne hören", sagte er und mahnte: "Baut keine weiteren Siedlungen, baut die bestehenden ab und gebt den Palästinenser freien Zugang."

Juden unterstützen Obamas Kurs

Obama (Foto: dpa)

US-Präsident Obama setzt sich für den Frieden im Nahen Osten ein

Vielen Mitgliedern seiner Gemeinde sei es völlig recht, dass das Obama-Team so deutliche Worte an die israelische Regierung richte, meint der eine junge Mann im Café. Er lebt zusammen mit anderen jungen amerikanischen Juden in einer Wohngemeinschaft und organisiert viel in seiner Gemeinde. Er habe beobachtet, dass viele alte jüdische Menschen Obama zunächst skeptisch begegnet seien. Doch mit der Zeit habe der seine Botschaft immer klarer vermittelt und vielen Leuten die Angst genommen. Immerhin: 78 Prozent der amerikanischen Juden hätten doch Obama gewählt.

Viele Juden seien nicht einverstanden mit der Politik von Benjamin Netanjahu, wirft ein dritter Café-Besucher ein. Sein Gegenüber verteidigt den israelischen Premierminister. "Die meisten amerikanischen Juden begreifen, dass sie mit Netanjahu jemanden haben, der aus seiner früheren Amtszeit gelernt hat", sagt der junge Mann, der Öffentlichkeitsarbeit für eine jüdische Organisation macht. Netanjahu sei ein Pragmatiker und wenn er die Chance für einen Friedensvertrag habe, werde er sie ergreifen.

Angst vor dem Iran

Irans Präsident Ahmadineschad (Foto: ap)

Viele Israelis fürchten einen Angriff des Iran: Präsident Ahmadineschad hat oft damit gedroht

Doch so wichtig der israelisch-palästinensische Konflikt auch sei - Top-Thema sei für die meisten die Angst vor einem Angriff des Iran. "Die iranische Bedrohung ist für uns existenziell. Israel könnte in nicht allzu weiter Zukunft ausgelöscht werden." Dieses Thema beschäftigt zurzeit die meisten Israelis und amerikanischen Juden. Viele erwarten, dass sich Israel und die USA in dieser Sache bald auf einen gemeinsamen Weg einigen werden.

Fest steht für viele Juden: Sie geben dem Friedensprozess in Nahost immer noch eine Chance. Gerade junge Mitglieder der Gemeinde seien sogar hoffnungsvoller denn je.

Autorin: Antje Passenheim

Redaktion: Anna Kuhn-Osius

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